Geht der Jubel für Fabian Lutz weiter?

Lutz Fabian New Hamphire 300Der College-Fußball in den USA geht in die heiße Phase – und mittendrin ist ein Allgäuer. Im Sommer hat Fabian Lutz aus Bad Grönenbach den Regionalligisten FC Memmingen für ein Stipendium in der höchsten College-Liga, der NCAA Division I, verlassen. Mit den „Wildcats“ der University of New Hampshire (UNH) in Durham hat er nun die reguläre Saison hinter sich – doch die Spielzeit ist nicht vorbei. Was hierzulande aus Eishockey und Basketball bekannt ist, gibt es dort auch im Fußball: Play-offs. Wir haben mit dem 23-Jährigen gesprochen.

Die Hauptrunde In der regulären Saison präsentierte sich Lutz’ Team stark: zwölf Siege und drei Unentschieden aus 16 Partien. Doch Lutz ist kritisch: „Wir sind schwach gestartet – am Anfang haben wir nicht gut gespielt.“ Erst später habe sich die Mannschaft gesteigert, bis zur einzigen Niederlage (0: 1 in Albany). Doch Lutz sieht die Pleite positiv: „Das war wichtig: Jetzt ist jeder neu fokussiert und weiß, dass wir liefern müssen, um zu gewinnen.“ Ohnehin bleibt der Fauxpas folgenlos: UNH sicherte sich in ihrer Conference (eine regionale Gruppe) den ersten Platz und so auch eine gute Ausgangslage für die Gruppen-Play-offs.

Lutz als Punktesammler Der Rechtsverteidiger mauserte sich zum zweitbesten Scorer seines Teams. Er sammelte je vier Tore und Vorlagen – laut NCAA zwölf Scorerpunkte (Tore zählen doppelt). Jüngst wurde der Allgäuer gar in das „All-Conference First Team“ gewählt, die beste Elf seiner Regionalgruppe. „Läuft“, sagt Lutz dazu lachend.

Fans und Spiele Vieles sei professioneller als im deutschen Amateurbereich. Sein Team reist meist einen Tag vorher zu Auswärtspartien. Die Heimspiele werden sogar live auf dem Sportsender ESPN übertragen. „Klar, American Football überstrahlt hier alles – aber auch der College-Fußball bekommt Aufmerksamkeit“, berichtet Lutz. Im Durchschnitt besuchten über 1400 Zuschauer die sieben Heimauftritte der Wildcats. In den K. o.-Spielen hofft Lutz nun auf noch mehr Fans. Problem: Durham liegt im Nordosten des Landes nahe der kanadischen Grenze. Lutz erklärt: „Hier ist’s jetzt saukalt. Am Mittwoch ist das nächste Spiel, da soll es Minusgrade haben.“

Unterschiede zur Heimat Satte 206 Teams umfasst die Division I. Nur die wenigsten schaffen es in die nationalen Play-offs (im Anschluss an die jetzt anstehenden Gruppen-Play-offs). Jedes Team erspielt sich mit seinen Ergebnissen einen Quotienten, anhand dessen es auf nationaler Ebene in einer großen Tabelle gelistet wird. In dieser sind die Wildcats auf Rang 17. „Wenn wir das Conference-Halbfinale am Mittwoch gewinnen, sind wir fast sicher weiter“, sagt Lutz. Dort warten bald Gegner aus dem ganzen Land – ein großes Ziel von Lutz. Ein Sieg im Gruppen-Endspiel würde Quotienten und Ausgangsposition weiter verbessern.

Doppelbelastung Uni und Sport Lutz spielt am College nicht nur Fußball, er studiert zeitgleich. Er absolviert den Master in Bewegungswissenschaften. Dabei muss Lutz Notenhürden überspringen – schneidet er schlechter ab, verliert er seine Spielberechtigung für die Wildcats. Lutz sagt: „Das ist mehr Aufwand als in Deutschland. Aber so schwer ist es nicht.“ Arbeiten abgeben, auf Tests lernen und sich gleichzeitig auf Fußball konzentrieren. „Machbar“, meint der Allgäuer, betont aber: „Knifflig wird’s, wenn man Vorlesungen mit wichtigen Themen verpasst.“

Titelchancen Lutz ist guter Dinge, dass die Saison der UNH-Fußballer noch lange andauert: „Wir stehen hinten gut und lassen kaum Schüsse zu. Ich glaube, wir können noch zulegen.“ Die Erwartungen ans Team seien hoch, der Conference-Titel ist fest angepeilt – und danach soll noch nicht Schluss sein. Zunächst steht aber am Mittwoch UMASS Lowell im Gruppen-Halbfinale im Weg. In der regulären Saison gab es gegen dieses Team einen 4: 0-Sieg. Lutz warnt aber: „Sie werden jetzt besser sein, da müssen wir aufpassen.“

(Von Jan-Mirco Linse - Allgäuer Zeitung vom 12.11.19 - Foto: privat)

 

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