FC Memmingen, Kottern und Oberegg im Pokaleinsatz

Ravensburg H07 Thiel 300In der 1. Hauptrunde im BFV-Toto-Pokal tritt Fußball-Regionalligist FC Memmingen am Dienstag beim Augsburger Kreisligisten TSV Täfertingen an. Am Mittwoch folgen noch die beiden anderen verbliebenen Allgäuer Vertreter: Der SV Oberegg darf sich auf den hoch eingeschätzten Regionalliga-Aufsteiger SV Türkgücü München freuen und der Bayernligist TSV muss sich unter der Woche auf die 260-Kilometer-Reise nach Kirchanschöring machen. Dass solche Torturen schon in der ersten Runde durch eine Modus-Änderung möglich sind, sorgt für Kritik am Bayerischen Fußballverband (BFV). „Schwachsinn“ sagt Kotterns Führungsspieler Matthias Jocham dazu (siehe auch Modus-Erklärung „Pokal – was, wie, wann?“)

TSV Täfertingen – FCM (Dienstag, 18.30 Uhr): Für die Memminger ist der Kreisliga-Aufsteiger in völlig unbeschriebenes Blatt. Der Augsburger Kreissieger hatte sich den Allgäuer Traditionsklub bei der „Auslosung“ in der Spielbank Bad Wiessee ausgesucht, obwohl Drittligist Kickers Würzburg noch im Topf gewesen wäre. FCM-Trainer Uwe Wegmann geht die Aufgabe ernst an, will mit starkem Aufgebot antreten, muss aber auch eine Reihe angeschlagener Spieler verzichten. Beim ersten Saisonsieg gegen Eichstätt (1:0) erwischte es Torjäger Philipp Boyer (Bluterguss), Fatjon Celani (Muskelfaserriss), Marco Greisel (Schienbein-Prellung) und Natsuhiko Watanabe (Krämpfe). Reservisten werden Spielpraxis erhalten, aufgefüllt wird der Kader mit Spielern aus der erfolgreichen U21. Voraussichtlich wird an Stelle von Stammkeeper Martin Gruber die Nummer zwei Felix Thiel (im Bild) als "Pokal-Torhüter" zwischen den Pfosten stehen - diese Regelung war in der Vergangenheit beim FCM so üblich.

Schiedsrichterin: Angelika Söder (Ochenbruck); Assistentinnen: Schiedsrichter: Alessa Plass, Daniela Göttinger.

SV Oberegg – SV Türkgücü München (Mittwoch, 18.30 Uhr): Auch Oberegg wollte Würzburg nicht haben, sondern pickte sich Türkgücü heraus, der vom gebürtigen Mindelheimer und Ex-Profi Reiner Maurer trainiert wird. SVO-Abteilungsleiter Georg Fleschhut hofft auf viele Zuschauer: „Sportlich werden wir nicht viel Land sehen. Wir spielen gegen eine Mannschaft mit einem Profikader, deren Ziel die Zweite Liga ist. Wir werden unser Bestes geben.“

SV Kirchanschöring – TSV Kottern (Mittwoch, 18.30 Uhr): Bis an die deutsch-österreichische Grenze muss Kottern zu diesem Duell zum Bayernliga-Konkurrenten fahren. TSV-Coach Esad Kahric will trotz aller Strapazen „das Bestmögliche rausholen, um eine Runde weiterzukommen“. Fraglich ist der Einsatz von Neuzugang Djorde Simikic. Der Serbe hat sich beim 2:1 Heimsieg gegen Landsberg verletzt. Vergangene Saison gab in Kirchanschöring eine 1:5 Niederlage. Die Gesamtbilanz spricht mit sechs Siegen sowie je zwei Unentschieden und Niederlagen für Kottern.

Pokal– was, wie, wann?

In jeder Fußballsaison laufen drei Pokalwettbewerbe gleichzeitig, was bei den Fans immer wieder für Fragen sorgt. Durch die Verwirrung ist für viele der Pokal auch nicht sondern attraktiv, was sich trotz Preisgeldern in den Zuschauerzahlen bemerkbar macht. Um was geht es eigentlich? Im Prinzip ist es nur ein einziger Wettbewerb in verschiedenen Stufen und auf verschiedenen Zeitebenen.

BFV-Toto-Pokal auf Kreisebene: Die unterklassigen Mannschaften bis zur Bezirksliga spielen innerhalb einer Saison in den 22 Fußballkreisen im Freistaat über mehrere Runden im K.O.-System jeweils einen Kreispokalsieger aus. Aktuell ist es aus der Spielzeit 2018/19 im Kreis Allgäu der SV Oberegg, der sich damit für die Hauptrunde auf bayerischer Ebene in dieser Runde 2019/2020 qualifiziert hat. Der staatlichen Gewinnspielanbieter Lotto Bayern mit dem Tippspiel „Toto“ ist Sponsor und Namensgeber und prämiert die Kreissieger. Meist werden die ersten Runden vor dem Punktspielauftakt in den jeweiligen Klassen vorgeschaltet.

BFV-Toto-Pokal auf Verbandsebene: Neben den Kreissiegern der Vorsaison spielen die qualifizierten Landesliga- und Bayernligisten (heuer erstmals in Turnierform auf lokaler Ebene ausgespielt) mit den ab der 1. Hauptrunde einsteigenden Regionalliga- und Drittligisten im K.O.-System bis Mai 2020 einen bayerischen Pokalsieger aus. Der ist in der nächsten Saison 2020/2021 dann für die vermeintlich lukrative 1. Hauptrunde im DFB-Pokal auf Bundesebene gesetzt (Stargeld um die 100.000 Euro). In den ersten Runden dürfen sich zunächst die Kreissieger einen höherklassigen Wunschgegner aussuchen, unter den verbleibenden Mannschaften werden die weiteren Paarungen ausgelost. Die bisherige Regelung mit regionalen Töpfen wurde heuer aufgeweicht, damit unterklassige Klubs in ganz Bayern die Chance bekommen, auch mal gegen einen Proficlub wie 1860 München, Unterhaching, Ingolstadt oder Würzburg zu spielen. Ganz ausgereift ist das Konzept allerdings nicht, wie das Bespiel des TSV Kottern zeigt (siehe eigener Artikel).

DFB-Pokal: Hier ist der Bayerische Pokalsieger – heuer Kickers Würzburg – im Konzert der Großen mit den Bundesligisten dabei. Die Besonderheit in Bayern: Den zweiten zustehenden Startplatz für den DFB-Pokal erhält nicht wie früher der Vize-Pokalsieger sondern die bestplatzierte Amateurmannschaft in der Regionalliga Bayern, die Reserveteams der Proficlubs sind hier ausgenommen. Aktuell trifft es den VfB Eichstätt, der am kommenden Sonntag in Ingolstadt gegen Hertha BSC Berlin antritt. Der FC Memmingen hat es bislang weder über den Pokalwettbewerb noch über die Punkterunde geschafft, so weit vorzudringen.

 

Vorbericht aus Sicht des TSV Täfertingen: "So ein Spiel erlebt man in seiner Fußballerkarriere nur einmal. Deshalb sollten wir einfach Spaß haben“, sagt Günter Stempfle, der Sportdirektor des TSV Täfertingen, vor dem „Spiel des Jahres“ für seinen Verein, der als Pokalsieger im Kreis Augsburg in der ersten Hauptrunde des bayerischen Totopokals den Regionalligisten FC Memmingen erwartet. Eigentlich wollten die Täfertinger ja am Mittwoch spielen. „Dienstag und Donnerstag ist allgemein Trainingstag“, so Stempfle, „und da am Donnerstag in Augsburg Feiertag ist, hätte vielleicht der eine oder andere doch am Abend noch einen Abstecher zum Fußball gemacht.“ Doch die Memminger wollten unbedingt am Dienstag spielen, weil sie am Samstag eine 400 Kilometer lange Anreise zum Auswärtsspiel nach Aubstadt anzutreten haben. „Da ist jede Stunde Regeneration wichtig“, hieß es aus dem Lager der Allgäuer, die in Bestbesetzung antreten wollen. „Dann haben wir halt zugestimmt“, so Stempfle, der mit einer Zuschauerzahl zwischen 200 und 400 rechnet. Star des FC Memmingen ist seit Beginn dieser Saison der Trainer: Ex-Profi Uwe Wegmann, auch bekannt als „Alpenbomber“ die Kommandos. Der aus Fischen im Allgäu stammende Angreifer hat für den VfL Bochum, Rot-Weiß Essen und den 1. FC Kaiserslautern 240 Bundesligaspiele absolviert und dabei 54 Tore erzielt. Als Trainer war der mittlerweile 55-Jährige zuletzt bei der U19-Nationalmannschaft von Liechtenstein und beim SC Brühl-St. Gallen in der Schweiz tätig. „Wir nehmen’s, wie’s kommt“, freut sich Günter Stempfle auf das Fußballfest – und hat einen Wunsch: „Unter zehn Gegentore bleiben.“

 

(Foto: Olaf Schulze)

 

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