Der Stratege: Stephan Baierl geht planvoll vor

Stadtpark Interview Stephan Baierl 300„Treffpunkt Stadtpark“ heißt eine Rubrik der Memminger Zeitung. Auf dem früheren Landesgartenschau-Gelände sprechen wir mit bekannten Memmingern und Unterallgäuern. Interviewpartner ist diesmal Stephan Baierl, Trainer des Fußball-Regionalligisten FC Memmingen.

Auf drei Säulen basiert das Leben von Stephan Baierl: Der 41-Jährige trainiert den Fußball-Regionalligisten FC Memmingen, arbeitet als Lehrer und ist Familienvater. Das alles hat er sich sorgsam aufgebaut – und es passt für ihn zusammen. Denn Wissen vermitteln, mit jungen Menschen umgehen und auch mal sagen, wo es langgeht, muss er in allen drei Bereichen.

Seit Anfang des Jahres steht er bei den Viertligisten, den klassenhöchsten Fußballern im Allgäu, an der Bande. Weil die Mission Klassenerhalt ihn von Anfang an stark forderte, verbrachte er seine Tage in Memmingen bisher fast ausschließlich beim Training. Er hatte also nicht viel Zeit, sich in der Stadt umzusehen, schließlich lebt er nahe Ulm. Durch den Stadtpark spaziert er beim Interview zum ersten Mal, sodass er viele Fragen über das Gelände stellt. Doch weicht er auch selbst keinem Thema aus. Fußballerisch sieht er beim FCM keine Ambitionen, weiter aufzusteigen. „Wenn wir die Klasse halten, haben wir alles richtig gemacht“, sagt er. Natürlich wolle das Team dabei möglichst im oberen Drittel der Liga mitspielen.

Um das zu erreichen, schlägt er einen Ton an, den er „freundschaftlich bestimmend“ nennt. Klare Vorgaben und Ansagen gehören für ihn ebenso dazu, wie den Spielern zu zeigen, dass er ihnen wohlgesinnt ist und ein offenes Ohr für sie hat. So hält er es auch als Lehrer in der Schule.

Ohnehin sieht er in seinen beiden Berufen eine ideale Kombination. Neben den inhaltlichen Gemeinsamkeiten ergänzen sie sich zeitlich und finanziell. „Ich habe mich nie hundertprozentig auf den Fußball verlassen“, erzählt er. Zwar schaffte er es bereits als Spieler in die vierte Liga. Doch hänge eine Existenz im Sport von vielen Faktoren ab. „Fußball ist nun mal ein Ergebnissport und wenn die Ergebnisse nicht passen, wirst du als Trainer verantwortlich gemacht“, fasst er zusammen. Als Beamter dagegen habe er Sicherheit und Flexibilität. Baierl arbeitet Teilzeit, um genug Zeit für den FCM und die Familie zu haben.

Sport spielte in seinem Leben schon immer eine wichtige Rolle. Er fährt für sein Leben gern Ski, ist vor ein paar Jahren mit dem Golf-Virus „infiziert“ worden und war früher oft zum Surfen und für andere Wassersportarten am Atlantik. Doch das alles steht im Schatten des Fußballs. Sogar seine Frau lernte er nahe des Platzes kennen: Sie trainierte als Leichtathletin auf der Tartanbahn, die das Spielfeld umrundet, auf dem er kickte. Heute arbeitet sie als Ärztin bei der Bundeswehr. Dieser Beruf sorgte für manch bange Stunde in der Familie. Zweimal war seine Frau in Afghanistan im Einsatz. Baierl wird ernst, wenn er erzählt, dass sie auf Patrouillen unterwegs und tagelang nicht zu erreichen war.

„Wir teilen uns die Verantwortung für die Kinder ganz bewusst“, sagt er. Schließlich seien beide beruflich ausgelastet. „Außerdem setze ich keine Kinder in die Welt, um sie dann nicht aufwachsen zu sehen“, beschreibt er sein Selbstverständnis. Baierls Strategie im Leben geht auf: Er verbindet Familie und Beruf mit seiner Leidenschaft – dem Fußball. Seine Unabhängigkeit erlaubt es ihm zu sagen, dass er nicht noch als alter Mann Trainer sein will. Aber: „Ich werde dem Fußball immer in irgendeiner Form verbunden bleiben.“

Zur Person:

Herkunft - Stephan Baierl wurde am 16. August 1976 in Ulm geboren.

Beruflicher Werdegang - Nach seinem Abitur 1997 und dem Wehrdienst studierte Baierl an der Pädagogischen Hochschule in Schwäbisch Gmünd und absolvierte sein Referendariat bis 2003 in Ulm. In Stuttgart stieg er in den Lehrdienst ein. Seit dem Jahr 2009 lehrt Baierl an der Werkrealschule in Ulm. Als Fußballspieler war er beim SSV Ulm, FV Illertissen, FC Heidenheim und beim SV Bonlanden aktiv. Trainer war er bereits bei der Jugend des VfB Stuttgart sowie zweimal in Ulm und in Pfullendorf. Seit Anfang des Jahres ist Stephan Baierl beim FC Memmingen.

Familie - Baierl ist verheiratet. Das Paar hat eine siebenjährige Tochter und einen dreijährigen Sohn.

Freizeit - Er liebt das Skifahren. Ansonsten hat er seine Leidenschaft Fußball zum Nebenberuf gemacht.

(Von Frank Eberhard - Memminger Zeitung vom 07.08.18 - Foto: Frank Eberhardt)

 

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