Jannik Rochelt: Einer wie Dirigent Overath

Fuerth H01 Rochelt Jensen 300Vermutlich wird Jannik Rochelt (links im Bild) mit dem Namen Wolfgang Overath nicht viel anfangen können. Der Mittelfeldspieler des FC Memmingen ist Jahrgang 1998, weshalb der frühere Nationalspieler und Weltmeister von 1974 gut und gerne als Rochelts Großvater durchgehen könnte. Und doch gibt es Parallelen zwischen den beiden.

Zum Beispiel den Geburtsmonat – der eine wird Ende diesen Monats 20, der andere 75. Zum Beispiel die Art und Weise, mit dem Ball umzugehen. Zum Beispiel die Liebe zur Trikotnummer 10. Die darf in der Welt des Fußballs vor allem jener tragen, der nicht mit dem Schwert kämpft, sondern mit elegantem Degen. Der nicht fürs kompromisslose Tackling den Applaus der Galerie erhält, sondern für den außergewöhnlichen Pass und die Gabe, ein Spiel dirigieren zu können. Der FCM hat wieder einen, der Fußball zelebriert, und trotz seiner noch jungen Jahre hat Rochelt auch im Pokalfight gegen 1860 München Akzente gesetzt. Als er bereits nach zwölf Minuten Gästekeeper Marco Hiller per Freistoß prüfte; als er sich in der 66. Minute auf den Weg zum vermeintlichen 1: 0 machte und es schon der intensiven Gemeinschaftsaktion eines Löwen-Trios bedurfte, um ihn zu stoppen, und, und, und.

„Diese Niederlage war nicht gerecht“, bilanzierte Rochelt, „wir wurden vom Trainer super eingestellt und haben es von Anfang an gut gemacht.“ Neben enormem Willen und viel Herz auch mit eindrucksvollen spielerischen Mitteln. Was einem wie Jannik Rochelt entgegenkommt: „Es macht einfach Spaß, in dieser Truppe zu spielen. Wir sind eine Einheit.“

Auf Fragen nach seinen persönlichen Zielen und der Zukunft in der Welt des Fußballs reagiert der Westallgäuer (noch) vorsichtig. Eine ordentliche Saison wolle er in Memmingen spielen, die Ausbildung als Bankkaufmann gewissenhaft zu Ende bringen, na ja, und dann könne man immer noch sehen wie es weitergehe, meint er. Einen gewaltigen Aufwand betreibt er schon jetzt: Beinahe jeden Tag fährt er nach der Arbeit knapp eine Stunde zum Training. „Das schlaucht manchmal“, gesteht er.

Gerade die Partie gegen den Drittligisten bewies, dass Rochelts Talent mit jenem der jüngeren Löwen durchaus mithalten kann. Trotz großer Kulisse und prominentem Gegner. „Das war ein Highlight“, bekannte die FCM-Zehn. „Da hängt man sich natürlich voll rein.“ Und ist am Ende umso trauriger, im Pokal ausgeschieden zu sein.

(Von Freddy Schissler - Allgäuer Zeitung vom 06.09.18 - Archivfoto: Olaf Schulze)

 

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