Jugendfußball: Saisonabbruch mit unterschiedlichen Folgen

U17 H Bayern II TW Niklas Schroeder 300Eine leise Hoffnung gibt es noch, dass im Jugendfußball doch noch etwas geht. Im Gegensatz zu den Erwachsenen, läuft die seit Monaten Corona-bedingt unterbrochene Saison bei der Jugend einen Monat länger und offiziell erst am 31. Juli aus. Eine Fortsetzung erscheint angesichts hoher Inzidenzzahlen dennoch unwahrscheinlich, auch wenn zumindest das Training für Kinder unter 14 Jahren in Kleingruppen momentan wieder erlaubt ist.

So müssen sich Verband und Vereine mit dem wahrscheinlichen Abbruchsszenario beschäftigen – und das fällt auf den verschiedenen Ebenen im Jugendfußball höchst unterschiedlich aus. Die Runden wurden bekanntlich für die Saison 2020/2021 sowohl von der Teamanzahl als auch vom Zeitrahmen zur Hälfte geteilt. Sicher ist, dass es die „Frühjahrsrunde“ nicht mehr geben kann. Wird die unterbrochene „Herbstrunde“ nicht zu Ende gebracht, gibt es eine Quotientenregelung über Platzierungen, Auf- und Abstiege - unabhängig davon, wie viele Spiele ausgetragen wurden.

Bundesebene

Der Deutsche Fußballverband (DFB) hat beschlossen, dass die A- und B-Junioren-Bundesligen ohne Wertung abgebrochen werden. Es gibt keine Meister und keine Absteiger, sehr wohl aber Aufsteiger in die höchsten Jugendligen, die allerdings bis 30. Juni ermittelt sein müssen.

Verbandsebene

Hier sind im Allgäu nur die SpVgg Kaufbeuren, der TSV Kottern und der FC Memmingen betroffen, der von den A- bis zu den C-Junioren bislang gleich fünf Mannschaften in den bayerischen Spielklassen stellt.

Die Memminger U19 hat in der A-Junioren-Bayernliga den Klassenerhalt geschafft, obwohl sie nur drei Begegnungen ausgetragen hat. Es reichen die drei Punkte, die beim 3:1-Derbysieg gegen den FV Illertissen eingefahren wurden. Bitter wird es für die Memminger U18-Truppe, die mit einem Punkt aus vier Spielen mit überwiegend knappen Ergebnissen als Tabellenachter unter neun Teams der Gruppe die A-Junioren-Landesliga verlassen muss.

Die U17-Mannschaft des FC Memmingen ist ambitioniert. Wegen der aussichtsreichen Platzierung wurde, wie berichtet, erstmals in der Vereinsgeschichte die Lizenz für die B-Junioren-Bundesliga beantragt. In der Bayernliga-Tabelle liegen der Spitzenreiter FC Ingolstadt und der FCM-Nachwuchs mit 12 Punkten gleichauf. Das nächste Spiel wäre das direkte Aufeinandertreffen und vermutlich die Entscheidung im Titelrennen. So aber hat Ingolstadt bei einem Abbruch dank der Quotientenregel die Nase vorn, weil Memmingen ein Spiel mehr ausgetragen hat. In der B-Junioren-Landesliga verbleiben die U16 des FCM (3. Platz/5 Spiele/10 Punkte) und die SpVgg Kaufbeuren, die mit Rang sieben (4 Spiele/4 Punkte) den Klassenerhalt geschafft hat.

Für die U15-Mannschaft des FC Memmingen geht es um den Aufstieg in die C-Junioren-Regionalliga, die höchste Klasse in dieser Altersstufe. Schwaben Augsburg hat in der Südgruppe ebenfalls 15 Bayernliga-Punkte auf dem Konto – der Quotient ist damit gleich, aber der direkte Vergleich ging mit 3:2 an den FCM. Der FC Gundelfingen hat allerdings weniger Spieler ausgetragen, gegen die stärksten Gegner gar nicht gespielt - aber mit dem Quotienten die Nase vorn. Das nächste Spiel zwischen dem FCM und Gundelfingen würde die Entscheidung bringen. Wenn die Begegnung nicht ausgetragen wird, dann hat Gundelfingen die besseren Karten. Für den Sprung nach oben ist eine weitere Relegation mit insgesamt vier bayerischen Teilnehmern um zwei freie Plätze erforderlich. Sollten die Entscheidungsspiele nicht ausgetragen werden können, wird der Aufstieg ausgelost. Weil es auch in der nächsten Spielzeit nicht nur bei der räumlichen und zeitlichen Aufteilung der Ligen wie heuer bleibt, sind auch weiterhin die SpVgg Kaufbeuren (4. Platz/6 Spiele/11 Punkte) und der TSV Kottern (8./5/3) in der C-Jugend-Bayernliga vertreten.

Bezirksebene Schwaben

Hier sind als Unterbau der Landesliga auf Verbandsebene die Junioren-Bezirksoberligen von der A- bis zur C-Jugend installiert. Bei den D-Junioren ist die Bezirksoberliga schon die höchstmögliche Klasse. Hier geht die „Südmeisterschaft“ an den FC Memmingen. Bei den A-Junioren hat der FC Kempten (trotz gleichem Quotienten mit dem FV Illertissen II) als Tabellenzweiter laut offizieller BFV-Tabelle das Nachsehen um Titel- und Aufstieg. Genauso ergeht es dem TSV Kottern bei den B-Junioren. Bei den C-Junioren macht der FC Kempten mit gleichen Quotienten wiederum gegen die U14 des FC Memmingen das Rennen.

Auch nach unten gibt es „Härtefälle“, denn im Gegensatz zur Vorsaison wird heuer der Auf- und Abstieg aus den Jugend-Bezirksoberligen vollzogen. Ein weiteres Problem: Im Kreis Allgäu gibt es mehr Kreisligen als Aufstiegsplätze. Das bedeutet, dass Entscheidungsspiele ausgetragen werden müssen. Wenn sie nicht stattfinden können, kommt auch hier der Losentscheid zum Zug.

Kreisebene Allgäu

Dank der eingeführten Meldeligen ist es ab den Jugend-Kreisligen abwärts wiederum sehr einfach. Die bewährte Regelung, dass die Vereine die Leistungsstärke ihrer aktuellen Nachwuchsmannschaften selbst einschätzen und die Klassen danach eingeteilt werden, gibt es auch in der kommenden Saison.

Das Fazit aus Sicht der FCM-Jugendleitung: „Die Quotientenregel bringt für uns fast nur Nachteile. Der U18 droht der Abstieg, obwohl sie fast nur gegen Mannschaften aus dem oberen Bereich gespielt werden. Die U17 kann nicht aufsteigen. Das droht auch der U15, wenn Gundelfingen mit dem besseren Quotienten weiterkommt, gegen die stärksten Gegner aber gar nicht gespielt hat. Auch der U14 wird bei einem Abbruch die Chance genommen“, so der sportliche Leiter der Junioren Thomas Neudecker.

 

Archivfoto (C) Olaf Schulze

 

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