
Aufsteiger FC Memmingen hat ausgezeichnete Chancen, auch kommende Saison in der Regionalliga Bayern zu spielen. Während die Verletzten allmählich zurückkehren, treiben die Allgäuer auch die Entwicklung abseits des Rasens voran, berichtet das KICKER-Sportmagazin:
Ein halbes Jahr lag Lukas Rietzler auf Eis. Zwangspause nach einer schweren Verletzung nach einem harten Einstieg von Samuel Essende im Sommer-Freundschaftsspiel gegen den Bundesligisten FC Augsburg. Der Ausfall des Memminger Kapitäns mit einer Teilruptur des Kreuzbandes unmittelbar vor dem Regionalliga-Start war mehr als ein Schreckmoment und ein Dämpfer in der Aufstiegseuphorie, denn der 28-jährige war das Herzstück und der Kopf der Aufstiegsmannschaft.
Ohne den „Capitano“ lief es in der Regionalliga-Vorrunde aber überraschend gut. „Für Außenstehende vielleicht überraschend, weil viele erst gar nicht mit dem Aufstieg nicht gerechnet hatten. Im Vergleich mit der Situation vor einem Jahr, hat sich viel getan, was die Entwicklung der jungen Spieler angeht, das ist eine Riesenwelt Unterschied“, blieb Rietzler trotz seiner Verletzung immer ganz nah dran an der Mannschaft. Er gehörte auch zu den treibenden Kräften, den Laden zusammenzuhalten, als kurz vor dem Start wegen der finanziellen Probleme ein Sparkurs mit Kürzungen der Bezüge verkündet wurde: „Es war im Sommer für keinen von uns ein Thema, dass er wechselt, weil es weniger gibt, was sehr für den Charakter der Mannschaft spricht“.
Jetzt will der Mittelfeldmotor selbst wieder voll angreifen, „Kopf und Knie sind o.k. Ich habe wieder richtig Spaß, dabei zu sein“. In den Vorbereitungsspielen hat er sofort wieder die Führungsrolle übernommen. Wenn es auch gegen unterklassige Gegner ging, ist es doch bemerkenswert, dass in den Winter-Tests noch kein Gegentreffer hingenommen werden musste. Und vorne kommt die Maschinerie wie zuletzt beim 7:0 gegen den Bayernligisten FC Gundelfingen immer besser in Schwung.
Mit Flügelflitzer Nico Nollenberger (SV Sandhausen) gab es einen einschneidenden Abgang. Dass der 21-jährige über Memmingen sich seinen Profi-Traum erfüllen konnte, freut Rietzler für „Nolle“ ganz besonders. Trotz des Nollenberger-Verlusts sieht er den FCM vielleicht sogar noch stärker als in der Vorrunde. Was nicht nur daran liegt, dass sich die drei Winter-Neuzugänge Kevin Haug (TSV Kottern), Constantin Kresin (FC Augsburg II) und Rufus Roth (Palm Beach Atlantic Sailfish/USA) schnell eingefügt haben, sondern auch an der Rückkehr der Verletzten – allen voran natürlich von ihm selbst: „Wenn alle fit bleiben haben wir einen Tick mehr Tiefe und mehr Konkurrenzkampf im Kader“.
FCM-Trainer Matthias Günes, jetzt genau zwei Jahre für die erste Mannschaft verantwortlich und noch mit Vertrag bis Juni 2027, steht für die nachhaltige Entwicklung. Auch wenn er etwas genervt ist, dass die gesamte Vorbereitung auf Kunstrasen absolviert werden musste, weil aufgrund der Witterung auf Naturrasen noch nicht zu denken ist, lobt die gute Stimmung in der Mannschaft: „Die Jungs halten die Intensität hoch. Inhaltlich und personell sind wir gut durchgekommen“. Lediglich Michael Bergmann muss noch einige Zeit passen. Mit David Remiger und Kim Paschek werden demnächst die beiden letzten Rekonvaleszenten im Mannschaftstraining zurückerwartet. Maximilian Dolinski muss in den beiden ersten Spielen im Frühjahr wegen seiner Rotsperre noch passen.
Es ist eine einfache Rechnung: 15 Spiele sind es noch, 15 Punkte daraus bedeuten mutmaßlich den Klassenerhalt. Doch Rietzler will ein bisschen mehr: „Wir können eigentlich befreit und ohne Druck aufspielen. Wenn wir noch was drauflegen können, wäre ich mit einem einstelligen Tabellenplatz echt zufrieden. Über Platz sieben oder acht würde auch keiner meckern“.
Und was kommt danach? „Was im Sommer passiert, wird der Verein schon kommunizieren. Wir haben jetzt erst mal Bock, dass es wieder losgeht“, will sich der Kapitän erst einmal auf die nähere Zukunft konzentrieren. Es wird aber schon vor dem Wieder-Auftakt belastbare Informationen geben, wie es beim Allgäuer Traditionsclub weitergeht. Vor der Mitgliederversammlung am 26. Februar gibt es vom Vorsitzenden Andreas Minkenberg sehr positive Signale. Es zeichne sich eine gute Lösung für das Multifunktionsgebäude e-con ArenaPark, sprich mit der Finanzierung des Millionenprojekts ab.
Auch der vierköpfige geschäftsführende Vorstand soll wieder vervollständigt werden. Sanierer Minkenberg, seit einem Jahr im Amt, will weitermachen wie auch der langjährige Schatzmeister Markus Kramer. Mit Serge Ahrens wurde ein langjähriger Funktionär des FV Illertissen nach Memmingen gelotst. Er soll innerhalb des Präsidiums den neu geschaffenen Posten des Sportvorstands übernehmen. Neu ins Führungsquartett soll auch Harald Rehklau gewählt werden. Der langjährige Athletik-Coach und Realschuldirektor soll vordergründig Aufgaben der Öffentlichkeitsarbeit und im Zusammenspiel mit Schulen, Nachbarvereinen und dem Verband übernehmen.
.
KICKER-Sportmagazin vom 16.02.2026 – Fotos (C) Siegfried Rebhan