Willenstärke wird belohnt

Fuerth H02 Scholz Dausch 300Der wahre Charakter einer Mannschaft zeigt sich nicht, wenn sie mit 7:0 führt, sondern wenn sie auf eigenem Platz mit 1: 3 zurückliegt. Wie nun Fußball-Regionalligist FC Memmingen im Heimspiel gegen die SpVgg Greuther Fürth II. In der 57. Spielminute hatte die Reserve des Fußball-Bundesligisten nach einer schwindelerregenden Kombination durch die Memminger Abwehr das 3: 1 erzielt. Davide Pisanu war zum zweiten Mal an diesem Abend erfolgreich.

Bei einem Team ohne Moral und mit zitternden Beinen wäre nun der Zeitpunkt gekommen, noch ein paar „Kisten“ zu kassieren, um dann nach 90 Minuten ohne Mumm und mit hängenden Köpfen vom Platz zu schleichen. Wer über eine solche Mannschaft spricht, spricht nicht über den FC Memmingen im Spiel gegen die „kleinen Kleeblätter“. Das junge, von Esad Kahric an der Außenlinie dirigierte Ensemble packte nach dem dritten Gegentreffer nicht etwa enttäuscht seine Instrumente ein. Nein, es spielte entschlossen weiter.

Und wie: Bereits drei Minuten nach dem 1: 3 hob der Memminger Oktay Leyla den Ball aus halblinker Position über Fürths Keeper Lasse Schulz hinweg ins lange Eck des Gäste-Kastens. Nach diesem Treffer waren nicht nur gut zwei Dutzend lautstarke FCM-Fans aus dem württembergischen Erlenmoos aus dem Häuschen. Auch durch „Jacky“ Gräser, der sie eingeladen hatte, und den Rest des Memminger Teams ging nun ein deutlich zu spürender Ruck.

Die Kahric-Truppe drückte jetzt mit aller Macht auf den Ausgleich – und wurde für ihre Anstrengungen belohnt: In der 77. Spielminute verschätzte sich der Fürther Keeper bei einem Kopfball von Timo Hirschle komplett. Der Ball sprang hoch auf und über Schulz hinweg in die Maschen der Gäste. Die Heimmannschaft, die nie aufsteckte, hatte sich tatsächlich noch den verdienten Ausgleich erkämpft.

Klar: In den letzten zehn Minuten hätte für Kahrics Männer auch noch alles in die Hose gehen können. Zum Beispiel in der 81. Minute, als die Fürther vehement Strafstoß forderten, stattdessen aber nur eine Gelbe Karte wegen Reklamierens bekamen. Doch auch die Hausherren hatten noch das 4: 3 auf dem Kopf beziehungsweise auf dem Fuß.

Das war Fußball, der mitriss, nicht nur in der hektischen Schlussphase. Kein Wunder, dass FCM-Torwarttrainer Mario Spendel nach dem Abpfiff von Schiedsrichter Tobias Wittmann völlig euphorisiert war. Er strahlte stolz wie ein Honigkuchenpferd und verteilte ein „ganz großes Kompliment an die ganze Mannschaft“.

Diese habe gegen einen spielerisch sehr starken Gegner“ zweimal einen Rückstand aufgeholt. Im Gegensatz zum Memminger Torwarttrainer hielt sich die Begeisterung bei Fürths Coach Dominic Rühl deutlich in Grenzen. Und das nicht nur, weil sein Team nach wie vor auf einem Abstiegsrang steht. Rühl attestierte seiner Mannschaft zwar eine „super Leistung“, sie habe insbesondere in der ersten Hälfte eine „hohe Ballsicherheit“ gezeigt. „Gerade deswegen haben wir im Endeffekt aber zwei Punkte verloren“, so Rühl.

Natürlich hätten sich die Memminger nach dem 2: 0 in Rain über drei weitere Punkte gefreut. Doch nach diesem Spielverlauf waren sie auch mit einem Zähler zufrieden. Torwarttrainer Spendel sagte: „Die Jungs haben starken Willen gezeigt“ – und eben wahren Charakter, der sich beim Stand von 1: 3 auf eigenem Platz offenbart.

Ausblick Weiter geht es für den FCM am Samstag, 2. Oktober, ab 14 Uhr beim TSV Aubstadt.

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Von Manfred Jörg - Allgäuer Zeitung vom 27.09.2021 - Foto (C) Siegfried Rebhan

 

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