Die Nachfrage war groß, seit einer Woche ist das Regionalliga-Heimspiel des FC Memmingen gegen den TSV 1860 München restlos ausverkauft. Es hätten sicher noch einige mehr als die 5.000 verfügbaren Karten verkauft werden können. Schwer zu sagen wie viele, aber FCM-Vorsitzender Andreas Minkenberg schätzt aufgrund der Nachfrage „dass es 1.000, vielleicht auch 2.000“ hätten mehr sein können“. Auf dem sogenannten „Zweitmarkt“, den nicht immer legalen Ticketbörsen und Anzeigenportalen im Netz überwiegt auch deutlich die Nachfrage gegenüber den Angeboten. Ungeachtet aller Turbulenzen sind die „Löwen“ ein Zugpferd und lösen einen Hype aus.
Nicht nur sportlich ist das Treffen mit den nach der Lizenzverweigerung in die vierte Liga verbannten Münchnern eine große Aufgabe, sondern auch hinter den Kulissen eine immense Herausforderung. Der FC Memmingen hat in der Vergangenheit mehrfach bewiesen, dass Fußballspiele mit großem Andrang bewältigt werden können. Auch dieses Mal sieht sich der Verein organisatorisch gewappnet, wenngleich sich die Haupturlaubszeit bei der Akquise von Helfern schon bemerkbar macht. Weit über 100 ehrenamtliche Hände werden am Einlass, als Ordner, den Kiosken und im VIP-Bereich und anderen Stellen im Einsatz sein.
Die professionellen Security-Kräfte wurden hochgefahren, die Polizei zeigt entsprechend Präsenz. Bei der Frage in welcher Stärke heißt es nach einer Sicherheitsbesprechung am Mittwoch dazu „ausreichend“, ohne Zahlen der Personalstärke zu nennen. Zumindest Kassenpersonal wird aufgrund des ausverkauften Stadions nicht zusätzlich benötigt. Die Tageskassen bleiben geschlossen. Wer keine Karte im Vorfeld erworben hat, kommt auch nicht rein. Auf einen Top-Zuschlag hat der FCM im Gegensatz zu anderen Clubs übrigens verzichtet.
Das Spiel wird vom Bayerischen Fußballverband in der Risikobeurteilung mit „Gelb“ eingestuft. Das bedeutet, es gibt erhöhte Sicherheitsanforderungen, aber keine strikte Fantrennung. Es wird Personenkontrollen geben, vor allem verbotene Pyrotechnik soll verhindert werden. Der Gästeblock mit eigenem Eingang an der Eissporthalle bleibt in sich abgegrenzt. Von dort ist ein Zugang in anderen Bereich nicht möglich. Im Nordteil der Arena findet sich der harte Kern der Sechzger-Anhänger mit den Ultras wieder.
Ansonsten rechnet der FC Memmingen damit, dass auch auf den anderen Tribünen aufgrund der großen Fanbase der Sechziger auch im Allgäu die Farben weiß und blau vorherrschend sein werden. Für das heimische Publikum wird es also eine Kraftanstrengung werden lautstark gegen die „Löwen“ dagegen zu halten, genauso für die Jungs auf dem Platz. Bei Treffen mit der ersten Garnitur von 1860 gab es in der Vergangenheit in Punkt- und Pokalspielen keine größeren Probleme, mal abgesehen von offenbar leider obligatorischen „Verschönerungsaktionen“ mit Stickern und Schmierereien in Toiletten. Einen schwerwiegenden Vorfall gab es ausrechnet bei einem Bayernliga-Spiel im März 2025 gegen die zweite Garnitur, bei dem etwa 70 Ultras die Arena stürmten ohne Eintritt zu bezahlen. Dies war im Vorfeld nicht abzusehen, weil bei 1860 II eigentlich so gut wie keine Gästefans mitreisen. Im Nachgang hatte sich seinerzeit die Fanszene entschuldigt und kam für den entstanden Schaden auf.
Auch die Verkehrslenkung für Freitag war im Vorfeld ein Thema. Mehrere hundert Gästefans werden mit Bussen und Kleinbussen sowie in PKW im Konvoi anreisen. Für sie wird Zusatz-Parkplatz an der Altvaterstraße am Hühnerberg reserviert. Ansonsten sollte der Parkraum am Stadion, dem Schulzentrum und im Gewerbegebiet West wie in der Vergangenheit ausreichend sein. Geschätzt werden auch 800 Fans nicht nur aus Richtung München mit dem Zug anreisen. Ob die Bahnbetreiber dies im Blick haben, ist nicht bekannt. Auf bahn.de wurden die in Frage kommenden Verbindungen zumindest bis Mittwochnachmittag noch nicht als „höhere Auslastung“ eingestuft. In den Nachmittags- und Nachtzügen könnte es auf jeden Fall eng zugehen.
Einlass in die Arena wird ab 18 Uhr sein. Wenn der Andrang zuvor schon größer sein sollte, kann flexibel mit einer etwas früheren Öffnung reagiert werden. Anpfiff ist um 19 Uhr. Dann können alle Fans, die keine Karte ergattert haben, die Partie kostenfrei im Livestream von BR24SPORT und der ARD-Mediathek verfolgen. Trotz des ganzen Stresses freut sich Minkenberg mit seinen Mitstreitern auf das Fußballevent, zudem sich auch BFV-Verbandspräsident Dr. Christoph Kern angesagt hat. „Aber ich bin froh, wenn es am Freitagabend 23 Uhr sein wird und hoffentlich alles gut über die Bühne gegangen ist“, sagt der Vereinschef.
Die besucherstärksten Heimspiele des FC Memmingen in den letzten fünf Jahrzehnten – seit dem Jahr 2007 in der „neuen“ Arena, zuvor im „alten“ Stadion an gleicher Stelle:
- Juli 2017: Regionalliga-Eröffnungsspiel gegen 1860 München -Ergebnis 1:4 (5.100 Zuschauer, ausverkauft)
- Juli 2014: „Traumspiel“ zusammen mit dem Fan-Club „Red Baroons“ gegen den FC Bayern München – 0:3 (11.150 Zuschauer, mit Zusatztribünen, gilt als bislang bestbesuchtes Fußballspiel im Allgäu)
- Juli 2013 – der FC Memmingen als Ausrichter: FC Augsburg – AS Monaco 1:0 (5.000 Zuschauer, ausverkauft)
- September 2010: Spiel in der Regionalliga Süd gegen den SSV Ulm 1846 – 1:1 (5.100 Zuschauer, ausverkauft)
- Juli 2007: Bayernliga- und Arena-Eröffnungsspiel gegen den FC Kempten – 0:0 (7.000 Zuschauer, ausverkauft)
- Mai 2006: Freundschaftsspiel gegen Sansibar im Vorfeld des FIFI-Weltcups von Comedian Oliver Pocher – 2:1 (4.700 Zuschauer im BBZ-Stadion)
- Dezember 1989: Bayernliga-Spiel gegen 1860 München – 0:1 (5.000 Zuschauer)
- November 1986: Bayernliga-Spiel gegen 1860 München – 0:1 (8.000 Zuschauer)
- Silvestertag 1983: Freundschaftsspiel gegen den FC Bayern München – 0:4 (5.500 Zuschauer)
- November 1982: Bayernliga-Spiel gegen den TSV 1860 München – 2:2 (8.000 Zuschauer)