
Der FC Memmingen holt nach einem 2:1-Sieg beim FC Bayern München II den vierten Sieg in der Regionalliga Bayern und bleibt damit Spitzenreiter. Nach einer willensstarken Leistung lässt es die Günes-Truppe in der Kabine krachen, berichtet Freddy Schissler in der Allgäuer Zeitung:
Am Ende, so kurz nach halb neun Uhr am Dienstagabend, ging sie los, die Memminger „Malle“-Party. Jedenfalls hatte man in den Katakomben des ehrwürdigen Grünwalder Stadions zu München das Gefühl, auf einer spanischen Mittelmeerinsel zu sein, und eben genau dort, wo die Feierwütigen auf Deutschlands Lieblingseiland Mallorca für gewöhnlich den Tag ausklingen lassen. Die Partyklänge schallten aus der Kabine des FC Memmingen, ausgewählt von den Spielern Jakob Gräser und David Remiger. 2:1 (2:0)-Sieg beim FC Bayern München II, vierter Sieg im fünften Spiel, Tabellenführer der Regionalliga Bayern: Drei gute Gründe, das Momentum des Fußballglücks auszukosten.
Mehr als ein Momentum sei es allerdings nicht. Das jedenfalls beteuerten alle Beteiligten, die nach einer willensstarken Leistung in München um ein Statement gebeten wurden. „Es ist geil, hier zu gewinnen“, formulierte es Abwehrspieler Timo Schmidt strahlend, um sogleich einzuordnen: „Wir wissen zwar, was wir können, bleiben aber auf dem Boden.“ Was Trainer Matthias Günes und auch Sportlicher Leiter Esad Kahric ähnlich sehen. Ein sehr guter Saisonstart sei dies – nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.
Realistisch bleiben und ja nicht nach nur fünf Spieltagen einen auf dicke Hose machen: So lässt sich wohl am besten auf den Punkt bringen, wie Spieler, Trainer und Verantwortliche des FCM die momentane Tabellenführung beurteilen. Und doch zeigte sich auf Giesings Höhen, an dem die Gäste in Abschnitt eins nach einem Doppelschlag durch Maximilian Dolinski (15. Minute) und Constantin Kresin (17.) mit einem 2:0-Vorsprung in die Pause gingen, dass die Günes-Truppe heuer in mehrfacher Hinsicht auf dem Platz zu punkten vermag.
Enorme Willenskraft, hinzu kommen gute technische Momente, gerade im Spiel aus der Abwehr heraus, Selbstvertrauen sowie Zweikampfstärke und Kompetenz im Kopfballspiel. Letzteres war laut FCM-Coach Günes mit ein Garant für den Dreier: „Wir haben gerade in der Druckphase der Bayern zum Ende hin einiges hinten rausgehauen.“ Was er meinte: Max Zeller, Timo Schmidt, Lukas Rietzler, aber auch schon zuvor Gräser oder Kim Paschek (verletzte sich in der ersten Halbzeit schwerer) – sie alle zeigten sich robust im Zweikampf gegen die teilweise sehr jungen Bayern-Spieler, die Trainer Costa Santos Dante recht zahlreich vor allem in der zweiten Halbzeit auf das Feld schickte. Dafür mussten unter anderem Routinier und Kapitän Benni Schmitz runter.
Und es gab noch ein Kriterium für den Erfolg im Grünwalder Stadion: Den Hausherren gelang nach der Pause früh der Anschlusstreffer durch Allen Junior Lambe. Memminger Nervosität danach? „Nein“, versicherte Torschütze Dolinski hinterher. „Natürlich war das ein ungünstiger Zeitpunkt. Aber wir sind danach ruhig geblieben und haben auch unsere Torchancen gehabt.“ Stimmt. Die „kleinen“ Bayern, beobachtet von FCB-Profitrainer Vincent Kompany sowie Ex-Stuttgart-Manager Dieter Hoeneß, hatten zwar auch ihre Möglichkeiten. Aber die Allgäuer verbarrikadierten sich mitnichten rund um den Strafraum. Im Gegenteil. Dolinski hatte nach 55 Minuten eine weitere gute Chance, wurde jedoch letztlich abgeblockt. Nach einer Viertelstunde hingegen war kein Bayern-Akteur dagewesen zum Abblocken seiner Direktabnahme aus rund 20 Metern, die durchaus das Zeug hat zum Tor des Monats. „Normalerweise gehen meine Schüsse drüber. Der aber hat heute gesessen“, stellte er strahlend fest.
Vielleicht sogar ein Treffer mit Symbolcharakter? Die Gäste mussten sich auch in technischer Hinsicht vor den Talenten des Rekordmeisters nicht verstecken. Was Trainer Günes, seit vielen Jahren Bayern-Mitglied, der dem früheren FCB-Innenverteidiger Dante (von 2012 bis 2015 beim Rekordmeister unter Vertrag) zujubelte, mit einem rundum zufriedenen Lächeln bestätigte. Im Grünwalder Stadion galt sein Jubel allein seinen Jungs.
Von Freddy Schissler – Allgäuer Zeitung vom 27.08.26 – Fotos (C) Hannah Brenner