Erinnerungen weichen knallhartem Tagesgeschäft

Bayreuth H02 Wegmann 300Vor dem Regionalliga-Gastspiel am Samstag (14 Uhr) beim SV Türkgücü München werden im Lager des FC Memmingen einige Erinnerungen an vergangene Zeiten wach. Ende der 1980iger bis Mitte der 1990iger Jahre gab es bereits einige Duelle gegen die „türkische Kraft“, wie Türkgücü in etwa übersetzt werden kann. Der jetzige Verein sieht sich in der direkten Nachfolge von damals und hat deshalb kürzlich den Zusatz „Ataspor“ aus dem Namen gestrichen. Die Ambitionen heute sind allerdings noch deutlich höher als vor drei Jahrzehnten gesteckt: Möglichst schnell soll es bis in die zweite Bundesliga gehen, unterstützt von zahlreichen Geldgebern, die Manager Robert Hettich nach dem Aufstieg eine komplett neue Mannschaft zusammenkaufen ließen.

Als den Münchner Türken, die einst in Heim- und Auswärtsspielen nicht nur ihre Landsleute in Scharen anlockten, im Jahr 1992 das Geld ausging, sollte sich dies als länger währenden Glücksfall für den FC Memmingen erweisen. Mit Esad Kahric, Serdan Gemaljevic und Gursel Purovic wechselten drei Spieler ins Allgäu, die hier nachhaltige Spuren hinterließen. In Memmingen spielten der Bosnier Kahric, der Serbe Gemaljevic und der Montenegriner Purovic einträchtig in einer Mannschaft. In ihrer Heimat wären sie während der dort tobenden Balkankriege Feinde gewesen und hätten womöglich aufeinander schießen müssen. Alle drei sind in Deutschland geblieben, haben unterschiedliche sportliche und berufliche Karrieren gemacht. Gemaljevic lebt nach Trainerstationen in Österreich und dem Iran heute am Bodensee. Purovic betreute in der vergangenen Runde noch den TV Bad Grönenbach. Kahric blieb am längsten dem FCM verbunden, allein 16 Jahre ununterbrochen als Trainer.

Der heutige FCM-Coach Uwe Wegmann (im Bild) hat Erinnerungen an den Mindelheimer Ex-Profi Rainer Maurer, der den Aufsteiger Türkgücü schnellstmöglich in den bezahlten Fußball führen soll. Dort trafen sich Wegmann und Maurer mehrmals. „Zum Beispiel als ich mit Bochum und Rainer bei 1860 München in der zweiten Liga spielten. Ich im Sturm, er in der Abwehr. Da waren wir direkte Gegenspieler“. Nach der aktiven Zeit sind sich beide auch immer wieder mal begegnet, haben sich bei Trainerfortbildungen ausgetauscht.

Damit wischt Wegmann auch schnell die Nostalgie beiseite: „Was mal war, zählt nicht mehr. Fußball ist ein Tagesgeschäft. Wichtig ist, was heute und morgen ist“. Und das ist die Gegenwart 2019: Memmingen ist nach Spieltagen ohne Punkte, hofft auf Besserung in der Ausbeute und der Besetzung, denn dreimal war das Aufgebot aus verschiedensten Gründen unterschiedlich. Automatismen greifen noch nicht, fehlende Akteure wie Lukas Rietzler oder Marco Greisel machten sich bei der 2:3 Heimniederlage gegen Bayreuth unter der Woche deutlich bemerkbar. Aber auch mit Vollbesetzung würde es gegen Türkgücü schwer. Der Favorit verlor nämlich völlig überraschend in Garching mit 0:2 und wird den Heimauftritt im Sportpark Heimstetten gegen Memmingen deshalb mit Volldampf angehen. Denn selbst bei nur sechs Niederlagen beim Durchmarsch von der Landesliga in die Regionalliga soll die Münchner Vereinsspitze immer gleich nervös reagiert haben.

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(Foto: Olaf Schulze)

 

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