Strenger Winter

Training 03 Decker Kahric 300Unter der Überschrift "Strenger Winter" zieht die Allgäuer Zeitung in ihrem Bericht eine Zwischenbilanz: Der FC Memmingen steckt in der Krise. Mit neuem Coach und neuer Sportlicher Leitung soll es im Frühjahr aufwärtsgehen. Nichts Neues in „Trainer-Affäre“.
 

Tabellenplatz 17, nur 18 Punkte aus 21 Partien und lediglich vier Siege – das ist die magere Bilanz, die der FC Memmingen in der Fußball-Regionalliga bis zur Winterpause aufzuweisen hat. Dass der ranghöchste Allgäuer Klub dabei meist nicht wirklich schlechter aufgetreten ist als die Gegner, belegen nicht nur sechs Unentschieden, sondern auch satte acht Punkte, die die Maustädter in der Schlussphase verspielten. Seit nunmehr zwei Partien steht wieder Esad Kahric (rechts im Bild) an der Seitenlinie des FCM. Er beerbte Uwe Wegmann nach dessen Entlassung. Und seit Freitag gibt es mit Thomas Reinhardt, der auf Bernd Kunze folgte, einen neuen Sportlichen Leiter.

Kahrics Bilanz seit seiner Rückkehr: Zwei Pleiten in der Nachspielzeit – Ligaprimus Türkgücü München drehte eine Memminger Führung in der Nachspielzeit noch zum 4: 3, Eichstätt erzielte den 1: 0-Siegtreffer auch erst in der 90. Minute. „Wir haben gegen zwei sehr starke Gegner sehr knapp verloren“, resümiert der 60-Jährige seinen Start. Dabei könne aber nicht nur von Pech die Rede sein: „Natürlich war das unglücklich, aber man muss sich das Glück eben auch verdienen, das weiß jeder.“ Für die Rückrunde sei entscheidend, die Weichen so zustellen, dass das Team bis zum Abpfiff voll da sei.

Er ist überzeugt: Macht die Mannschaft so weiter wie zuletzt, kehrt auch bald der Erfolg zurück. „Es war mehr drin, aber wir haben nicht gepunktet. Jetzt heißt’s: Kopf hoch und wieder aufstehen. Das Potenzial ist da“. Er gibt zu Bedenken, dass der FCM mit seinen vielen verletzten und angeschlagenen Spielern nicht in der besten Verfassung ist und zudem auch kaum Zeit gewesen sei, viel zu korrigieren.

Die Liste der Ausfälle verlängerte sich jüngst noch: Offensivmann Natsuhiko Watanabe erlitt gegen Eichstätt eine schwerwiegende Armverletzung und muss operiert werden. Er fehlt dem Verein damit monatelang und verpasst wohl sogar die Wintervorbereitung. Nicht zuletzt deshalb sagt Kahric: „Wir analysieren gerade den Kader und müssen dann schauen, was im Transferfenster ab Januar möglich ist. Dieser jungen Mannschaft würden ein paar erfahrene Spieler sehr guttun.“ Auf der Torhüter-Position reagierte der FCM bereits und verpflichtete nach der Verletzung des langjährigen Stammkeepers Martin Gruber und dem anstehenden Auslandsaufenthalt von Felix Thiel (geschäftlich ab Januar) den 23-jährigen Mustafa Özhitay.

Auf den neuen Sportlichen Leiter Thomas Reinhardt kommt dementsprechend einiges an Arbeit zu. Er erzählt mit einem Lachen: „Das habe ich in den letzten Tagen auch schon gemerkt. Jetzt ist ganz klar die Priorität, dass wir die Klasse halten.“ Auch er hat FCM-Vergangenheit und daher bereits ein Netzwerk, auf das er nun zurückgreifen will. Er gibt aber zu bedenken: „An Jugendspieler kommt man recht leicht heran, aber helfen die uns sofort? Und sind die Spieler, die uns direkt helfen können, überhaupt zu bekommen?“ Der 50-Jährige bleibt bis Saisonende zeitgleich Trainer des Bezirksligisten TSV Ottobeuren: „Die Doppelaufgabe wird knackig, aber ich denke, dass das machbar ist.“ Die lange Winterpause im Amateurfußball spiele ihm dabei etwas in die Karten.

Nicht viel Neues gibt es indes zur „Trainer-Affäre“. Der FCM stellte jüngst, wie berichtet, einen Nachwuchscoach frei, nachdem von diesem ein zweifelhaftes Video aufgetaucht war. Dieses soll ihn unter anderem mit einem Deospray in der Unterhose zeigen, aber keinen sexuell anzüglichen Inhalt haben. Der Vater eines ehemaligen FCM-Jugendspielers erhob daraufhin jedoch Vorwürfe gegen die Vereinsführung und kündigte an, bei der Jahresversammlung Ende November Auskunft zu den Vorfällen einzufordern. Das tat er aber nicht. FCM-Chef Armin Buchmann nutzte jedoch die Gelegenheit, um öffentlich zu betonen, dass der Verein einen möglichen Rechtsstreit nicht scheue und sich durch alle Instanzen zur Wehr setzen würde.

Um in rechtlicher Hinsicht auf der sicheren Seite zu sein, erteilt der Klub Auskünfte in dieser Angelegenheit derzeit ausschließlich über seinen Anwalt Philipp Hacker. Dieser erklärte nun auf Anfrage unserer Zeitung: Seit dem Statement von Buchmann bei der Mitgliederversammlung sei der Verein bisher mit keinen weiteren Forderungen konfrontiert worden. „Da auch der Spielervater nicht zur Versammlung erschienen ist, gehen wir momentan davon aus, dass die Angelegenheit Erledigung gefunden hat“, betonte der Anwalt.

(Von Jan-Mirco Linse und Manfred Jörg - Allgäuer Zeitung vom 09.12.19 - Foto: Olaf Schulze)

 

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