Der große Umbruch

FC Memmingen RL 2020 300Die Corona-Zeiten bergen viele Unwägbarkeiten – auch für den Fußball. War der Bayerische Fußballverband selbst am vergangenen Montag noch davon ausgegangen, dass im Amateurbereich erst ab Anfang August wieder regulär, sprich mit Kontakt, trainiert werden kann, kam tags darauf von der bayerischen Staatsregierung die Lockerung heraus, dass dies ab sofort wieder möglich ist. Spiele – auch Testspiele – sind in Bayern aber weiterhin nicht gestattet, im Gegensatz zum benachbarten Baden-Württemberg.

Die Unsicherheiten erschweren die Planungen für die Vereine - auch für den FC Memmingen, der sich für die geplante Saison-Fortführung ab September rüstet, obwohl nach wie vor unklar ist, ob nicht der gehobene Amateurfußball mit möglichen vierstelligen Kulissen unter das bis Ende Oktober gültige Verbot von Großveranstaltungen fällt. Für die Regionalliga steht nach wie vor der Beschluss, dass es Spiele ohne Zuschauer nicht geben soll, weil sonst dringend erforderliche Einnahmen fehlen.

Zu einem noch größeren Teil wird der Spielbetrieb über Sponsoren und Werbepartner finanziert. Der FC Memmingen hat seine Geldgeber ausführlich über die Lage informiert und um Unterstützung in dieser schwierigen Zeit gebeten. „Es gibt Unternehmen, die noch einmal 100 Prozent der bisherigen Leistung garantieren, einige zumindest die Hälfte. Aber es gibt auch Totalausfälle von Firmen, die selbst wirtschaftlich durch Corona ins Straucheln geraten sind“, gibt FCM-Präsident Armin Buchmann einen Einblick. Knapp die Hälfte der Sponsoren hat sich bislang mit Zu- oder Absagen zurückgemeldet. Bis Ende Juli wollen die FCM-Verantwortlichen den Rest in persönlichen Gesprächen oder telefonisch abgefragt haben, um einen genauen Überblick zu haben, welche Mittel dem Verein mit den gebildeten Rücklagen bis nächsten Sommer insgesamt zu Verfügung stehen. Eines ist aber klar, dass gespart werden muss, schließlich zieht sich im Prinzip eine Saison über zwei Jahre, ohne dass doppelte Einnahmen generiert werden können.

Das macht es für den sportlichen Leiter Thomas Reinhardt für die personelle Planung nicht leicht. Im Gesamtkader für die Regionalliga- und U21-Landesliga-Mannschaft gibt es einen großen Umbruch, auch wenn von BFV-Seite die Wechsel erschwert wurden. Im Zweifel bricht eben Arbeitsrecht das Verbandsrecht und auf juristische Auseinandersetzungen will sich beim FCM in diesen Zeiten niemand einlassen.

Zu den bereits vermeldeten Abgängen steht nun fest, dass auch Regionalliga-Kapitän Lukas Rietzler von Bord gehen wird. Gegenüber Reinhardt sprach er zunächst davon, sich höherklassig orientieren zu wollen. Jetzt wechselt er, wie auch seine bisherigen Mannschaftskameraden Philipp Boyer und Natsuhiko Watanabe, zum FV Illertissen.

Die Hintergründe für die doch zahlreichen Abgängen sind vielfältig. Darunter sind auch Akteure, die mit dem verhängten Stopp der Gehaltszahlungen mit der Aussetzung des Spielbetriebs nicht einverstanden waren. „Ich kann beide Seiten verstehen, aber letztlich ging und geht es um die Zukunft des Vereins“, so Reinhardt, der sich im Einzelnen nicht äußern will aber doch seine Enttäuschung über die Abwanderung des einen oder anderen langjährigen Spielers in der jetzigen Phase nicht verhehlt.

Mit Mario Jokic musste der eigentlich noch laufende Vertrag aufgelöst werden. Der Abwehrmann soll aufgrund fehlender Berufsperspektiven bereits ins heimatliche Kroatien zurückgekehrt sein. Bei Vladmir Rankovic, dem hochkarätigsten Neuzugang im vergangenen Winter, sieht die Tendenz nach Bleiben aus, wenn nicht noch ein gutes Profiangebot hereinflattern sollte. Bayern-Leihgabe Can Karatas wird vermutlich nach München zurückkehren. Ansonsten ist der eine oder andere Spieler noch in der Schwebe. Eine zweistellige Anzahl an bereits vorsortierten Bewerbern wird derzeit im Probetraining getestet. Darunter sind auch Allgäuer Talente, die sich nach der Ausbildung in Leistungszentren von Bundesligisten in Richtung Heimat zurückorientieren. Das Wechselfenster für Neuverpflichtungen läuft bis Ende August.

Kein Geheimnis ist, dass Cheftrainer Esad Kahric den erfahrenen Stefan Heger zu einem Regionalliga-Comeback bewegen will. Das hängt auch maßgeblich davon ab, wohin der Weg des 28-jährigen Gymnasiallehrers beruflich führt. Heger war auf Wunsch von Kahric bei dessen Einstand als Chefanweiser vor der Winterpause im Heimspiel gegen Türkgücü München eingesprungen. Dies war eigentlich nur als einmaliger Freundschaftsdienst gedacht

Eine Veränderung gibt es auch im Memminger Trainerstab. So wird anstelle von Michael Liebherr künftig Mario Spendel Torwarttrainer. Er war bislang in dieser Funktion beim TSV Mindelheim und auch am DFB-Stützpunkt Memmingen tätig.

Bisherige Abgänge Regionalliga-Kader: Philipp Boyer, Lukas Rietzler, Natsuhiko Watanabe (alle FV Illertissen), Lukas Ender (Studium USA), Marco Greisel, Marcel Leib (beide TSV Schwaben Augsburg), Mario Jokic (zurück nach Kroatien), Marco Schad (TSV Kottern), Luca Sirch (Ziel unbekannt).

Bisheriger Neuzugang: David Mihajlovic (TSV Kottern).

Junioren: Von den altershalber in den Erwachsenenbereich aufrückenden A-Jugend-Spielern werden 13 übernommen. Ikenna Ezeala und Tobias Schmölz gehörten schon zum Senioren-Kader. Dazu gesellen sich Torhüter Maximilian Beinhofer, Veron Eroglu, Stefan Inthal, Michael Singer, Ibrahim Sesay, Christos Trifinopoulos, Fabian Czech, Jonas Brüderlin, Mike Kämpf, Youselfelberr Özmutlu und Musa Youssef.

Abgänge U21: Timo Lutz (TSV Kottern), Markus Notz, Marco Zettler (beide 1. FC Sonthofen), Sören Paul (TSV Buch), Leon Borde, Lukas Trum (beide Ziel unbekannt).

 

Foto (C) Patrick Hörnle

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