
Andreas Minkenberg ist seit einem Jahr Vorsitzender des Fußball-Regionalligisten FC Memmingen. Bei der Mitgliederversammlung am 26. Februar kandidiert er erneut. Zuvor nahm er in einem Interview mit der Memminger Zeitung ausführlich Stellung.
„Über die Jahre hinweg war mein Berufsleben dadurch geprägt, dass ich entweder etwas Neues aufbauen oder etwas Älteres, das in Schwierigkeiten steckt, sanieren und für die Zukunft fit machen durfte. So kam ich nach Memmingen und letztlich auch zum FC Memmingen“, sagt Andreas Minkenberg, der seit Februar 2025 Vorsitzender des FC Memmingen ist. Minkenberg ist nach eigenen Angaben wichtig, „etwas von dem Glück, dass ich im Leben hatte und habe, an mein Umfeld zurückgeben. Nicht jeder hat das gleiche Glück auf seinem Weg. Vielleicht kann ich durch mein Tun anderen helfen. Insbesondere benötigen wir eine Jugend, die sich interessiert, die weiß, was es heißt, zu gewinnen und zu verlieren, und die mit Respekt und zielbewusst ihren Weg geht.“ Deswegen sei er zum FCM gekommen.
Vor der richtungsweisenden Mitgliederversammlung des FC Memmingen am 26. Februar (ab 19.30 Uhr im e-con ArenaPark) hat sich unsere Redaktion ausführlich mit Minkenberg ausgetauscht.
Herr Minkenberg, die wichtigste Frage zuerst: Sie wurden im Februar 2025 als Nachfolger von Armin Buchmann zum neuen Vorsitzenden des FC Memmingen gewählt. Werden Sie bei der Hauptversammlung am 26. wieder als FCM-Vorsitzender kandidieren?
Andreas Minkenberg: Ja, auf jeden Fall. Armin Buchmann ( Minkenbergs langjähriger Vorgänger, Anm. d. Red.) hat damals aus verständlichen Gründen nicht mehr kandidiert. Der damalige Zweite Vorsitzende, Kai-Uwe Marten, trat dann auch nicht mehr an. Somit stand der Verein vor einem Personalproblem und zudem noch in einer finanziellen Schieflage. Es stellte sich jedoch erst nach der Wahl heraus, dass diese Schieflage die Existenz des Vereins ernsthaft gefährdete.
Die Saison 2025/26 war nicht sicher. Bis Juni wurde allen Beteiligten klar, dass wir für eine nachhaltige Sanierung und Neuaufstellung des FC Memmingen mehr Zeit als nur eine Saison benötigen. Somit ist allein dies schon Grund genug, für ein weiteres Jahr anzutreten. Hinzu kommt, dass Markus Kramer und ich mit Harald Rehklau und Serge Ahrens zwei weitere Bewerber für das Präsidium gewinnen konnten. Auf die Zusammenarbeit mit diesem Team freue ich mich. Die Tätigkeit als Präsident ist schon lange nicht mehr nur eine Aufgabe. Es wurde schnell zu etwas Besonderem, das sehr viel positiven Einfluss auf mich genommen hat. Meine Kandidatur beim CRB (Minkenberg kandidiert für den Memminger Stadtrat, Anm. d. Red.) und damit verbunden mein Wunsch, mich für die Vereine in Memmingen zu engagieren, hat sich auch durch meine Tätigkeit beim FCM erst richtig entwickelt.
Welche Bilanz ziehen Sie nach ihrem ersten Jahr im Amt?
Minkenberg: Nun, der FC Memmingen ist im sportlichen Bereich sehr professionell aufgestellt. Die Erfolge der einzelnen Mannschaften sprechen für sich und passen zu den Ambitionen des Vereins. Ich habe aber auch eine Organisation kennengelernt, die intern nicht sehr effektiv kommuniziert hatte, in der die Außenwirkung deutliche Verbesserungspotenziale aufwies und im Verhältnis zu den Nachbarvereinen bei null stand. Aber wir haben versucht, an all’ diesen Stellschrauben zu drehen, und sehen bereits deutliche Fortschritte. Unser Verhältnis zu den Nachbarn – ECDC, TV und TC Memmingen als Beispiele – ist sehr viel offener und freundschaftlicher als zuvor. Wir haben hier das Gespräch gesucht. Und heute treffen wir uns in loser Folge, suchen gemeinsam nach Wegen, um den Sport in Memmingen noch attraktiver zu machen und wie wir uns gegenseitig dabei helfen können, unsere ehrenamtlichen Aufgaben im Verein besser zu bewältigen. Intern stimmen wir die Ausbildung in der Jugend deutlich besser mit den Bedürfnissen der oberen Altersklassen und der Herrenmannschaft ab.
Wir versuchen im April und Mai mit zwei Konzerten, vor und nach einem Spiel, die Memminger in unser Stadion zu locken. Am 21. März findet vor einem Regionalliga-Spiel ab 11.30 Uhr bei uns im e-con ArenaPark eine Ausbildungsmesse statt. Wir haben diese mit und für unsere Partner organisiert und wollen auch so zeigen, was der Sport für Industrie und Handel, aber auch für die Stadt tun kann. Unser Fokus auf Spieler aus dem gesamten Allgäu hat sich als richtig herausgestellt und sicher auch zur guten Stimmung in den Teams beigetragen.
Bei der außerordentlichen Hauptversammlung im Juli 2025 sprachen Sie davon, dass der FCM unmittelbar vor der Insolvenz stand. Wie ist die aktuelle finanzielle Lage des Vereins?
Minkenberg Wir konnten durch viele interne Maßnahmen, wie zum Beispiel die Reduzierung der Lohnkosten, eine Neuorganisation bei Veranstaltungen und einige Maßnahmen rund um den e-con ArenaPark, circa drei Viertel des Defizits auflösen. Für den verbleibenden Teil sehen wir eine realistische Chance, bis zur Mitgliederversammlung eine nachhaltige Lösung zu finden. In dieser Saison sind die Ausgaben und Einnahmen voll im Plan, und wir planen für die kommende Saison einen ausgeglichenen Haushalt.
Welche Maßnahmen hat der Vorstand in den vergangenen Monaten ergriffen, um die Finanzen langfristig zu stabilisieren beziehungsweise zu verbessern? Gibt es zum Beispiel neue Sponsoren?
Minkenberg: Ja. Wir freuen uns, mit der Firma Brefa Bauunternehmungs GmbH, der Firma A&G Dienstleistungen GbR und der Firma Höger GbR drei neue und bedeutende Partner für unseren FC gefunden zu haben. Daneben haben wir weiter an der Ausgabenseite gearbeitet und alle Budgets hinterfragt und optimiert.
Bei der Mitgliederversammlung Ende Februar soll es nun zu Veränderungen im FCM-Vorstand kommen. Ihr bisheriger Stellvertreter Thomas Reichart will aufhören, Harald Rehklau hingegen soll künftig neue Aufgaben übernehmen. Hinzu kommt Serge Ahrens aus Illertissen, der Sportvorsitzender beim FCM werden soll. Was dürfen sich FCM-Mitglieder und -Fans davon erhoffen?
Minkenberg: unächst gilt unser Dank dem Thomas Reichart. Er hat über sehr, sehr viele Jahre den Verein in verantwortungsvoller Funktion mitgeprägt. Er wird uns schon erhalten bleiben, aber mal eine Reihe nach hinten treten. Mit Harald Rehklau steht ein sehr erfahrener FCM’ler zur Wahl. Er würde sich um die Themen Öffentlichkeitsarbeit, Schulen und Kindergärten, aber auch um die Verbände und Spieltagsplanung kümmern. Wir wollen ein gutes Verhältnis mit den Fußballvereinen in der weiteren Nachbarschaft haben. Auch hier würde sich Harald engagieren. So wie in dieser Saison, wo wir schon 30 Meister-Teams zu uns zu einem Regionalliga-Spiel eingeladen haben.
Mit Serge Ahrens käme weitere sportliche und organisatorische Kompetenz zum Team. Er bringt viele Jahre Erfahrung, sowohl im Sport als auch im Business, aus der Arbeit in Illertissen und aus seinem eigenen Unternehmen mit. Es war von Anfang an mein Wunsch, dass es im Präsidium eine klare Aufteilung der Kompetenzen und Verantwortungen gibt. Wenn man die wirtschaftliche und die sportliche Verantwortung in eine Hand gibt, dann kommt es zwangsläufig zu Interessenskonflikten.
Mit Serge und Harald würde der Verein, würden die Teams kompetente Ansprechpartner und Champions im Präsidium finden. Und Markus und ich könnten uns weiter auf die finanziellen Themen konzentrieren.
Wie entwickelt sich eigentlich der e-con ArenaPark? Welche Pläne hat der FCM damit?
Minkenberg: Wir hoffen, bei der Mitgliederversammlung die Lösung für dieses Thema präsentieren zu können. Wir stehen in finalen Verhandlungen mit Partnern und können daher jetzt noch nicht mehr dazu sagen.
Sind Sie mit der bisherigen Auslastung des Gebäudes zufrieden?
Minkenberg: Die Auslastung könnte sicher besser sein. Dies liegt aber nicht am Gebäude, sondern daran, dass der Verein nicht die Ressourcen hat, um an fünf bis sieben Tagen in der Woche eine Veranstaltung zu unterstützen oder zu organisieren. Wir sind ein Fußballverein und keine Eventagentur. Diese Tätigkeiten an eine Agentur zu vergeben, ist aber finanziell ein Verlustgeschäft für den Verein. Daher arbeiten wir intensiv an einer anderen Lösung, die wir hoffentlich in Kürze bekanntmachen dürfen.
Kommen wir zum Sportlichen: Was sagen Sie zu dem, was das Regionalliga-Team vor der Winterpause geboten hat?
Minkenberg: Ich denke, damit dürfen wir als Verein mehr als nur zufrieden sein. Wer hätte denn im Juni darauf gewettet, dass wir so eine Hinrunde spielen würden? Die Mannschaft hat durchgehend ein geschlossenes Bild abgegeben, kämpferisch überzeugt, den Besuchern sehr viel Freude bereitet und sich dabei mit 25 Punkten belohnt. Zum Ende der Hinrunde hatten wir dann leider mit einigen Personalproblemen zu kämpfen. Wir sind mit Grund optimistisch und überzeugt, dass wir in den restlichen 15 Spielen unser Ziel erreichen und den Klassenerhalt fix machen.
Was erwarten Sie sich von den Winter-Neuzugängen für die Regionalliga-Mannschaft?
Minkenberg: Alle Spieler passen super in das Profil unserer Mannschaft. Mit Bareis, Leyla, Yel und Nollenberger haben uns vier Spieler verlassen. Diese galt es zu ersetzen. Kevin Haug ist Memminger und aus unserem Nachwuchs. Er kehrt nach einigen Jahren wieder zurück. Rufus Roth und Constantin Kresin sind beide sehr junge und ambitionierte Spieler aus unserer Gegend. Auch sportlich sind wir absolut überzeugt von beiden. Mit Simon Möst und Luan Fusaro wurden zwei Spieler aus der U19 fest in den Kader der Ersten Mannschaft übernommen. Es geht bei uns darum, auch gleich wieder die nächsten Spieler heranzuführen. Auch hier zeigt sich wieder unser Fokus auf Allgäuer Spieler und das Wachstum des FCM aus dem Verein heraus.
Wo wird die Regionalliga-Mannschaft am Saisonende stehen?
Minkenberg: Das wäre ein Blick in die Glaskugel. Aber wir hoffen und sind auch überzeugt davon, dass wir auf einem Platz stehen, der berechtigt, auch in der Saison 2026/2027 in der Regionalliga Bayern zu spielen. Unser Ziel im ersten Jahr nach dem Aufstieg ist es, stabil im Mittelfeld der Tabelle zu stehen und unsere Mannschaften weiter auszubilden.
Besonders erfreulich dürfte für den Verein sein, dass die U17 des FCM jetzt in der DFB-Nachwuchsliga, der früheren Junioren-Bundesliga, antritt. Was sagen Sie als Vorsitzender dazu?
Minkenberg: Was diese U17 im Jahr 2025 geschafft hat, ist außergewöhnlich. Erst Deutscher Futsal-Meister und dann, in der neuen Saison, der Aufstieg. Trainer Mahmut Kabak und seinem Team gebührt allergrößter Respekt.
Beim Spiel gegen die SpVgg Ansbach im Oktober kam es angeblich aus den Reihen der Memminger Zuschauer zu rassistischen Äußerungen gegenüber einem Ansbacher Spieler. Sie sagten damals: „Rassismus hat in Memmingen und in unserem Verein keinen Platz, und wir werden tun, was in unseren Möglichkeiten steht, den Schuldigen zu ermitteln.“ Ist Ihnen das gelungen? Und falls ja: Was waren die Konsequenzen?
Minkenberg: Was wir tun konnten, haben wir getan. Unsere Freunde aus Ansbach haben damals eine Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Was daraus geworden ist, wissen wir leider nicht. Wichtiger ist mir aber festzuhalten, dass wir uns wünschen, dass solches Verhalten sofort bei uns gemeldet wird. Im Nachhinein zu ermitteln, ist in solchen Fällen sehr schwierig und oft nicht erfolgreich. Wir hoffen darauf, dass unsere Zuschauer uns sofort informieren, wenn sie Gewalt und/oder rassistische Vorfälle sehen und/oder hören. Wir haben auch unser Personal nochmals dahingehend sensibilisiert. Noch mal: Für Diskriminierung und Gewalt jeglicher Art ist kein Platz beim FC Memmingen. Wer das braucht, soll draußen bleiben!
Was wünschen Sie sich und dem FCM im kommenden Jahr?
Minkenberg: Mir persönlich wünsche ich, dass wir am 8. März bei der Kommunalwahl eine hohe Wahlbeteiligung sehen und dass wir einen starken, entscheidungsfreudigen und kompetenten Stadtrat bekommen, der sich für unsere lokale Wirtschaft und die Interessen der Bürger Memmingens einsetzt und nicht von irgendwelchen Ideologien getrieben wird. Dem FC Memmingen wünsche ich ein verletzungsfreies Jahr mit stärker werdenden Teams und wachsenden Zuschauerzahlen. Ich wünsche mir auch, mit dem neuen Präsidium durchstarten und den Verein für die nächsten Jahre fit machen zu können.
Interview von Manfred Jörg – Memminger Zeitung vom 25.02.26 – Fotos (C) Paul Meckes, Siegfried Rebhan