MZ-Vereinsserie: Tischtennisspielen macht schlau

Schülertraining DUNJA SCHÜTTERLE 300Fußball ist die Sportart Nummer eins in Deutschland. Um ihn soll es in unserer Serie ausdrücklich nicht gehen. Nein: Wir wollen sogenannte Randsportarten genauer beleuchten und dabei vor allem die Nachwuchsarbeit. Wir wollen Kinder und Jugendliche porträtieren, die sich für eine Sportart entschieden haben, die eben nicht jeder ausübt. Und wir wollen über diejenigen schreiben, die sich als Trainer und Betreuer engagieren. Der 19. Teil der Serie dreht sich um die Tischtennisspieler des FC Memmingen.

In der Turnhalle schneit es kleine weiße Bälle: Binnen kürzester Zeit ist der Turnhallenboden mit den Plastikbällen übersät, die mit hellem Ping und Pong aufprallen. Die Mädchen und Jungs spielen an diesem Tag in der Turnhalle des Bernhard-Strigel-Gymnasiums Pingpong und trainieren Tischtennis.

Also, was jetzt? Pingpong oder Tischtennis? Beides. Zwei Namen, ein Spiel – mit den gleichen Regeln, die beim FC Memmingen (FCM), Angelika Thanner, Willebold Göppel und Peter Barton den 20 Spielerinnen und Spielern der Jugend bis 18 Jahren mit Freude vermitteln wollen.

Doch: Moment mal! Beim FC Memmingen wird doch eigentlich Fußball gespielt, oder? „Das ist richtig. Die Tischtennis-Abteilung wurde auch von Fußballern gegründet“, erklärt dazu Abteilungsleiter Thomas Gregor. 50 Jahre nach der offiziellen Gründung des Fußball-Clubs Memmingen 1907 entstand die Tischtennis-Abteilung. „Die meisten im Verein spielen aber heute nur noch eine Sportart, also Fußball oder Tischtennis“, wie Thomas Gregor weiter berichtet.

Mentale Stärke wichtig

Der Ball verbindet die Sportarten, doch haben beide ganz unterschiedliche Aspekte. Zum Tischtennis gehört neben der Kondition auch ganz viel mentale Stärke, wie Willebold Göppel weiß, der selbst aktiv Tischtennis spielt. Er geht sogar so weit, dass er schmunzelnd sagt: „Tischtennisspielen macht schlau.“

Göppels Aussage liegt eine Studie des Zentrums für Gesundheit (ZfG), zugrunde, die herausgefunden haben will, dass Schülerinnen und Schüler, die regelmäßig Tischtennis spielen, auch besser in der Schule seien. Für die Mädchen und Jungs, die an diesem Tag am Training teilnehmen, spielt das jetzt aber keine Rolle. Nein, beim Nachwuchs steht jetzt erst mal das Warmmachen mit einem Spiel im Vordergrund, das Trainerin Angelika Thanner vorab kurz erklärt. „Hier wird die Hand-Augen-Koordination trainiert, wenn sich die Kinder gegenseitig abwerfen“, sagt Göppel dazu.

Angelika Thanner ist B-Lizenz-Übungsleiterin, die das wöchentliche Training für die Kinder und Jugendlichen zwischen sieben und 18 Jahren leitet. Nach dem Spiel ist die Beinarbeit gefordert, um so schnell wie möglich durch die verschiedenen Stationen zu kommen.

Denn: Wer meint, zum Tischtennisspielen reichten eine Platte mit Netz, ein Ball und ein Schläger, der hat zwar im Prinzip recht, wird aber bei einem Training, wie es beim FCM stattfindet, dann doch eines Besseren belehrt. „Bei unserem Sport geht ganz viel über die Kondition, und wir möchten die Kinder nicht nur beaufsichtigen, sondern ihnen etwas beibringen“, sagt Willebold Göppel.

Deswegen fängt das Training für die FCM-Kids nicht gleich mit dem Spiel an der Platte an. Sie sind schließlich die neue Schülermannschaft, die in einer inoffiziellen Liga erste Wettkampferfahrungen sammelt, ohne dass der Leistungsgedanke im Vordergrund steht.

Die Kids stehen derweil am Parcours an, der sie unter anderem mit kleinen Sprints durch die Hindernisse führt. Angelika Thanner korrigiert, feuert den Nachwuchs an und gibt Tipps, wie man sich beim nächsten Mal verbessert.

Das gefällt auch dem 14-jährigen Joseph, der aus Syrien kommt und erst seit Mai 2017 in Memmingen lebt. Hier habe er neben einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung auch neue Freunde gefunden, wie er sagt.

Nach dem Zirkeltraining heißt es dann: raus mit den Tischtennisplatten. „Die Kleinen holen die Netze, die Großen die Platten“, bestimmen die Trainer. Joseph und Raphael sind ein Team und kümmern sich um den Aufbau der hellblauen Tische, zwischen denen jeweils ein Netz gespannt wird.

An den weiteren Tischen spielen immer zwei gegen zwei. Neben Joseph steht eine Schüssel, die mit Tischtennisbällen prall gefüllt ist. „Dann können die Kids durchspielen und brauchen ihr Spiel nicht immer zu unterbrechen“, so Göppel. Joseph hält den Ball in seiner hohlen Hand, wirft ihn hoch und gibt ihm mit dem Schläger Speed, damit dieser auf der Tischseite von Raphael auftrifft, der blitzschnell den Ball anschneidet und ihn damit in Rotation versetzt. „Eine der stärksten Vorwärtsrotationen mit bis zu 170 Stundenkilometern ist der Top-Spin“, erklärt Joseph.

Während weitere Bälle hin- und herfliegen, geht die achtjährige Simone mit einem Eimer mit Stiel, der anstatt eines Bodens ein Gitter hat, durch die Reihen, um so die versprungenen Bälle wieder einzusammeln. Wer glaubt, das Tischtennis keine schweißtreibende Angelegenheit sei, der täuscht sich. Denn Tischtennis fordert den Körper – genauso wie den Geist.

Kontakt Wer jetzt Lust hat, den Sport mal auszuprobieren, nimmt Kontakt mit Abteilungsleiter Thomas Gregor auf. Die E-Mail-Adresse lautet Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Infos gibt es auch auf der Homepage des Vereins unter www.fc-memmingen.de/tischtennis.

(Von Dunja Schütterle - Memminger Zeitung vom 13.01.2020 - Foto: Dunja Schüttlerle)

 

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