Vor Abbruch muss über Pokal entschieden werden

Rain Ligapokal H02 Strafraum 300Es ist praktisch klar, dass aufgrund der für die Politik maßgebenden hohen Corona-Inzidenzzahlen und der verordneten Sportverbote die – verlängerte und seit Monaten abermals unterbrochene – Amateurfußball-Saison 2019-2020-2021 in Bayern nicht zu Ende gebracht werden kann. Nach wie vor ist der Abbruch durch den Bayerischen Fußball-Verband (BFV) aber nicht offiziell, „weil Rechtsfragen im Detail noch offen sind“, wie es mittlerweile vor über zwei Wochen hieß. Damals wurde auch eine Befragung aller bayerischen Vereine zum eigentlich unvermeidlichen Abbruch angekündigt – stattgefunden hat sie noch nicht.

Die Ligapokal-Wettbewerbe ab der Bayernliga abwärts wurden bereits eingedampft, für die Punktspiele auf Verbands- und Kreisebene ist das faktisch nur noch Formsache. Hier greift dann der geänderte Paragraph 93 der Spielordnung: Platzierung, Auf- und Absteiger ergeben sich nach einer Quotientenregelung. Hier regt sich Widerstand vor allem aus dem Kreis derer, die absteigen müssen oder nicht aufsteigen können. Eine salomonische Entscheidung scheint fraglich. Im Bayerischen Fernsehen warnte BFV-Präsident Rainer Koch schon mal vor “völlig überfüllten Ligen im nächsten Jahr“

Weitere Knackpunkte für die noch fehlende finale Abbruchsentscheidung sind auch die Regionalliga Bayern, die als oberste Spielklasse mit der 3. Liga verknüpft ist und die Vergabe der beiden Startplätze für die DFB-Pokal-Hauptrunde in der kommenden Spielzeit. Laut einer Pressemitteilung vom Mittwoch ist eine Lösung gefunden, wie der Regionalliga-Meister ermittelt wird. Über „Play-Offs“ ermitteln Viktoria Aschaffenburg, die SpVgg Bayreuth und der FC Schweinfurt untereinander zwischen 18 Mai und 5. Juni ein Team, das gegen noch den nicht definierten Teilnehmer der Regionalliga Nord anschließend um den Drittliga-Aufstieg spielt. Möglich ist das, weil der Verband kurzerhand die Regionalliga Bayern zur Profiliga erklärt hat – und Profis dürfen auch in der Pandemie trainieren und kicken. Wie der sportliche Leiter des FC Memmingen Thomas Reinhardt bestätigt, haben sich alle Regionalligisten schon vor Wochen auf einen Abbruch der eigentlichen Punkterunde verständigt und dem Verband vorgeschlagen den Tabellenletzten VfR Garching nicht absteigen zu lassen.

Lösungen für die beiden zu vergebenden DFB-Pokalplätze müssen noch gefunden werden - einer wird über den Regionalliga-Ligapokal vergeben, der andere über den seperaten BFV-Toto-Pokal. Und hier wird es richtig kompliziert, denn es heißt:  „Aus 39 mach bis Ende Mai einen“. Die 24 verbliebenen Amateurvertreter sind faktisch raus, weil vermutlich keine Behörde den Amateurkickern Ausnahmegenehmigungen für Training und Spiel erteilen wird. Betroffen davon sind die noch verbliebenen Allgäuer Vertreter SV Egg und 1. FC Sonthofen. Übrig bleiben damit nur noch Drittligist Türkgücü München, der sich über die Sonderrunde der bayerischen Proficlubs qualifiziert hat. Dazu stoßen noch vier Regionalligisten, die über ihren eigenen Liga-Pokalwettbewerb ermittelt werden.

Wie viele nun unter Berufssportler-Status eingestufte Regionalligisten überhaupt noch daran teilnehmen, ist aktuell unklar. Der FC Memmingen hat sich eigentlich schon abgemeldet, ein Umdenken wäre laut Präsident Armin Buchmann aber unter Umständen noch möglich, „wenn der Pokal quasi als Vorbereitung auf die neue Saison im Juni/Juli ausgetragen würde“. Was wenig wahrscheinlich ist. Egal, wie entschieden wird, der Unmut bei etlichen Klubs und die Kritik an Verbandsspielleiter Josef Janker wächst. Nicht zuletzt wegen seiner Aussage zu einem möglichen Kaltstart nach sechs Monaten Pause: „Von ambitionierten Fußballern ab Bezirksliga aufwärts kann man verlangen, dass sie sich fit halten. Dazu dienen auch die Videos vom Verband. Zudem sind sich unsere Experten darin einig, dass mindestens drei Wochen Vorbereitung ausreichend sind“. Eine Meinung, die in Memmingen für Kopfschütteln sorgt.

 

Archivfoto (C) Olaf Schulze (im Bild eine Szene aus dem Ligapokal-Spiel des FC Memmingen gegen den TSV Rain im Herbst 2020 - als der Ball noch rollte)

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