Regionalliga: FC Memmingen - SpVgg Bayreuth 2:3 (0:3)

Bayreuth H01 Nickel 300Ein Bild sagt oft mehr als (tausend) Worte. Es mögen 20 oder 25 Minuten nach Schlusspfiff der Regionalligapartie zwischen dem FC Memmingen und der SpVgg Bayreuth gewesen sein, als die ersten Lichter der Haupttribüne ausgeknipst wurden und die Spieler beider Teams in den Kabinen verschwanden. Auch die meisten Zuschauer waren längst auf ihrem Weg nach Hause. Uwe Wegmann, der Trainer des Gastgebers, hingegen stand noch immer auf dem Rasen, den Kopf leicht nach unten gesenkt, die Stirn in Falten, die Hände in den Hosentaschen. Ein Bild mit Symbolcharakter.

Die 2: 3 (0: 3)-Schlappe im ersten Heimspiel der Saison musste verdaut werden. Wobei es vermutlich nicht alleine diese Niederlage gewesen ist, die ihn ins Grübeln geraten ließ. Nach drei Spielen steht sein Team mit null Punkten da, das fühlt sich nicht gut an, und so werden ihm in diesem Moment Begriffe wie Fehlstart oder Abstiegsangst durch den Kopf gegangen sein. Zumal seine Spieler in der ersten Halbzeit mit einer seltsam vorsichtigen, beinahe unsicheren Art und Weise aufgetreten waren.

Später, bei der Pressekonferenz, hatte sich Wegmann wieder gefangen, sprach davon, dass er seiner Mannschaft keinen Vorwurf machen könne, weil sie im zweiten Abschnitt engagiert versucht habe, den Spieß umzudrehen und sich zu rehabilitieren. Denn ihm wie auch den über 1200 Zuschauern war nicht entgangen, dass die Hausherren nach sechs Minuten völlig den Faden verloren hatten. Zu diesem Zeitpunkt brachte Gästestürmer Alexander Piller die SpVgg mit 1: 0 in Führung. Vorausgegangen waren mehrere Abwehrschnitzer, und diese Unzulänglichkeiten in der FCM- Hintermannschaft und auch im Mittelfeld gab’s bis zur Pause zuhauf. Die Folge: Treffer zwei (30.) und drei (41.). Beide Male war Anton Makarenko der Torschütze, und beide Male hatte er leichtes Spiel.

Gründe für diese immense Fehlerquote? Kollektives Schulterzucken nach dem Spiel. „Du darfst einfach nicht mit 0: 3 in die Kabine gehen“, meinte Kapitän Fatjon Celani. „Ich weiß nicht, was anfangs passierte. Darüber müssen wir reden.“ Licht ins Dunkel konnte auch Neuzugang Lirim Kelmendi nicht bringen und sprach von einem Auftreten, das sich die Mannschaft ganz anders vorgenommen hatte. Und keine Ahnung, weshalb das Vorhaben nicht umgesetzt werden konnte. Uwe Wegmann immerhin hatte da so eine Ahnung: „Die Automatismen funktionieren noch nicht so wie es sein sollte, weil immer wieder wichtige Spieler fehlen. Wir sind noch in der Findungsphase.“

Gegen Bayreuth mussten Lukas Rietzler (Studium) und Marco Greisel (verletzt) passen, zwei erfahrene Regionalligaspieler. Von denen hatte der Gastgeber an diesem Abend eindeutig zu wenig in seinen Reihen. Allerdings: Im zweiten Abschnitt stemmte sich der FCM gegen ein Debakel. Plötzlich ließ Neuzugang Fadhel Morou Schnelligkeit und fußballerische Finesse aufblitzen, kam Stürmer Marco Nickel zu Chancen und sogar einen Treffer (72.), und als der beste Memminger, Fatjon Celani, drei Minuten vor Schluss auf 2: 3 verkürzte, glaubte wohl auch Wegmann an ein mögliches Happy End. Doch das blieb aus, weshalb er noch lange auf dem Rasen stand und sinnierte.

FC Memmingen: Gruber – Ph. Boyer, Jokic, Sirch, Ender (83. Ngu’Ewodo) – Morou, Kücük (54. Skrijelj), Schad, L. Kelmendi – Celani, Nickel. – Trainer: Wegmann.

SpVgg Bayreuth: Kolbe – Messingschlager, Eder, Weber, Golla – Makarenko, Wolf, Weimar (54. Weimar), Piller (77. Schiller) – Marinkovic (73. Fenninger), Knezevic. – Trainer: Rost.

Tore: 0:1 (6.) Piller, 0:2 (30.) Makarenko, 0:3 (41.) Makarenko, 1:3 (72.) Nickel, 2:3 (86.) Celani. – Schiedsrichter: Zacher (Nussdorf). – Gelbe Karten: Schad, Skrijelj / Golla, Eder, Makarenko. – Gelb-Rot: Eder (67./Bayreuth/Unsportlichkeit). – Zuschauer: 1.287.

(Von Freddy Schissler - Allgäuer Zeitung vom 25.07.19 - Foto: Olaf Schulze)

Am Rande notiert ...

Ausfälle: Die beiden Mittelfeldstrategen Kapitän Lukas Rietzler (Prüfung) und Marco Greisel (Bluterguss) mussten gegen Bayreuth passen. Fatjon Celani konnte nach seiner Verletzungspause und dem Halbzeiteinsatz in Nürnberg erstmals wieder über die volle Spielzeit gehen. Beim Japaner Natsuhiko Watanabe gibt es mit den Behörden immer noch ein Ringen um die Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis. Davon hängt wiederum das Spielrecht als Amateurkicker ab. (ass)

Eklat auf der Pressekonferenz: Bayreuths Timo Rost wurde von einem Journalisten befragt, warum er sich zu einer angeblich ausländerfeindlichen Äußerung („Lern erst mal deutsch“) in Richtung in Tribüne hinreißen ließ. Den Vorwurf, sich bei einem Disput mit Zuschauern ausländerfeindlich geäußert zu haben wies Rost entschieden zurück und verließ entrüstet nach der Frage die Pressekonferenz. Was genau vor der Äußerung vorgefallen ist, ließ sich nicht klären. (ass)

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