Pläne für Regionalliga-Form greifen für den FC Memmingen zu kurz

„Meister müssen aufsteigen“. Mit dieser Forderung sind sich fast alle einig, doch wie die Fußball-Regionalligen in Deutschland reformiert werden sollen, darüber wird weiter gerungen und gestritten. Zumindest kommt jetzt Bewegung in die Diskussion, denn DFB-Präsident Bernd Neuendorf hat das Thema zur Chefsache erklärt und für 18. Dezember einen Verbandstag anberaumt, auf dem final über die Reform der vierten Spielklasse und somit über Auf- und Abstieg der 3. Liga entschieden werden soll.

Bisher bleibt einer der bundesweit fünf Regionalliga-Meister in jedem Jahr auf der Strecke. Die Tabellenersten der Staffeln Südwest und West stellen je einen festen Aufsteiger. Aus den Staffeln Bayern, Nord und Nordost steigt abwechselnd nur eine Mannschaft fix auf, die beiden anderen spielen den verbleibenden Aufstiegsplatz in einer Relegation aus, was als ungerecht empfunden wird.

Neuendorfs Vorschlag folgt nun einem der Entwürfe einer eingesetzten Arbeitsgruppe, der aber zunächst keine Mehrheit fand: Vier Regionalliga-Staffeln mit je 20 Teams nach dem „Kompass-Modell“, was bedeutet, dass Bundesländergrenzen überschritten werden, jedes Jahr nach Entfernungsgesichtspunkten neu eingeteilt wird und Bayern seine eigene Regionalliga verliert. Die Organisation soll unter Federführung des Deutschen Fußballbundes stattfinden und nicht mehr in der Regie der Regional- und Landesverbände. Der Start ist für die Saison 2028/29 geplant, die nächste Spielzeit wäre somit das Qualifikationsjahr.

Für den FC Memmingen würde es – die eigene Qualifikation vorausgesetzt – bedeuten, dass in der Südgruppe (Gebiet Bayern und südliches Baden-Württemberg) Spiele gegen Clubs, wie Aalen, Freiburg II, Heilbronn, Ulm oder die Stuttgarter Kickers dazukommen könnten. Von den Fahrstrecken her würde das zum Beispiel bei Wegfall der nordbayerischen „Grenzgänger“ in die Ost-Staffel, wie Aubstadt, Bayreuth oder Schweinfurt nicht viel Unterschied machen.

FCM-Sportvorstand Serge Ahrens ist sicher, dass eine Reform kommt, sieht aber kritisch, dass in der ganzen Diskussion der Unterbau im Amateurbereich und die Zukunft der kleinen Vereine bisher so gut keine Rolle spielt. Selbst seinen FC Memmingen sieht er auch als „kleinen Verein“, der gegenüber manch anderen Konkurrenten in Sachen Infrastruktur dennoch einen Vorsprung hat. Wenn der Spielbetrieb unter dem DFB-Dach laufen soll, ist fraglich, ob die Stadien in Buchbach, Eichstätt, Eltersdorf, Vilzing und auch Illertissen die sicher höher geschraubten Anforderungen überhaupt erfüllen könnten. Und auch sportlich befürchtet Ahrens weitaus größere Herausforderungen als bisher, denn es stoßen ambitionierte Klubs mit Profistrukturen und größeren Etats im Süden dazu, was den finanziellen Druck auch auf alle anderen erhöhen dürfte. Von DFB-Seite wird das als „Steigerung des Leistungsniveaus und der Entwicklungsfähigkeiten“ bezeichnet.

Für den Verbands-Vorschlag ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit erforderlich. Widerstand regt sich nach wie vor in Bayern und im Südwesten, die zusammen allein ein Drittel aller deutschen Klubs und Mannschaften ausmachen. Der Gedanke hier: Die fünf Regionalliga-Staffen sollen bleiben, die 3. Liga wird von 20 auf 22 Mannschaften aufgestockt – fünf steigen ab und damit alle Regionalliga-Meister auf. Vor allem aus dem Profibereich wird das strikt abgelehnt. Allerdings würde für diesen Vorschlag eine einfache Mehrheit der Delegiertenstimmen reichen. Es könnte noch mehr Spannung als ohnehin schon bei diesem Thema herrscht, in der Luft liegen …

(Im Bild DFB-Präsident Bernd Neuendorf beim FCM-Netzwerkabend 2024 im e-con ArenaPark mit BFV-Präsident Christoph Kern im Hintergrund)

.

Fotos (C) Paul Meckes

WEITERE ARTIKEL