Timo Gebhart: „Jungs müssen zu Männern werden“

Gebhart auf Tribüne BERND FEIL 300Nicht nur für den FC Memmingen, sondern auch für die meisten anderen Fußball-Regionalligisten ist es ein Saisonstart ins Ungewisse. Zu lange war die Pause, zu viele Fragezeichen gibt es vor dem Start der Spielzeit 2021/2022. Zum Auftakt tritt der FCM um Kapitän Timo Gebhart am Freitag (19 Uhr) beim SV Heimstetten an. Der 32-Jährige spricht über den Zustand der Mannschaft und die Qualität der Regionalliga.

Herr Gebhart, was dürfen die Fans vom FC Memmingen in dieser Saison erwarten?

Timo Gebhart: Wir steigen natürlich auf (schmunzelt). Nein, es ist einfach unglaublich schwer zu sagen, wo die Mannschaft gerade steht. Wir müssen in jedes Spiel gehen, als ob es ein Finale wäre – alles geben, aus jeder Partie lernen und Erfahrungen mitnehmen. Nach vier, fünf Spielen sehen wir hoffentlich, wo es hingeht. Jeder weiß, dass es mit einer relativ unerfahrenen Mannschaft schwierig wird. Aber das wollen wir mit Teamgeist, Leidenschaft und Charakter kompensieren.

Die Auswärtspartie in Heimstetten ist das erste Liga-Pflichtspiel des FCM seit 266 Tagen. Wie sind Sie persönlich durch die lange Pause gekommen?

Gebhart: Ich habe die Coronabedingte Auszeit natürlich gemerkt. Der lange Stillstand, Laufen gehen – und dann wieder Fußballtraining, was etwas völlig anderes ist. Es fiel mir etwas schwer, wieder an meinen alten Fitnesszustand heranzukommen. Aber wir haben so viele Spiele, da müssen wir uns die letzten Prozentpunkte an Fitness eben dort holen.

Nun geht der FC Memmingen mit einer jungen Mannschaft – das Durchschnittsalter beträgt 22,9 Jahre – an den Start. Es gibt aber auch erfahrene Spieler, wie Sie oder Martin Dausch. Welche Erwartungen hat Trainer Esad Kahric an die Routiniers?

Gebhart: Ich soll vorangehen, aber das ist auch meine Erwartungshaltung. Deshalb bin ich auch Kapitän. Ähnlich ist es bei Martin Dausch, wir beide sind eben am erfahrensten und haben als Profis gespielt. Aber zwei Spieler reichen da nicht, wir brauchen jeden einzelnen. Andere Teams haben noch mehr gestandene Spieler. Die Jungs müssen schnell zu Männern werden. Sonst wird es in der Regionalliga schwer.

Was müssen die jungen Spieler noch lernen?

Gebhart: Wir trainieren viel und lange, das brauchen wir. Gerade ich, aber auch Martin Dausch oder Thilo Wilke reden viel mit den Jüngeren. Sie kommen auch zu uns und fragen nach Tipps. Kommunikation auf dem Platz ist dabei das A und O. Sie brauchen Ansagen, müssen aber auch selber laut werden. Wir haben da noch Luft nach oben. Am Anfang traut sich das nicht jeder, aber jedes noch so kleine Kommando kann spielentscheidend werden.

Mit welchen drei Worten würden Sie die Mannschaft beschreiben?

Gebhart: Jung, unerfahren, gierig.

Reicht das für die Regionalliga?

Gebhart: Die Fans können davon ausgehen, dass wir alles geben werden. Wir haben eine geile Truppe, die Stimmung im Team ist gut. Ich weiß, dass sich jeder zerreißen wird. Die Vorfreude auf den Saisonstart ist riesig. Hauptziel ist, so schnell wie möglich den Klassenerhalt zu schaffen. Das wird eine große Aufgabe.

Sie kennen Esad Kahric gut. Auf welcher Position plant er mit Ihnen und wie hat er die Mannschaft auf den Regionalliga-Auftakt vorbereitet?

Gebhart: Ich habe zuletzt im Sturm gespielt. Generell spiele ich da, wo Esad mich aufstellt. Wer mich kennt, weiß dass ich gerne im zentralen offensiven Mittelfeld spiele. Positionen ändern sich selbst mitten im Spiel, ich will der Mannschaft einfach weiterhelfen. Mit Esad oder auch Co-Trainer Candy Decker tausche ich mich oft aus. Esad Kahric hat vom ersten Tag an wieder so trainiert, wie wir im Herbst aufgehört haben. Er weiß genau, was die Mannschaft braucht. Jetzt ist die Vorbereitung vorbei, und Planung und Belastungssteuerung waren alles andere als einfach. Das Trainerteam hat alles richtig gemacht und uns gut durch die Vorbereitung gebracht. Taktisch werden wir gegen Heimstetten und auch in den kommenden Spielen optimal eingestellt sein.

Lassen Sie uns noch über Auftaktgegner Heimstetten sprechen. Was kommt da auf Memmingen zu?

Gebhart: In Klubs wie Heimstetten gibt es viele Spieler, die im Nachwuchs von Bayern, 1860 oder Unterhaching ausgebildet wurden. Qualität ist vorhanden, da kommt etwas Krasses auf uns zu. Aber ich finde es geil – Freitagabend, Flutlicht, auswärts. Das macht Spaß. Generell liebe ich Auswärtsspiele, das war schon immer so. Und dann kommt noch dazu, dass wir wieder vor Zuschauern spielen. Da freuen wir uns riesig drauf.

Mit welchen Mannschaften muss man in dieser Saison rechnen?

Gebhart: Favoriten auf den Aufstieg sind die SpVgg Unterhaching, FC Bayern München II und Schweinfurt 05. Auch die anderen Reservemannschaften der Profiteams – Augsburg II, Nürnberg II, Greuther Fürth II – können immer gefährlich werden. Drei Mannschaften steigen ab, zwei gehen in die Relegation – das ist schon krass. Es wird eine interessante, verrückte Saison mit vielen Spielen. Auf das Duell gegen die „kleinen Bayern“ Anfang August habe ich auch schon richtig Bock. Die mögen mich nicht, das wird schön.

 

Allgäuer Zeitung vom 16.07.2021 – Interview Tobias Giegerich – Foto: M.i.S./Bernd Feil

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