Personeller Umbruch: Viele neue Gesichter

Ulm FS 03 Kollmann 300Der Kader des FC Memmingen hat sich stark verändert. Fünf Abgängen stehen fünf Zugänge gegenüber. Mit ihnen wollen Trainer Esad Kahric und Sportchef Thomas Reinhardt den Abstieg verhindern. Nach einer katastrophalen Hinserie kämpft der beste Allgäuer Fußballverein um den Klassenerhalt in der Regionalliga. Thomas Reinhardt hatte in den letzten Wochen alle Hände voll zu tun: Der Sportliche Leiter beim FC Memmingen krempelte den Kader des abstiegsbedrohten Fußball-Regionalligisten (vorletzter Tabellenplatz 17) kräftig um. So kräftig, dass in der demnächst zu Ende gehenden Winterpause sogar ein neues Mannschaftsfoto gemacht wurde. Fünf Spieler gingen, fünf kamen. „Trainer Esad Kahric und ich haben das Team analysiert – und das kam dabei heraus“, erklärt Reinhardt kurz und prägnant.

Einige Personalentscheidungen kamen dabei durchaus überraschend: So wurden die Verträge der Brüder Arijanit und Lirim Kelmendi aufgelöst, die bislang zu den Stammkräften in der Abwehr zählten. Sie schlossen sich dem VfR Garching, einem direkten Konkurrenten im Abstiegskampf, an. „Das hatte nicht nur sportliche Gründe“, verrät Reinhardt. Aus sportlicher Sicht sei vor allem mit Lirim weiter geplant gewesen. Ins Detail gehen will er aber nicht – ebenso wenig Kahric. Vor dem Hintergrund, dass „die beiden nicht die Günstigsten“ (Reinhardt) gewesen seien, habe eine Trennung Sinn ergeben. „Einige wollten auch von sich aus gehen“, sagt Kahric zu den restlichen Abgängen. Ob damit Angreifer Ensar Skrijelj (zweitbester Torschütze), Außenverteidiger Fadhel Morou oder Marco Boyer (Mittelfeld) gemeint sind, ließ er indes offen.

Numerisch hat der FCM den personellen Aderlass aufgefangen: Fünf Neue stießen zum Team. Vor allem von Vladimir Rankovic sind Reinhardt und Kahric begeistert. Der 26-jährige Verteidiger stammt aus der Jugend des FC Bayern München und bringt Zweit- und Drittliga-Erfahrung mit. Zuletzt war er vereinslos. „Mit seiner Vita ist er ein Glücksfall für uns“, meint Reinhardt. Kahric schiebt hinterher: „Man merkt sofort, dass er höherklassig gespielt hat. Er kam mit Trainingsrückstand an, aber an ihm werden wir viel Spaß haben.“

Weitere namhafte Verstärkungen blieben aus. Reinhardt erklärt: „Wir hatten Kontakt zu starken Leuten mit Drittliga-Erfahrung, doch da lagen die Vorstellungen viel zu weit auseinander. Das ist dann auch eine finanzielle Frage.“ Dass das Team eventuell noch „gestandene Spieler“ gebraucht hätte, streitet er nicht ab. Rückholaktionen früherer Leistungsträger hätten aber nicht geklappt. Für die Zukunft wolle der FCM wieder mehr auf die eigene Jugend und Talente aus dem Allgäu-Schwäbischen Raum setzen und gezielt Führungsspieler als Verstärkungen verpflichten.

Drei Vertragsverlängerungen mit Jugendspielern unterstrichen dies bereits, zwei weitere folgten mit den beiden 21-jährigen Verteidigern David Remiger und Jakob Gräser am gestrigen Mittwoch. Neu in der Maustadt sind die beiden Stürmer Oktay Leyla (22 Jahre/zuletzt vereinslos, zuvor FV Illertissen) und Elias Kollmann (20/vom VfR Garching/im Bild) sowie Mittelfeldmann Marcel Leib (22/FC Augsburg II) und Abwehrspieler Darius Held (21/SpVgg Bayreuth). Von ihnen versprechen sich Reinhardt und Kahric viel. Alle sind jung und damit auch Verpflichtungen für die Zukunft, bringen Regionalliga-Erfahrung mit und gelten als sehr talentiert. Allerdings haben auch alle vier zuletzt wenig gespielt. „Man merkt, dass noch die Spielpraxis fehlt“, gibt Reinhardt zu. Deswegen ist für Kahric wichtig: „Wir müssen Geduld haben.“

Dass auch noch Verstärkung für das Tor gesucht wird in Memmingen, ist seit geraumer Zeit bekannt. Nun scheinen die Verantwortlichen fündig geworden zu sein. Ein ehemaliger FCM-Keeper habe sich bereiterklärt, in der Reserve auszuhelfen, sagte Reinhardt. Vieles deutet auf Tobias Kirchenmaier hin. Er war zuletzt inaktiv und kann somit auch nach Schließung des Transferfensters verpflichtet werden. Kirchenmaier ist inzwischen 34 Jahre alt und spielte von 2008 bis 2013 beim FCM – überwiegend in der ersten Mannschaft als Stammtorhüter in der Bayernliga, später in der Regionalliga Süd (ab 2010) und letztlich noch in der Regionalliga Bayern (2012/13). Seine aktive Karriere beendete der Keeper mit nur 27 Jahren, tauchte anschließend aber noch beim SV Kirchdorf/Iller unregelmäßig auf, größtenteils als Stürmer. Zudem ist Kirchenmaier seit 2015 Torwart-Trainer im FCM-Nachwuchs.

Da auch Mario Jokic (Abwehr), Marco Schad (Mittelfeld) und Fatjon Celani (Sturm), die verletzungsbedingt bislang kaum Spiele bestritten, zurückkehren, sieht Reinhardt den FCM für den Klassenerhalt gerüstet: „Klar, es wird schwer, aber ich gehe fest davon aus, dass wir es schaffen.“ Kahric stimmt zu: „Wir haben Hoffnung und gehen das Ganze mit positiven Gedanken an.“

(Von Jan-Mirco Linse - Allgäuer Zeitung vom 27.02.2020 - Foto: Melina Däubler)

 

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