Bewegung in Regionalliga-Reformdiskussion

Buchmann Koch 300Die Schnittstelle zwischen Profi- und Amateurfußball ist seit Jahrzehnten ein Problem und sorgt immer wieder für Diskussionen, egal wie die aktuelle Struktur gerade aussieht. Zuletzt wurde vor sechs Jahren am Übergang zwischen der 3. Liga und den Regionalligen geschraubt. Die vierte Spielklasse wird derzeit fünf- statt vorher dreigleisig geführt. Der Hauptkritikpunkt dabei: Nur drei von fünf Regionalliga-Meistern können in die 3. Liga aufsteigen. Jetzt kommt wieder große Dynamik in die Reformdiskussion. Der FC Memmingen redet hier auch ein Wort mit, weil es nicht nur um die Aufstiegsfrage sondern grundsätzlich darum geht, wo sich Amateurvereine wie der FCM künftig wiederfinden werden.

Die Lage: Der BFV-Präsident und DFB-Vize Dr. Reiner Koch (rechts im Bild) hat kürzlich seine bayerischen Regionalliga- und Drittliga-Clubs hinter sich geschart. Der FCM war durch die Vorsitzenden Armin Buchmann (links im Bild) und Thomas Reichart vertreten. Dabei wurde sich auf ein Kompromissmodell verständigt, das im Gegensatz zu dem Wust der vielen nicht durchsetzbaren Vorschläge der vergangenen Jahre, vielleicht tatsächlich eine Chance auf Realisierung hat. Ein Hauptaugenmerk liegt darauf, dass Bayern seine eigene Regionalliga behält. „Alles andere würde bedeuten, dass Vereine mit den Strukturen wie der FC Memmingen nicht mehr in der vierten Liga antreten könnten“, sieht Buchmann nur darin eine Zukunft für die Amateure. Koch gibt in der ganzen Diskussion immer wieder zu bedenken, dass die Regionalligen gemacht wurden für hochklassigen Amateurfußball und Clubs aus diesem Kreis, die Ambitionen hegen, einmal den Sprung nach oben zu wagen. Und eben nicht als Auffangbecken für aus welchen Gründen auch immer gestrandete Proficlubs wie in Bayern 1860 München oder anderswo Kickers Offenbach oder Rot-Weiß Essen.

Der bayerische Vorschlag: Die Zahl der Drittliga-Absteiger soll von drei auf vier erhöht werden. Zwei Aufsteiger dürften die Regionalligen Südwest und West stellen, weil sie zusammen auch etwa 50 Prozent der Herrenmannschaften in Deutschland ausmachen. Die anderen 50 Prozent entfallen auf Bayern, den Norden und Nordosten – allerdings auf einer viel größeren Fläche als im Westen des Landes. Von Hoyerswerda nach Memmingen wären es beispielsweise 600 Kilometer. „Nach Mailand ist es für uns fast die Hälfte kürzer“, merkt Buchmann an und pflichtet Koch bei, der sich erst einmal dagegen ausspricht, hier aus drei Staffeln nur noch zwei zu machen. Die beiden Aufstiegsplätze müssten nach einem zu vereinbarenden Modus ausgespielt werden. Das Motto „Der Meister muss aufsteigen“ würde also demnach hier zurückgestellt. Als äußerstem Kompromiss kann sich Koch vorstellen, dass es deutschlandweit doch nur noch vier Regionalliga-Staffeln gibt. Bayern würde dann die Gruppe Südost mit den Landesverbänden aus Sachsen und Thüringen bilden wollen. Der Norden müsste sich mit Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern zusammenschließen.

Die Reaktionen: Die 3. Liga lehnt die Erhöhung der Klasse auf 22 Vereine und von drei auf vier Absteiger bislang noch ab. Bei nur noch vier statt fünf Regionalligen wurde aber Gesprächsbereitschaft signalisiert. In Bayern haben sich die Spitzenclubs auf den geschilderten Vorschlag verständigt. Im Norden und Nordosten gibt es sowohl Zustimmung als auch Ablehnung und neue Gegenvorschläge, denen aber wenig Aussicht auf Erfolg eingeräumt wird.

Das weitere Vorgehen: Der DFB gründet eine Arbeitsgruppe, der jeweils ein Vertreter der fünf Regionalligen, drei Drittliga- sowie Verbandsvertreter angehören. Über eine Änderung der Aufstiegsregelung könnte der DFB-Vorstand noch im Dezember schon für die nächste Spielzeit beschließen. Über eine Ligenänderung müsste allerdings der DFB-Bundestag abstimmen. Das würde bis 2019 dauern und könnte frühestens ab der Saison 2020/21 greifen.

Die Fakten in Kürze:

3. Bundesliga - Bisher: 20 Vereine, 3 Festabsteiger / Der bayerische Vorschlag: Weiterhin 20 Vereine, 4 Festabsteiger

Regionalligen - Bisher: Deutschlandweit fünf Staffeln (Bayern, Südwest, West, Nord, Nordost). Die fünf Meister und der Zweitplatzierte aus dem Südwesten spielen über eine Relegation nur drei Drittliga-Aufsteiger aus. / Der bayerische Vorschlag: Beibehaltung der fünf Regionalligen. Aus den Gruppen West und Südwest steigen die Meister in die 3. Liga auf. Aus den Meistern der Gruppen Bayern, Nordost und Nord werden zwei Aufsteiger ermittelt. Alternativ werden die drei Staffeln auf zwei reduziert und deren Meister steigen auf.

Der FC Memmingen in der Regionalliga: 

2010 bis 2012 – zwei Spielzeiten in der Regionalliga Süd (bei 3 Regionalliga-Staffeln in Deutschland. Der FCM sieht sich als einzigen bayerischen echten Amateurverein, der seit der Jahrtausendwende die dreigleisige Regionalliga sowohl sportlich als auch finanziell „überlebt“ und eine Aufstockung der Staffeln von drei auf fünf mit befürwortet.

2012 bis heute – Der FCM war „Gründungsmitglied“ der Regionalliga Bayern. Aktuell im fünften Jahr steht der Verein – nach der Vorjahresplatzierung 4 - auf dem 18. Tabellenplatz und kämpft um den Klassenerhalt.

(Archivfoto: BFV)

 

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