Regionalliga: FC Memmingen - VfB Eichstätt 1:0 (1:0)

Eichstaett H01 Nickel 300Emotionen, Kampf, Bangen und Zittern – fast 100 Minuten lang: Beim 1: 0 (1: 0)-Heimsieg des FC Memmingen in der Fußball-Regionalliga über den VfB Eichstätt war alles dabei. Wie wichtig der Erfolg nach vier punktlosen Partien zum Saisonstart war, zeigte sich schon vor Abpfiff – in der hitzigen Schlussphase kochte die Stimmung auf Rasen und Rängen hoch.

Der FCM startete gut: Nach fünf Minuten wurde ein Schuss von Marco Greisel geblockt, den Abpraller verwertete Marco Nickel zum 1: 0. Der Youngster, der im Sturm eine starke Partie machte, netzte geistesgegenwärtig und sehenswert per Flugkopfball ein. „Wir sind direkt gut reingekommen“, analysierte später auch ein erleichterter FCM-Trainer Uwe Wegmann und ergänzte: „Zum Glück war es dieses Mal umgekehrt – sonst waren wir ja oft früh in Rückstand.“

Es entwickelte sich eine durchschnittliche Partie, die von vielen intensiven Zweikämpfen geprägt war, aber nie langweilig wurde. Zum einen, weil die Oberbayern gefährlich blieben und mehrere Chancen auf den Ausgleich hatten: Etwa als Gäste-Torjäger Fabian Eberle nach einer Ecke knapp über die Latte köpfte (19. Minute), als eine abgefälschte Flanke FCM-Torhüter Martin Gruber zu einer Glanztat zwang (21.) oder als VfB-Angreifer Philipp Federl allein am Fünfmeterraum auftauchte, den Ball aber am langen Pfosten vorbei schob (31.). Zum anderen, weil auch Memmingen gute Abschlüsse hatte: Ein Kopfball von Kapitän Lukas Rietzler rauschte daneben (22.), bei einem satten Distanzschuss von Stürmer Fatjon Celani hatten viele Fans schon den Torschrei auf den Lippen, doch der Ball strich knapp vorbei (32.). Bis zur Pause blieb es beim 1: 0.

Nach dem Seitenwechsel entwickelte sich ein „offener Schlagabtausch“ (Wegmann). Während die vielen hohen Bälle der Gäste meist eine sichere Beute der FCM-Defensive waren, mehrten sich vorne die Chancen für die Gastgeber. Erst wurden zunächst Nickel (50.), dann Greisel (51.) im letzten Moment am Abschluss gehindert, dann startete Celani etwas zu früh – sein Treffer zählte wegen Abseits nicht (53.). Schüsse von Celani (55.), Philipp Boyer (60.) und dem auffälligen Fadhel Morou (64.) parierte Gäste-Keeper Felix Junghan. Die größte Chance verpasste Celani, als er am Fünfmeterraum angespielt wurde, den Ball aber nicht unter Kontrolle brachte (66.).

In der Schlussphase wurde es hektisch. Eichstätt drückte vor den Augen eines Scouts von Hertha BSC Berlin – der Klub empfängt die Hauptstädter am Sonntag in der ersten Runde des DFB-Pokals in Ingolstadt. Doch die einzige Großchance von Jakob Zitzelsberger entschärfte Gruber stark (79.).

Die Nerven lagen nun blank: Zitzelsberger flog mit Gelb-Rot vom Platz (86.). Wenig später überlupfte Morou im Konter Junghan und wurde gleichzeitig gefoult, doch der Elfmeterpfiff blieb aus (90.). Nach einem umstrittenen Abseitspfiff gegen den FCM platzte einem Memminger Offiziellen der Kragen: Er verließ eigens die Sprecherkabine, um das Schiedsrichter-Gespann, insbesondere den Assistenten, lauthals und wüst zu beschimpfen. Nickel war der VfB-Abwehr enteilt, aber zurückgepfiffen worden – dabei war er wohl in der eigenen Hälfte gestartet. Ein Indiz dafür, wie groß der Druck auf den Spielern und den gesamten Verein ob der prekären Ausgangslage gewesen sein muss. Trotz fast achtminütiger Nachspielzeit blieb es dann beim 1: 0 für die Hausherren.

Nach dem Schlusspfiff fiel merklich die Last von den Allgäuern ab: Auf dem Rasen jubelte das Team lange, die Erleichterung war spürbar. „Wir haben die letzten Wochen immer eine Halbzeit super gespielt, es hat aber nie gereicht. Jetzt haben wir endlich die ersten Punkte. Dass es heute geklappt hat – vor eigenem Publikum gegen so einen starken Gegner – ist überragend“, sagte Siegtorschütze Nickel glücklich. Das Team habe sich im Training „immer zerrissen“ und sich nun dafür belohnt. Er betonte: „Der Druck war groß. Aber wenn wir so eine Leistung zeigen, holen wir noch viele Punkte.“ Gästetrainer Markus Mattes dagegen war sichtlich sauer: „Ich hatte nie das Gefühl, dass wir hier noch ein Tor schießen können. Memmingen hat mehr investiert, der Sieg geht in Ordnung.“

FC Memmingen: Gruber – L. Kelmendi, Sirch, A. Kelmendi, Ph. Boyer – Watanabe (68. Skrijelj), Greisel (72. Kücük), Rietzler, Morou – Nickel, Celani (88. Gräser).

VfB Eichstätt: Junghan – Wolfsteiner (69. Usta), Waffler, Schmidramsl, Lamprecht – Federl, Fries – Heinloth(69. Istrefi), Zitzelsberger, Kügel (90. + 4 Graßl) – Eberle.

Tor: 1:0 (5.) Nickel. – Schiedsrichter: Beitinger (Regensburg). – Gelbe Karten: Greisel, Nickel / Fries, Eberle, Zitzelsberger. - Gelb-Rot: - / Zitzelsberger (85./wiederholtes Foulspiel). – Zuschauer: 951.

Personalien:

MEMMINGEN – Der Japaner Natsuhiko Watanabe war erstmals in dieser Saison spielberechtigt. Nach einer Stunde plagten ihn Krämpfe. Verletzt raus mussten Marco Greisel (Schienbeinprellung) und Fatjon Celani (Verdacht auf Muskelfaserriss). Auch Philipp Boyer zog sich Blessuren zu (Bluterguss). Alle vier müssen vermutlich am Dienstag im Toto-Pokal-Spiel beim Kreisligisten TSV Täfertingen passen.

EICHSTÄTT – Neben Rotsünder Fabian Neumayer fehlten in Memmingen der verletzte Stürmer Atdhedon Lushi (Knie) und der nachträglich für seine Entgleisung in Aschaffenburg in Richtung Publikum gesperrte Lukas Schraufstetter.

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(Von Jan-Mirco Linse - Allgäuer Zeitung vom 05.08.19 - Foto: Olaf Schulze)

 

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