Der Vorsitzende spricht und fordert Klartext

Training Buchmann Ansprache 300Klare Entscheidungen. Die fordert Armin Buchmann (Bildmitte) jetzt öffentlich ein. Ganz egal, wie diese ausfallen. Hauptsache, sie werden endlich getroffen. Der Vorsitzende sieht den FC Memmingen (FCM), den ranghöchsten Fußball-Klub im Allgäu, am Scheideweg stehen. Dort entscheidet sich, ob der Regionalligist weiterhin der fußballerische Leuchtturm der Region bleibt oder in ein graues Mittelmaß absinkt.

Damit sobald wie möglich klar ist, welchen Weg der FCM beschreiten wird, müssen die Verantwortlichen des Vereins unbedingt wissen, ob sie ihr geplantes Multifunktionsgebäude bauen können. Hiervon hängt laut Buchmann die weitere Entwicklung des 1907 gegründeten Traditionsvereins ab. Für die Regionalliga-Zugehörigkeit – und auch für die überregional bedeutende und anerkannte Nachwuchsarbeit.Der FCM hat bereits im April 2019 seine Planungen für den Neubau auf dem Areal des Stadions an der Bodenseestraße vorgestellt. Die Kosten für das Projekt veranschlagt der Verein jetzt nicht mehr mit rund vier Millionen Euro, sondern nur noch mit drei Millionen. Er hat nicht nur viel eingespart, sondern will auch viel selber machen.

„Wir haben unsere Hausaufgaben erledigt und den Fraktionen des Stadtrates jetzt nochmals ein 13-seitiges Konzept vorgelegt“, erklärt Buchmann im exklusiven Gespräch mit unserer Redaktion. „Was wir jetzt endlich brauchen, ist eine klare Entscheidung des Stadtrates, ob er bereit ist, diesen Weg mit uns zu gehen“, betont Buchmann. Der Multifunktionsgebäude neuer Entwurf 30054-Jährige leitet den FCM seit 2007. Laut Buchmann ist das neue Gebäude aus mehreren Gründen von allergrößter Bedeutung für die Zukunft der Rot-Weißen, um eine attraktive Adresse zu bleiben und um gestärkt aus der Corona-Krise hervorgehen zu können. Zum Beispiel: Die Pandemie zeige, wie wichtig Hygiene sei. In dem neuen Haus will der Verein dringend benötigte Sanitärbereiche unterbringen.Zudem sollen dort attraktive Angebote für Sponsoren entstehen. Nicht zuletzt werde der Neubau benötigt, um den Status des FC Memmingen als Nachwuchs-Leistungszentrum (NLZ) des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zu erhalten. Ohne das neue Multifunktionsgebäude drohe auch dem NLZ-Standort Memmingen das Aus, betont Buchmann.

Klare Entscheidungen erwartet der FCM aber nicht nur von der Kommunalpolitik, sondern auch von der Staatsregierung. Dieser wirft Buchmann „Ignoranz gegenüber dem unterklassigen Sport“ vor. Wie zahlreiche andere Vereine hängt auch die Nummer eins im Allgäuer Fußball nach wie vor in der Luft, was die Fortsetzung der Saison anbelangt. „Wir würden uns ja schon freuen, wenn man uns endlich mal klar sagen würde, wie lange noch gar nichts geht“, sagt der FCM-Vorsitzende sarkastisch. So oder so: Falls der Bayerische Fußball-Verband (BFV) eine Klage einreichen sollte, würde sich der FCM nicht daran beteiligen. Ebenfalls mit „Nein“ beantwortete der Verein in der jetzt vom BFV durchgeführten Abstimmung eine weitere Frage: Die, ob der Wettkampf-Spielbetrieb im Jahr 2020 baldmöglichst wieder aufgenommen werden und der BFV sich dafür einsetzen solle.

Obwohl der Tabellenvorletzte der Regionalliga eigentlich nur das Eine will, nämlich spielen, käme es ihm nun nicht ungelegen, wenn die Runde erst im Frühjahr fortgesetzt würde. Befindet sich das von Esad Kahric trainierte Team doch derzeit in einem großen, noch nicht abgeschlossenen Umbruch.Buchmann nimmt auch klar Stellung zu Gerüchten, zahlreiche Spieler hätten den FCM verlassen, weil der Verein in finanziellen Schwierigkeiten stecke. „Er ist kerngesund. Ich gehe davon aus, dass zum 31. Dezember alle Konten ein Plus aufweisen. Wir haben trotz erheblichen Aufwands wegen Corona keine finanziellen Sorgen“, unterstreicht Buchmann, der seit 1999 im Vorstand Verantwortung übernimmt. Sein Credo: „Sportlicher Erfolg und wirtschaftliche Vernunft müssen sich im Gleichgewicht befinden.“

Dass während der Corona-Krise so viele Spieler gegangen seien, dafür habe es zahlreiche Gründe gegeben. Das hebt auch Sportlicher Leiter Thomas Reinhardt hervor. Auch wenn er dafür fünf Euro ins Phrasenschwein stecken muss: Er begreift die derzeitige Corona-Krise als Chance für den FC Memmingen. Denn der Regionalligist will künftig regionaler werden. Vorsitzender Buchmann klopft sich hier selbstkritisch an die eigene Brust: „Wir haben uns in den vergangenen Jahren auf einem Irrweg verrannt. Der kurzfristige Erfolg war wichtiger als darauf zu achten, wie sich Spieler mit uns identifizieren und ob sie charakterlich zu uns passen.“Das werde sich ändern, versichern Reinhardt und Buchmann. Der Sportliche Leiter kündigt an: Natürlich achte er zusammen mit Coach Kahric darauf, dass es auch künftig ein „Gerüst mit drei, vier gestandenen Qualitätsspielern gebe“. In Ergänzung dazu will der FCM aber verstärkt auf Spieler aus der Region, aus der eigenen A-Jugend und der U 21 setzen – und weniger auf Akteure, die bis aus München kämen, erklärt Reinhardt. Der 51-Jährige ist das beste Beispiel dafür, dass die Maustädter künftig das M im Namen FCM wieder größer schreiben wollen: Er selber spielte bereits im Nachwuchs für die Rot-Weißen von der Bodenseestraße.

(Von Manfred Jörg - Allgäuer Zeitung vom 05.09.2020) - Foto (C) Olaf Schulze / Animation (C) Birk Bau GmbH

 

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