Der Euphorie folgt die Ernüchterung

Fußball-Regionalligist FC Memmingen kassiert vor 5000 Besuchern gegen 1860 München eine 0:3-Klatsche. Der Unterschied: Die Löwen nutzen ihre Torchancen, die Gastgeber nicht, berichtet die Allgäuer Zeitung:

Hohe Erwartung, tiefe Enttäuschung: Fußball ist nicht nur ein Sport der Emotionen und Faszination, sondern auch der Gegensätze. Trainer, Spieler und Fans des FC Memmingen sind vor allem um diese Erkenntnis nach dem Spiel gegen 1860 München reicher. Als Tabellenführer der Regionalliga Bayern vor 5000 Zuschauern mit breiter Brust angetreten, schlichen die Spieler um Kapitän Lukas Rietzler am Ende mit hängenden Köpfen vom Platz. 3:0 (1:0) setzte sich der Zwangsabsteiger aus der 3. Liga in der ausverkauften Arena durch.

Was auf der Anzeigentafel als Ergebnis von über 90 intensiven Minuten aufleuchtete, klingt zunächst nach Klatsche oder, wenn man es drastisch formulieren will, beinahe nach Klassenunterschied. War es zwar ganz und gar nicht von zwei Teams mit ähnlicher Spielanlage, dennoch wollte einer wie Lukas Rietzler hinterher nichts schön reden. „Wir haben anfangs nicht ins Spiel gefunden“, wunderte er sich, „vielleicht war da zu viel Respekt.“ Einerseits vor dem Gegner, andererseits vor ungewohnter Kulisse, laut zumal, weil die Löwen-Fans hinterm Tor das Kunststück fertig brachten, von Minute eins bis zum Schluss durchzusingen. Rietzler: „Die Sechziger nutzen ihre Chancen aus, wir nicht.“

Womit er beim gravierenden Unterschied dieses Abends gewesen war. Die Münchner Löwen erarbeiteten sich mit den Routiniers Dennis Dressel, Florian Niederlechner oder Raphael Wach vier bis fünf sehr gute Tormöglichkeiten – und trafen dreimal. Die Hausherren, die nach der ersten Trinkpause aus der anfänglichen Lethargie aufwachten, kamen auf eine ähnliche Chancenquote – und trafen kein einziges Mal.

Beim Spiel der anfangs erwähnten Gegensätze im Fußball übernahm Luis Pfaumann die Hauptrolle. Der agile FCM-Stürmer setzte sich mehrmals gut durch gegen die Löwen-Abwehr, scheiterte aber letztlich. Was der gebürtige Memminger und Ex-Löwenspieler Timo Gebhart zur Pause als Zuschauer so kommentierte: „Die Gastgeber machen einen starken Eindruck. Wenn Pfaumann technisch bisschen besser wäre, hätte er schon zwei Tore erzielt.“

Die dickste Chance gab es für den Neuzugang aus Illertissen nach 54 Minuten: Beherzt setzte er sich gegen Julian Bell durch und verfehlte das Ziel um Zentimeter. Nur wenige Minuten danach die Vorentscheidung: Löwen-Kapitän Dennis Dressel mit Zuckerpass auf Lance Fiedler, der eiskalt vollendete. „Der Unterschied heute“, analysierte auch Trainer Matthias Günes. „Die Sechzger haben drei Momente mit Qualität und entscheiden so diese Partie.“ Eine Qualität, die den Allgäuern in diesem Spiel fehlte.

Der Memminger Coach war bedient nach dem Abpfiff von Schiedsrichter Markus Huber, der Blick grimmig, die Körpersprache jene eines arg Enttäuschten. Weshalb er gar nicht erst gute Miene zum verpatzten Topspiel der Saison machen wollte. Wer ihn kenne wisse, dass er immer gewinnen wolle. Ja, er sei sogar richtig sauer: „Ich kann keine Niederlagen akzeptieren.“ Weswegen die kommenden Tage im Training weiterhin konzentriert und intensiv gearbeitet und Fehler abgestellt werden müssten. „In den ersten drei Spielen haben wir vieles sehr gut gemacht“, so Günes, „im Spiel gegen die Löwen nicht.“ Oder wie FCM-Abwehrchef Max Zeller kurz und schmerzlos bekannte: „Wir waren nicht gleichwertig. Die Münchner waren besser.“ Siehe Endergebnis.

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Von Freddy Schissler – Allgäuer Zeitung vom 17.08.26 – Fotos (C) Siegfried Rebhan

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