Achterbahn der Gefühle

Schalding H06 Jubel JENSEN 300Hoffen, bangen, jubeln, hadern, zittern. In der Achterbahn der Gefühle haben Spieler, Funktionäre und Fans des Fußball-Regionalligisten FC Memmingen am Wochenende kaum etwas ausgelassen. Bis aufs Trauern. Und das soll im besten Fall auch so bleiben. Den direkten Klassenerhalt hat der FCM zwar trotz des 3:1-Heimsiegs gegen den SV Schalding-Heining verpasst (wir berichteten) , in die anstehende Relegation geht das ranghöchste Team im Allgäu voller Optimismus. „Letztlich sind wir glücklich, dass wir nach dieser größtenteils verkorksten Saison überhaupt noch die Chance haben, in der Klasse zu bleiben. Und wir haben es jetzt selbst in der Hand“, sagt FCM-Vorsitzender Armin Buchmann.

Am Wochenende sind alle Beteiligten auf eine harte Probe gestellt worden. Erst die große Euphorie, auch ein Stück weit Erleichterung nach dem Heimsieg im letzten regulären Punktspiel der Saison. „Wir waren voller Hoffnung, dass wir vielleicht sogar schon ganz gesichert sind“, erzählt Buchmann. Doch diese Hoffnung machte die SpVgg Greuther Fürth 24 Stunden später zunichte. Wären die Franken nämlich in die dritte Liga abgestiegen, hätte auch deren zweite Mannschaft eine Klasse tiefer müssen – und Memmingen hätte bleiben dürfen. Ohne Relegation.

Den Sonntagnachmittag haben die Memminger ganz unterschiedlich verbracht. Trainer Stephan Baierl saß daheim vor dem Fernseher und drückte seinem Ex-Klub Heidenheim die Daumen gegen Fürth, Buchmann zog’s am Muttertag mit der Familie nach Würzburg. „Ich habe mich aber übers Handy ständig auf dem Laufenden gehalten“, sagt der FCM-Chef. Am Ende blieb nach dem 1:1 und dem Klassenerhalt der SpVgg Greuther Fürth Ernüchterung. Buchmann gibt ein wenig Einblick in sein Seelenleben, wenn er erzählt: „Wir bewegen uns seit einem dreiviertel Jahr in einer Folterkammer. Am Samstag ging die Türe nach draußen einen Spalt auf, am Sonntag ist sie wieder zugefallen.“

Bis zum ersten Relegationsspiel am 25. Mai (Rückspiel am 28. Mai) haben die Memminger nun fast zwei Wochen Pause. Viel Zeit zum Nachdenken. Im gewohnten Rhythmus trainiert die Mannschaft weiter. Wie ein Mantra werden immer wieder die positiven Entwicklungen in den vergangenen Wochen herausgehoben. „Wir sehen derzeit, dass das Umfeld, die Sponsoren und Fans, ja sogar die Nachbarvereine zu uns stehen. Das tut gut. Wir dürfen nicht vergessen, was für ein außerordentliches Privileg es für uns ist, in dieser Regionalliga spielen zu dürfen“, meint der Vorsitzende.

Ausgelost wird die womöglich entscheidende Runde am kommenden Mittwoch. Klar ist bislang lediglich, dass der FCM zunächst auf einen Bayernligisten trifft. Entweder den TSV Rain (Süd), TSV Aubstadt oder Würzburger FV (beide Nord). Buchmann meint: „Einen Wunschgegner haben wir nicht. Wir nehmen’s, wie es kommt. Etwas anderes bleibt uns eh nicht übrig.“

Die Regionalliga-Saison des FC Memmingen in Zahlen

Dauerbrenner: Torwart Martin Gruber hat keine einzige Minute der Regionalliga-Runde verpasst. Der 28-Jährige ist mit einer Spielzeit von 3240 Minuten der Dauerbrenner beim FCM. Muriz Salemovic (29) folgt mit 3054 Minuten in 35 Spielen auf Rang zwei. Er wurde zehnmal ausgewechselt. Insgesamt kamen 30 verschiedene Spieler zum Einsatz.

Torjäger: 47 Treffer erzielte der FC Memmingen in 36 Punktspielen der Runde. Das macht im Schnitt 1,3 Tore pro Spiel. Zum Vergleich: Meister TSV 1860 München kommt mit der stärksten Offensive der Liga (87 Tore) auf einen Durchschnittswert von 2,4. Treffsicherster Memminger war Furkan Kircicek. Der 21-Jährige erzielte insgesamt zwölf Tore.

Zuschauer: Zu den 18 Heimspielen kamen 18 339 Zuschauer in die Memminger Arena, im Schnitt 1018. Die meisten Fans waren es zum Auftakt gegen 1860 München (5100), die wenigsten Ende November gegen Ingolstadt II (441). Im ligaweiten vergleich belegt der FCM damit übrigens immerhin Rang neun.

Trainer: Drei verschiedene Trainer hatten beim FC Memmingen in dieser Spielzeit das Sagen. Angefangen hat alles mit Stefan Anderl (52), dem Erfolgscoach des Vorjahres. Nach zwölf Spielen war für ihn Schluss. Zu schlecht war die Bilanz mit nur zwei Siegen, zwei Unentschieden und acht Niederlagen. Er brachte es auf einen Schnitt von 0,67 Punkten pro Spiel. Nächste Saison coacht Anderl den FV Illertissen. Am 3. Oktober übernahm Teammanager Bernd Kunze (44) für elf Spiele bis zur Winterpause. Seine Bilanz: drei Siege, drei Unentschieden, fünf Niederlagen und 1,09 Punkte pro Partie. Dann kam Stephan Baierl zum FCM. Seine Punktspielpremiere als Coach feierte der 41-Jährige am 10. März. Von 13 Partien unter seiner Regie verlor Memmingen nur vier. Mit fünf Siegen, vier Unentschieden und vier Niederlagen kommt er auf einen Punkteschnitt von 1,46. (ses)

(Von Stephan Schöttl - Allgäuer Zeitung vom 15.05.18 - Foto: Ingo Jensen)

Offizielle Webseite des FC Memmingen mit Informationen über die Saison, den Verein und die Mannschaften.

Copyright © 2018 FC Memmingen e.V.
Designed by sm@rt-it GmbH
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok