KICKER: Wirtschaftlichkeit geht vor Sport und Emotionen

Buchmann 300Mit dem Verzicht, das bayerische Pokal-Halbfinale gegen 1860 München auszutragen hat der FC Memmingen überrascht und dafür nicht nur Zuspruch erhalten. Die Enttäuschung bei Spielern und Fans kann FCM-Präsident Armin Buchmann nachvollziehen, stellt in den Corona-Krisenzeiten aber weiterhin alle wirtschaftlichen Belange vor die sportlichen. Statt einer erhofften dicken Einnahme befürchtete der Vereinsboss durch das Pokalspiel ein dickes Minus. Eine Austragung in der heimischen Arena vor Zuschauer angesichts der Beschränkungen ist unrealistisch, ein Ausweichen in anderes Stadion würde finanziell zum Draufzahlgeschäft. Wenn noch dazu die Hygienekonzepte der Proficlubs wie Quarantäne, Massentest, eigenes Mannschaftshotel zur Anwendung kommen sollte, ist es für Amateurvereine nicht stemmbar: „Es wird sich keiner der Profis bei Amateurteams anstecken lassen wollen“.

Vor diesem Hintergrund sieht Buchmann auch das andere Halbfinale zwischen Viktoria Aschaffenburg und den Würzburger Kickers fraglich. Den FCM-Vorschlag, dass auch Aschaffenburg verzichtet, den Sechzigern der DFB-Pokal-Startplatz gegen eine Beteiligung an der Antrittsprämie überlassen wird, weil Würzburg ohnehin qualifiziert ist, habe die Viktoria im Übrigen abgelehnt.

Der Memminger Verzicht hat außerdem personelle Gründe. Bei einem Aderlass von aktuell neun Regionalliga-Kräften und dem Neuaufbau in den kommenden Wochen stünde Anfang September wohl kein Team zur Verfügung, dass einem Drittligisten ernsthaft Paroli hätte bieten können. Mit Philipp Boyer, Kapitän Lukas Rietzler und Natsuhiko Watanabe geht ein Trio zum Lokalrivalen FV Illertissen. Weitere Abgänge sind Lukas Ender (Studium in USA), Marco Greisel, Marcel Leib (beide TSV Schwaben Augsburg), Mario Jokic (zurück nach Kroatien), Marco Schad (TSV Kottern) und Luca Sirch (Ziel unbekannt). Ein Teil davon sind Spieler, die mit dem Gehaltsstopp im Mai nach der Corona-bedingten Aussetzung des Spielbetriebs nicht einverstanden waren. Groll gegen die Abgewanderten hegt Buchmann nicht, betont aber , dass bei Neuverpflichtungen „auf sportliche Qualität genauso geachtet wird, wie auf die charakterliche Eignung“.

Allen Schwarzmalern, die eine Pleite des FC Memmingen kommen sehen, hält Buchmann dagegen, dass alle getroffenen Maßnahmen dazu beitragen, dass zum Bilanzstichtag am 30. Juni trotz Corona-Krise ein positives Wirtschaftsergebnis vorliegt. Die Zusicherung von 1860 München als Pokal-Ausgleich nächstes Jahr zu einem Solidaritätsspiel in Memmingen anzutreten, sorgt für weitere Liquidität. Es gibt die berechtigte Hoffnungen, dass die meisten der 3.500 Kartenkäufer und Sponsoren für das Pokalspiel auf eine Rückerstattung verzichten. Die Tickets gelten beim Solidaritätsspiel.

Mit einer Mischung von eigenen Junioren, regionalen Talenten und wenigen Korsettstangen von außen ist die oberste Priorität der Regionalliga-Erhalt. Der richtige Mann dafür ist Cheftrainer Esad Kahric (61), der schon mehrfach bewiesen hat, dass er aus begrenzten Möglichkeiten das Maximale herausholen kann. Mit zwei Neuzugängen kann er bereits planen: David Mihajlovic (22) kommt vom Bayernligisten TSV Kottern und Nico Fundel (19) von der U19 des FC Augsburg. Weitere Verpflichtungen sollen in den nächsten Tagen bekanntgegeben werden. Und obwohl aufgrund der momentanen Lage vieles nur von Woche zu Woche geplant werden kann, zeigen die Memminger Weitblick. Das Millionenprojekt Multifunktionsgebäude ist nicht vom Tisch, sondern wird nach positiven Signalen der Stadtspitze weiter vorangetrieben.

 

KICKER-Sportmagazin vom 16.07.2020 - Archivfoto (C) Olaf Schulze

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