Zuschauerbeschränkung: Keine nennenswerten Lockerungen

Arena Sitze Zuschauermarkierung 300Es bleibt dabei: Der FC Memmingen wird seine Regionalliga-Heimspiele am Freitag gegen den SC Eltersdorf und in den kommenden Wochen gegen den FV Illertissen sowie den FC Bayern München II nur vor wenigen hundert Fans austragen können. Um die Emotionen aus der Diskussion herauszunehmen hat der Verein seinen Rechtsbeistand Philipp Hacker gebeten, noch einmal das Gespräch mit dem Ordnungsamt zu suchen.

Wie berichtet, können laut bayerischer Staatsregierung bei Sport- und Kulturveranstaltungen aktuell bis zu 1.500 Besucher zugelassen werden. Ausnahmen von der Regel „200 Stehplätze, der Rest auf festen Sitzplätzen“ können laut Bayerischem Fußballverband nach dessen Rücksprache mit dem Innenministerium von den örtlichen Behörden erteilt werden. So geschehen bei Regionalliga-Eröffnungsspiel in Aubstadt, wo 800 Stehplätze und 200 Sitzplätze zugelassen wurden. In Burghausen, Schweinfurt und Unterhaching sind 1.500 Zuschauer möglich, in Aschaffenburg 1.100. Selbst in den kleinen „Dorf-Stadien“ Eltersdorf und Buchbach werden zwischen 750 und 1.000 Besucher genehmigt, Sitzplätze werden kurzerhand mit Bierbänken geschaffen, dahinter stehen die Leute, wie vielfach in den Spielvideos des Wochenendes zu beobachten war.

In Memmingen gibt es keine Ausnahme weil dies laut der Stellungnahme des Gesundheitsamtes „aus infektionsschutzrechtlicher Sicht aufgrund der derzeitig nicht abschätzbaren Infektionslage insbesondere im Hinblick auf besorgniserregende Virusmutationen nicht empfehlenswert ist“.

Es wurde lediglich in Aussicht gestellt, dass der FC Memmingen auf den Betonstufen im Stehplatzbereich temporäre Sitzplätze schaffen könne. Dies ist aus Vereinssicht aber völlig unzweckmäßíg, weil die Fans hier – abgesehen von kurzzeitigem Jubel – sitzenbleiben müssten. Bei Regenwetter wäre den Fans nicht zumutbar im Nassen zu sitzen, zudem ist den unteren Stufenbereichen der Blick aufs Feld im Sitzen durch Zaun und Bande massiv eingeschränkt. Gegenüber den erlaubten 200 Stehplätzen wird auch nicht wirklich mehr Raum geschaffen. Immerhin müssen die Stehplatzbesucher jetzt keinen festen Platz mehr einnehmen. Aber die FFP-Maskenpflicht bleibt auf den Stehplätzen während des gesamten Spiels bestehen, lediglich am Sitzplatz darf die Maske abgenommen werden. Was die Absurdität der Maßnahmen im Umkehrschluss unterstreicht: Am Sitzplatz ist das Stehen untersagt, aber auf einem Stehplatz kann das Hinsitzen nicht verwehrt werden.

Der FC Memmingen will nun zumindest allen Inhabern von Saisonkarten den Besuch auf der Tribüne ermöglichen. Zur Sicherheit wird ein Puffer an Stehplatzkarten zurückbehalten, sollten die Sitzplätze für die Dauerkarten angesichts der Abstandsregeln nicht ausreichen, was passieren kann wenn viele einzeln sitzen wollen. Die Zuschauer dürfen sich zwar selbstständig bis zu zehn Personen zusammensetzen, der FCM darf diese Gruppen laut Vorschrift aber nicht bilden.

Damit können nur wenige Tagestickets in den freien Verkauf gehen. Über das genaue Besucherkonzept wird der FCM am Donnerstag informieren. Das Heimspiel gegen Eltersdorf wird ein Testlauf für die weiteren Begegnungen. Jedenfalls kann das neue Ticketsystem für den Kartenverkauf online und vor Ort, in das einige tausend Euro an Hardware investiert wurde, mit diesem Regelungswirrwarr bis auf weiteres nicht genutzt werden.

Die Stadt Memmingen verweist auf die gesetzlichen Vorgaben, die aber offenbar hier stringenter gehandhabt werden als anderswo. In den Sozialen Medien gibt es in mittlerweile hunderten Beiträgen teils scharfe Kritik, gegen die sich Oberbürgermeister Manfred Schilder im Interview bei HITRADIO RT1 verwahrte: „Es ist wenig zielführend auf den Sozialen Netzwerken solche Diskussionen zu führen und ich lehne es kategorisch ab, dass die Stadt als Buhmann dargestellt wird … der Gesetzgeber hält uns hier in engen Schranken. Wir versuchen hier alles zu unternehmen, um die maximal mögliche Zuschauerzahl im Stadion auch zuzulassen“.

Der FC Memmingen wird auf Anraten seines Rechtanwalts nicht den Klageweg beschreiten. Bis hier Entscheidungen fallen, vergehen Wochen oder gar Monate, so Hacker, die noch mehr Zeit, Kraft und Geld kosten. Den Einnahmeverlust durch die Zuschauerbeschränkung allein in den ersten drei Heimspielen beziffert Buchmann auf einen mittleren fünfstelligen Betrag.

 

Archivfoto (C) Olaf Schulze

 

 

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