Timo Gebhart: Der Kreis könnte sich schließen

Training Timo Gebhart mit Gruber 300Erst hatte der FC Memmingen für Schlagzeilen gesorgt, weil er in der Corona-Krise in diesem Sommer beinahe den kompletten Kader verlor. Jetzt meldet der Allgäuer Traditionsverein mit der Verpflichtung von Timo Gebhart (31) den Königstransfer des Sommers in der Regionalliga Bayern. Der Ex-Profi, der 100 Bundesliga-Spiele auf dem Buckel hat, wird mindestens bis zur Winterpause für die Mannschaft von Cheftrainer Esad Kahric (61) auflaufen. Seit zwei Wochen ist Gebhart Trainingsgast und trainiert mit der Memminger Mannschaft mit, nachdem er beim Drittligisten TSV 1860 München keinen neuen Vertrag erhalten hatte.

Im Stadion an der Bodenseestraße kennt er sozusagen jeden Grashalm: „Hier habe ich meine ganze Kindheit erlebt“. Von seinem Stammclub BSC Memmingen wechselte er einst zur Nummer eins der Stadt. Aus den C-Junioren des FCM heraus startete er seine sportliche Karriere, wurde von den Münchner „Löwen“ entdeckt, spielte unter anderem für den VfB Stuttgart und 1. FC Nürnberg. Gebhart weiß um seine Wurzeln: „Von hier aus habe ich den Sprung geschafft. Jetzt kann ich etwas zurückgeben“. Die Gespräche mit dem Vorsitzenden Armin Buchmann und dem sportlichen Leiter Thomas Reinhardt waren aus seiner Sicht „sehr gut, das Drum und Dran passt“. Die FCM-Verantwortlichen hoffen, dass der ehemalige U19-Junioren-Europameister und U21-Nationalspieler, ein Leitwolf in der völlig neuformierten, blutjungen Truppe werden könnte. Mit guten Chancen, dass dies über den Winter hinaus passiert. Der Kreis könnte sich in Memmingen für Gebhart damit also durchaus schließen. 

Zwei Angebote aus dem Ausland hat er abgelehnt: „Das hat nicht gepasst“. Wohl vor allem aus privaten Gründen. Gebhart, der in der Vergangenheit auch außerhalb des Sportplatzes für Schlagzeilen sorgte, ist reifer und ruhiger geworden. Wichtiger Anker ist seine Familie mit der er keine fünf Minuten von der Memminger Arena entfernt wohnt.

Dass es sportlich für den FCM angesichts des völligen Umbruchs schwer werden wird, weiß er: „Vielleicht braucht die junge Mannschaft jetzt einen Spieler wie mich“. Seine technischen Qualitäten ließ er im Training schon aufblitzen, hat immer wieder Tipps für seine neuen Mitspieler parat, die ihn problemlos aufgenommen haben. Für seinen Coach ist er ohnehin ein alter Bekannter. Kahric‘ Sohn Dino ist mit Timo Gebhart seit langem eng befreundet und wohl nicht ganz unschuldig, dass der Kontakt zustande kam. 

„Natürlich werden sich viele die Frage stellen, wie wir uns so einen Mann leisten können“, schmunzelt Buchmann über den gelungenen Deal mit dem wohl prominentesten Zugang der Liga. Wohl deshalb, weil der Faktor Geld in diesem Fall offensichtlich tatsächlich die geringste Rolle spielt. Der Faktor „M“ trifft jedenfalls für den spektakulären Neuzugang zu. „M“ wie Memmingen hat Reinhardt als künftige Ausrichtung in den personellen Planungen ausgegeben. Spieler aus der Region sollen den Grundstock bilden. Leute, mit denen sich die Fans wieder identifizieren, weil sie aus der Gegend kommen. Für Gebhart trifft das in doppelter Hinsicht zu. Bei seinen Stationen war er oft der Publikumsliebling und der Lokalklorit stimmt ohnehin: „Ich kann ja mit dem Fahrrad ins Training fahren“. 

 

Foto (C) Olaf Schulze

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