Rendezvous mit der Vergangenheit

Esad Kahric 03 300Fußball-Regionalliga Esad Kahric hat seit Anfang der Woche wieder das Sagen beim Fußball-Regionalligisten FC Memmingen. Warum er sich auf das Duell mit Spitzenreiter Türk Gücü München freut und wie er dem FCM wieder auf die Beine helfen will, verrät er im Artikel der Allgäuer Zeitung.

Esad Kahric ist schon lange in diesem Geschäft, hat als Fußball-Trainer im Allgäu sämtliche Höhen und Tiefen mitgemacht. Und trotzdem war dieser Moment für den 60-Jährigen speziell. Sechs Jahre nach seinem Rücktritt als Coach beim FC Memmingen im September 2013 kehrte er am Montagabend als Nachfolger des freigestellten Uwe Wegmann (wir berichteten mehrfach) zurück an seine langjährige Wirkungsstätte. „Ich war tatsächlich ein kleines bisschen aufgeregt, bevor ich zur Mannschaft in die Kabine gegangen bin“, erzählt Kahric.

In seiner gewohnt sachlich-ruhigen Art hat der gebürtige Bosnier den Spielern sich und seine Ziele vorgestellt. Wenige Minuten später ging es draußen auf dem Platz dann aber schon ordentlich zur Sache. Ohne großes Herantasten standen auf dem Rasen nur noch die Trainingsinhalte im Fokus. Auch das ist typisch für den Fußball-Perfektionisten Kahric. Mit seinem großen Erfahrungsschatz soll er den sportlich angezählten Regionalligisten zurück in die Erfolgsspur bringen. Dass ihm dies gelingt, davon ist der 60-Jährige überzeugt: „Ich habe den FCM in dieser Saison schon ein paar Mal gesehen. Zum Großteil hat die Mannschaft gute Spiele abgeliefert. Natürlich werden wir das eine oder andere Detail ändern, aber im Großen und Ganzen ist das Team intakt.“ Kahric und den Machern beim FCM um den Vereinsvorsitzenden Armin Buchmann geht es um weit mehr als den kurzfristigen Erfolg in Deutschlands höchster Amateurklasse. Der neue Coach sagt: „Wir haben sehr gute Gespräche geführt, in denen es auch um die Projekte abseits des Platzes ging. Wir müssen die Fußball-Fans rund um Memmingen wieder von diesem Verein überzeugen, die Nähe zu den Fans suchen und versuchen, die Strahlkraft vergangener Zeiten zurückzubekommen. Ich werde das entsprechend vorleben.“

Immer wieder spricht Kahric von einer „Herzensangelegenheit“. Über all die Jahre pflegte er auch nach seinem Rücktritt ein sehr gutes Verhältnis zum FCM. Kahric war hier bereits Spieler, anschließend der Trainer mit der längsten Amtszeit. All das habe letztlich den Ausschlag zum schnellen Wechsel vom Bayernligisten TSV Kottern zurück nach Memmingen gegeben. Geplant war freilich trotzdem alles anders. Kahric berichtet, dass sein Einstieg zunächst zur neuen Saison vorgesehen gewesen sei, wenig später war von der Winterpause die Rede. „Ich war, zusammen mit Candy Decker, bereits in die Planungen eingebunden. Mir war es aber zu viel, mich gleichzeitig auf zwei Vereine zu konzentrieren, darum habe ich in Kottern um eine sofortige Freigabe gebeten. Ich bin auch dankbar, dass das funktioniert hat.“

Der Abschied bei den Sankt Manger war emotional. Nach dem Auswärtsspiel beim TSV Nördlingen verkündete Kahric der Mannschaft seine Entscheidung. „Ich habe mich bei jedem Einzelnen bedankt, es sind auch ein paar Tränen geflossen. Mir ist das nicht leicht gefallen. Wir haben in den letzten eineinhalb Jahren miteinander einige Herausforderungen gemeistert und sind zu einer ganz starken Einheit zusammengewachsen“, erzählt er.

Nun gilt die ganze Konzentration dem neuen Verein und der ersten Aufgabe. Mit Türk Gücü München (1. Platz/47 Punkte) ist am Samstag ab 14 Uhr der Spitzenreiter der Regionalliga zu Gast. Der Verein, bei dem Kahric vor über 30 Jahren selbst gekickt hat. Es war damals seine erste Station in Deutschland. Als 16. (18 Punkte) sind die Allgäuer Außenseiter. Kahric: „München spielt auf Drittliga-Niveau und hat seit neun Spielen nicht mehr verloren. Aber im Fußball ist alles möglich.“

Für den 60-Jährigen schließt sich in diesem Heimspiel der Kreis auch aus einem anderen Grund: Trainer bei Türk Gücü ist der Mindelheimer Reiner Maurer (59). Der war von 1999 – mit kurzer Unterbrechung – bis Mitte November 2001 Coach beim FC Memmingen und wurde dann während der Saison von Kahric in dieser Funktion abgelöst – der Beginn einer langen Liaison.

(Von Stephan Schöttl - Allgäuer Zeitung vom 23.11.19 - Archivfoto: Olaf Schulze)

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