Martin Dausch: Bau statt Ball

Dausch Bau statt Ball 01 300Wann er zum letzten Mal gegen einen Ball getreten hat? Bei der Antwort muss Martin Dausch etwas überlegen: „Bei uns kürzlich im Garten mit meinem Sohn Artur, aber das zählt ja eigentlich nicht“. Wie bei allen Amateurfußballern liegt der letzte Kick wegen den Corona-Zwangspause nun schon über ein halbes Jahr zurück. „Ich vermisse den Fußball total, die Zeit mit den Jungs. Das fehlende Training und der Wettkampf sind mit nix aufzuwiegen“.

Offiziell ist der Ex-Profi seit 1. Januar in Diensten des FC Memmingen; aktiv sein konnte er noch nicht – abgesehen von ein paar „Probetrainingseinheiten“ im vergangenen Oktober vor dem staatlich verhängten Sport-Lockdown. Der Regionalligist hätte zwar jetzt die Möglichkeit gehabt, unter dem Deckmantel „Berufsfußballer“ im Gegensatz zu den meisten anderen Amateuren wieder trainieren und zumindest noch im Ligapokal antreten zu dürfen – der Verein hat aber abgewunken und startet erst Anfang Juni mit der Vorbereitung auf eine neue Saison.

Für Dausch ist es angesichts der Verletzungsrisiken bei nur kurzem Vorlauf für einen Re-Start die richtige Entscheidung, wenngleich er lachend anfügt, dass er sich schon noch gerne für den DFB-Pokal qualifiziert hätte, „aber dann halt nächstes Jahr. Da haben wir auch eine gute Truppe“. Zunächst ist der ehemalige Zweitliga-Profi (unter anderem Union Berlin, MSV Duisburg) erst einmal froh, dass der FCM den Regionalliga-Erhalt geschafft hat, „egal wie, das zustande kommt“. Denn der Ligaverbleib steht fest, unabhängig davon, mit der welcher der beiden möglichen Varianten die verlängerte und doch abgebrochene Spielzeit 2019-2020-2021 gewertet wird.

Die Corona-Zeit hat Dausch mit seiner Frau Lisa und seinen Jungs Luka (8), Artur (6 Jahre) und Henry (3) ganz gut gemeistert. Seine Jungs gehen in die Montessori-Schule beziehungsweise Kindertagesstätte in Kempten, wo die Betreuung im Rahmen der Gegebenheiten weiterlief. Beruflich hat den 35-jährigen nach der Rückkehr in die Heimat die neue Aufgabe mit dem Einstieg in den elterlichen Betrieb vollauf gefordert und vor allem auch körperlich fitgehalten. Vor seiner künftigen Aufgabe im Verkauf und Vertrieb lernt der „Juniorchef“ das Geschäft erst einmal von der Pike auf kennen und profitiert davon privat. „Wir bauen in Obergünzburg ein Musterhaus mit Vollholzwänden, das wir im Herbst dann selbst beziehen wollen“. Bisher war die väterliche Firma vornehmlich im Hallenbau für die Landwirtschaft, Gewerbe und Industrie unterwegs, mit dem Holzhausbau kommt eine weitere Sparte hinzu.

So genießt Dausch, der nach dem Ende seiner Profikarriere beim 1. FC Saarbrücken noch im Saarland bereits eine Umschulung zum Elektriker begonnen hatte, Einblicke von Grund auf in das Bauhandwerk. Vom Betonieren der Bodenplatte bis zu Zimmererarbeiten ist alles dabei. „Das macht Spaß, das ist alles neu und ich muss mich reinfinden. Und ja, ich muss richtig was schaffen“, holt sich Dausch seine körperliche Fitness momentan hauptsächlich abseits des Sportplatzes. Von den FCM-Trainern Esad Kahric und Candy Decker gibt es Trainingspläne, aber bei den Laufeinheiten war er zugegebenermaßen „nicht ganz so fleißig, weil ich oft lange auf der Baustelle bin“. Beim wöchentlichen Online-Athletiktraining hat er immer mitgemacht. Überhaupt macht sich Dausch keine Sorgen, „dass er schnell wieder bei 100 Prozent ist. Esad hat seine Spieler schon immer fit gekriegt“.

Kürzlich ist der Rückkehrer wieder einmal am Memminger Stadion vorbeigefahren, sah die Plätze nur so daliegen: „Das macht schon traurig. Aber jetzt haben wir ein Datum. Auch einen Ankleidetermin für die neue Ausrüstung gibt es. Die Vorfreude ist jedenfalls enorm gestiegen“. Auch auf die neue Runde freut er sich, besonders im Hinblick auf „Superspiele“ gegen kommende Gegner. Drittliga-Absteiger SpVgg Unterhaching kommt sicher dazu, womöglich auch der FC Bayern München II.

 

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