Fabian Lutz hat die Koffer gepackt

Fabian Lutz Kofferpacken 300Fabian Lutz wirkt so, als könne er selbst nicht richtig glauben, was ihn erwartet: „Als ich zum ersten Mal eine Mail von der Agentur bekommen habe, dachte ich, dass mich jemand auf den Arm nehmen will. Aber jetzt freue ich mich total darauf“, erzählt der 23-jährige Bad Grönenbacher grinsend. Seit 2007 hat der Außenverteidiger für den Regionalligisten FC Memmingen gekickt – erst in der Jugend, seit 2015 bei den Senioren. Nun steht ein neuer Schritt bevor: Lutz bekommt ein Fußball-Stipendium in den USA. Dort wird er schon bald an der Universität in Durham im Bundesstaat New Hampshire (im Nordosten) seinen Master der Bewegungswissenschaften anpacken. Und gleichzeitig in der höchsten amerikanischen College-Fußballliga, der NCAA Division 1, spielen.

„Ich habe mir das lange überlegt“, erzählt Lutz. Die erste Anfrage der Vermittlungsagentur habe er bereits vor über zwei Jahren bekommen: „Ich wusste anfangs nicht, ob das seriös ist. Aber als ich ein bisschen nachgeforscht habe, habe ich viel Positives gefunden.“ In Deutschland gibt es Scouts, die ihre Augen nach potenziellen Spielern für die NCAA (National Collegiate Athletic Association) Ausschau halten. „Keine Ahnung, wie die auf mich gekommen sind, aber plötzlich war diese Mail vom Scout für Süddeutschland da. Der konnte ja gar nicht wissen, dass ich Student bin.“ Die letzten vier Jahre hatte Lutz in Konstanz Sportwissenschaften studiert, für den weiterführenden Abschluss zieht es ihn nun in die USA. „Aber ich glaube, dass ich dort mehr Fußball spielen als studieren werde“, sagt er. Immerhin gebe es professionelle Bedingungen. Fast täglich wird trainiert, zudem stehen in der Regel zwei bis drei Spiele pro Woche auf dem Programm.

„Ich bin wirklich gespannt auf das Niveau, das Training und die Mannschaft. Die Teams sind international: In Durham haben zuletzt Leute aus zehn Ländern gespielt. Das ist cool.“ Lutz hat inzwischen Kontakte zu anderen deutschsprachigen Akteuren geknüpft, die den Sprung in die College-Liga gewagt haben. „Die haben mir erzählt, wie alles abläuft, was gut und was schlecht ist. Ich habe zum Beispiel oft gehört, dass die Sportler dort körperlich sehr fit, aber taktisch nicht so gut ausgebildet sind.“ Nach und nach trudelten Angebote verschiedener Universitätsteams bei Lutz ein. Der erinnert sich mit einem Lachen: „Eigentlich habe ich mir nicht viel vorgenommen: Ich wollte in keine so kleine Stadt, nicht in den Norden, wo es kalt ist, und nicht auf Kunstrasen spielen.“ Nun landet er aber ausgerechnet in Durham/New Hampshire, in einem Bundesstaat, der südlich der kanadischen Grenze an der Ostküste der USA liegt. An einer Uni, die ausschließlich Kunstrasenplätze hat, in einer Stadt mit nur 15.000 Einwohnern.

„Ich hatte Durham deswegen zuerst abgesagt. Die Stadt ist wirklich mini – und außen rum ist wohl nur Wald. Aber die Verantwortlichen haben mich dann doch überzeugt. Jetzt kann ich in der höchsten Division spielen, in einem Team, das zuletzt erfolgreich war“, erzählt er. In Durham bekommt Lutz vieles gestellt: „Ich werde mit zwei Teamkollegen in einem Haus wohnen, Bücher für die Uni und Versicherung werden gezahlt.“ Lediglich für die Flüge muss der Allgäuer selbst aufkommen. Seine Zeit in den USA ist aber begrenzt: Er bleibt nur ein Jahr. „Das liegt an dem System der NCAA. Es gibt Beschränkungen, die verhindern, dass ich länger spiele.“ Der Master-Abschluss sei im amerikanischen Studiensystem aber in dieser Zeit zu schaffen.

Besonders freut sich Lutz auf die Play-offs, die nach der regulären Saison anstehen: „Das gibt es bei uns ja so nicht im Fußball. Solche K.o.-Spiele hat man höchstens im Pokal oder mal in der Relegation. Aber wenn man in der NCAA in den Play-offs früh ausscheidet, ist gleich die ganze Saison vorbei“, sagt Lutz. Für ihn ist klar: „Ich werde alles geben, dass wir nicht so schnell Pause haben.“ Die Voraussetzungen sind gut: Sein Team, die „UNH Wildcats“ haben in der Vorsaison immerhin die Conference-Play-offs gewonnen.

Jetzt heißt es, Koffer packen. Nach drei Jahren als Regionalliga-Stammspieler wagt er ein neues Abenteuer in Übersee. „Ich kann es kaum erwarten“, sagt der 23-Jährige und grinst.

(Von Jan-Mirco Linse - Allgäuer Zeitung/Mindelheimer Zeitung - Foto: Olaf Schulze)

 

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