KICKER: Raus aus dem Fahrstuhl – sonnige Aussichten in Memmingen

Der FC Memmingen hatte sich in den vergangenen Jahren den etwas unrühmlichen Ruf als Fahrstuhlmannschaft eingehandelt. Zudem ließen vor Saisonbeginn arge Finanznöte Schlimmes befürchten. Doch all das scheint beseitigt, sogar das Flutlicht strahlt in hellster Stärke, berichtet das KICKER-Sportmagazin:

Im ersten Moment fühlte sich das 1:1 Unentschieden des FC Memmingen gegen das bisherige Schlusslicht SpVgg Hankhofen-Hailing für Trainer Matthias Günes enttäuschend an: „Wir waren gefühlt näher am Sieg“. Aber der aus dem Allgäu stammende Lothar Ostheimer ließ keinen Verdacht aufkommen, ein „Heimschiedsrichter“ zu sein. Bei zwei strittigen Elfmeter-Entscheidungen hätte er zumindest einmal auf Strafstoß entscheiden können oder eher müssen. Mit etwas Abstand überwog auch bei Günes die positive Sicht auf die Lage: Der krankheitsbedingte Ausfall von Abwehrchef David Bauer wurde kompensiert, wie auch schon in den Wochen zuvor die neuerliche Verletzung von Kapitän Lukas Rietzler, die er sich bei seinem ersten Einsatz nach langer Pause Ende Februar in Illertissen zugezogen hat.

Der FCM blieb in den fünf Begegnungen dieses Jahres ungeschlagen, wobei sowohl in Illertissen (2:2), gegen Aschaffenburg (0:0), bei Bayern München II (2:2) und jetzt gegen Hankofen jeweils mehr drin gewesen wäre. „Es ist wichtig, immer irgendwie zu punkten“, lautet die Marschroute von Günes, der sich auch damit abfinden könnte, wenn die Memminger – wie schon in der Bayernliga-Meistersaison – am Ende zum „Unentschieden-König“ gekürt würde. Elfmal wurden nun schon die Punkte mit dem Gegner geteilt.

Das Polster zur Gefahrenzone ist groß. Der Aufsteiger ist auf dem besten Weg den Klassenerhalt vorzeitig zu schaffen und den Ruf einer Fahrstuhlmannschaft abzulegen. Zuletzt folgte nämlich jeweils nach geglücktem Wiederaufstieg zweimal postwendend der Gang zurück in die Bayernliga.

So kann bereits für die nächste Regionalliga-Spielzeit geplant werden. Der bewährte, eingeschlagene Weg, mit eigenen Kräften und Talenten aus der Region im bayerischen Amateur-Spitzenfußball weiter zu bestehen, soll genauso weiterverfolgt werden. Ziel ist es, das erfolgreiche Kollektiv der ersten Mannschaft zusammenzuhalten und die bereits erfolgreiche Nachwuchsarbeit weiter zu forcieren.

Aus dem jetzt wieder vollständigen, vierköpfigen geschäftsführenden Präsidium ist der neue stellvertretende Vorsitzender Sergé Ahrens als „Sportvorstand“ darin eng eingebunden“. Ahrens war zuvor zehn lang im Vorstand beim Nachbarn FV Illertissen tätig. „Zusammen mit dem Sportlichen Leiter Esad Kahric, den ebenfalls langjährigen ehemaligen Spielern und Trainern Christian Braun und Robert Manz haben wir einen Kreis mit hoher sportlicher Kompetenz“, so der kürzlich wiedergewählte Vorsitzende Andreas Minkenberg. Eng eingebunden in Planungen werden Cheftrainer Matthias Günes und Co-Trainer Candy Decker.

Minkenberg will für die Aufgabenbereiche im Vorstand klare Zuständigkeiten und sich selbst aus dem Sportlichen eher raushalten. Seine Hauptthemen sind die Wirtschaftlichkeit und die Finanzen. Vor etwas mehr als einem Jahr hatte er der Verein als einen „Sanierungsfall“ übernommen. Im vergangenen Sommer war von einer Finanzierungslücke von einer halben Million Euro und einer Beinahe-Insolvenz die Rede. Minkenberg konnte nun berichten, dass ein stringenter Maßnahmenkatalog positiv in die Zukunft blicken lässt. Mit einer Energieleistung konnten selbst 350.000 Euro an Kosten eingespart werden, nicht nur durch Kürzungen von Bezügen. Dies hatte der 62-jährige, im beruflichen Leben lange als Sanierer unterwegs, in dieser Dimension zuvor nicht für möglich gehalten. Zwei Memminger Unternehmen standen und stehen für das aktuelle Defizit gerade – ein weiterer Hauptgrund, dass es überhaupt weitergehen konnte.

Für die nächsten Geschäftsjahre wird laut Schatzmeister Kramer eine „schwarze Null“ angepeilt. Für die Zukunft wurde ein elementarer Beschluss getroffen. Die oberen Geschosse des Multifunktionsgebäudes e-con ArenaParks werden ab Sommer langfristig verpachtet. Hier kommen Ahrens und ein Geschäftspartner ins Spiel. Durch die Pacht wird die Tilgung für das Millionen-Projekt abgesichert. Der Verein kann Panorama- und Sky-Lounge auch weiter als VIP-Bereich für seine Heimspiele nutzen, das Untergeschoss mit Kabinen und Funktionsräumen weiter uneingeschränkt. Die Infrastruktur passt in Memmingen – auch mit dem vom Verband geforderten Flutlicht. So hat eine aufwändige Messung ergeben, dass die 2007 gebaute Anlage weiterhin die durchschnittliche Mindeststärke von 400 Lux erreicht.

KICKER-Sportmagazin vom 24.03.26 – Foto (C) Olaf Schulze

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