Geplante Regionalliga-Reform: „Strukturen werden aufgebläht“

Aus fünf Staffeln sollen vier werden: Der DFB will die höchste Fußball-Amateurklasse überarbeiten. Was die Verantwortlichen des FC Memmingen davon halten, berichtet Erik Perrey in der Allgäuer Zeitung:

Die Fußball-Regionalliga mit dem FC Memmingen steht vor einschneidenden Veränderungen: Aus fünf viertklassigen Staffeln sollen vier werden, denn jeder Meister soll künftig in die dritte Liga aufsteigen können. Für den FCM-Vorsitzenden Andreas Minkenberg ist unabhängig davon, nach welchem Modell die vier neuen Ligen gebildet werden, klar: In der Qualifikationssaison für die neue Regionalliga werden sich die ambitionierten Vereine „massiv aufblähen – so weit sie können.“

Angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage in Deutschland, die auch die Fußball-Sponsoren betrifft, mache er sich schon Gedanken über die Gehaltsstrukturen. Eine Qualifikation für das neue Ligasystem könnte Medienberichten zufolge im Sommer 2027 starten. Minkenberg sagt, noch sei alles „Kristallkugelschrauberei“. Der FCM stelle sich in jedem Fall so auf, dass er in der oberen Hälfte der Regionalliga Bayern mitspielen kann.

Am Mittwoch diskutierte die Arbeitsgruppe „Regionalliga-Reform“, nach welchem Modell die neuen Ligen zusammengestellt werden. Nach der vom DFB organisierten Sitzung verkündete die AG zwei Vorschläge, über die die Vereine nun abstimmen sollen. Die erste Idee für die Zukunft der Regionalligen ist das sogenannte Kompass-Modell. Dabei sollen aus aktuell 90 Viertligisten 80 werden. Die Vereine sollen so eingeteilt werden, dass sie möglichst kurze Anreisen haben. Der zweite Vorschlag ist das Regionen-Modell: Die Regionalligen Südwest und West würden bestehen bleiben. Aus den Regionalligen Bayern, Nord und Nordost sollen zwei Staffeln werden, wobei die Regionalliga Nordost gesplittet wird.

Serge Ahrens (im Bild), seit Februar zweiter Vorsitzender und Sportvorstand des FCM und davor zehn Jahre lang im Vorstand des Regionalliga-Konkurrenten FV Illertissen, sagt: „Das Kompass-Modell ist die sinnvollste Lösung.“ Er sieht den Reformbedarf und sagt: „Platz eins muss aufsteigen.“ Allerdings müsse das neue System für die Vereine finanziell stemmbar sein.

Aus FCM-Sicht kommt nur das Kompass-Duell in Frage, wofür er auch stimmen wird. Denn lange Auswärtsfahrten zu Gegnern aus der ehemaligen Regionalliga Nordost, nach Sachsen etwa, bedeuten gleich mal 100.000 bis 200.000 Euro zusätzliche Kosten. Dazu kämen im Regionen-Modell eventuell auch Übernachtungen. Und klar ist laut Ahrens: Die FCM-Spieler arbeiten nebenzu, der Klub kann sie nicht zu Profis machen.

Von Erik Perrey – Allgäuer Zeitung vom 27.03.26 – Foto (C) Siegfried Rebhan

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