Der FC Memmingen zeigt nach turbulenten Jahren Stabilität. Mit Talenten aus der eigenen Jugend, Rückkehrern aus Verletzungspausen und einem soliden Punktepolster peilt der Aufsteiger den Klassenerhalt an. Hinter den Kulissen laufen zudem wichtige Strukturprojekte, berichtet das KICKER-Sportmagazin.
Der FC Memmingen ist auf dem besten Weg, den Ruf einer Fahrstuhlmannschaft abzulegen. Nach den Abstiegen 2022 und 2024 gelang dem Gründungsmitglied der Regionalliga Bayern jeweils unmittelbar die Rückkehr, 2023 ging es postwendend aber wieder nach unten. In dieser Saison hat der Aufsteiger sehr gute Aussichten auf den direkten Klassenerhalt.
Auch wenn die beiden ersten Rückrunden-Spiele vor der Winterpause verloren gingen, sind die 25 Zähler aus der Hinserie ein ordentliches Polster, das im Frühjahr schnell ausgebaut werden soll. Eine Ausbeute, die so nicht unbedingt zu erwarten war.
Regionales Konzept ging auf
Ein rigoroser Sparkurs mit Gehaltskürzungen in allen Bereichen im Sommer und somit mutmaßlich eines der kleinsten Regionalliga-Budgets waren nicht gerade optimale Voraussetzungen. Das Konzept, wirklich konsequent auf Spieler mit eigenem Stallgeruch und Talente aus der näheren Umgebung zu setzen, ging bislang voll auf, weil der Chorgeist nach der Bayernliga-Meistersaison noch stärker wurde. Auch schwerwiegende Verletzungsausfälle konnten kompensiert werden. So schaffte mit Luan Fusaro ein weiteres Talent den Sprung, der bei seinem Debüt erst 17 Jahre alt war.
„60 bis 70 Prozent der Spieler kommen aus der eigenen Jugend beziehungsweise haben eine Vergangenheit in unserem Verein. Garantien gibt es nicht. Es können viele Sachen passieren, aber wir sind auf einem guten Weg“, stellt der Sportliche Leiter Esad Kahric fest. Der 66-Jährige war im Herbst zusätzlich noch einmal interimsweise auf den Trainerposten bei der abstiegsgefährdeten U 21 in der Landesliga eingesprungen, konzentriert sich nun wieder voll auf seine Funktionärstätigkeit.
Hier tauscht er sich nahezu täglich mit Cheftrainer Matthias Günes aus. „Das ist nicht immer vergnügungssteuerpflichtig“, merkte Günes schon mal lachend an, wenn gleich zweimal am Tag das Telefon klingelt und Kahric dran ist. Das über gemeinsame Jahre entwickelte freundschaftliche Verhältnis macht das Zusammenspiel aber leichter.
Das Ziel von Kahric ist es, auch wieder Konstanz auf den Trainerposten zu bringen. Die Vereinslegende weiß, wovon sie spricht, schließlich stand Kahric selbst insgesamt 16 Jahre in dieser Position in der Verantwortung. Günes ist jetzt seit genau zwei Jahren im Amt. Der Wunsch aller Seiten ist es, die Aufbauarbeit noch lange gemeinsam fortzusetzen.
Neuzugänge mit Stallgeruch
Nahziel ist erst einmal die Frühjahrsrunde. Die Winter-Verpflichtungen der Rückkehrer Kevin Haug und Flemming Schug passen als weitere Bausteine ins Memminger Konstrukt. Für den 30-jährigen Haug schließt sich ein Kreis. Bevor er zu verschiedenen Stationen im Allgäu auszog, wurde er in der FCM-Jugend ausgebildet. Er wohnt in Memmingen und hat den Willen, in der Regionalliga noch einmal angreifen zu wollen. Auch Schugg spielte schon in der Saison 2023/24 für den FCM und kehrt nach zuletzt einem halben Jahr Vereinslosigkeit in den Allgäu zurück.
Im Angriff ist Sommer-Zugang Philipp Kirsamer nach seiner Verletzungspause wieder fit. Auch die anderen Langzeitverletzten, allen voran Kapitän Lukas Rietzler, David Remiger und Pascal Maier sind wieder dabei, wenn Mitte Januar die Vorbereitung beginnt. Gleich nach Neujahr starten die Spieler individuell mit Lauf- und Fitnesseinheiten.
Dolinski verpasst Restrundenauftakt
Passable zehn Punkte hat der FC Memmingen Vorsprung vor der Gefahrenzone. Beim Restrundenauftakt am 28. Februar im Nachbarduell beim FV Illertissen wird der gesetzte Innenverteidiger Maximilian Dolinski wegen seiner Rotsperre fehlen. Spannend wird es im Frühjahr auch für die eigenen U-17-Junioren, die erstmals in der DFB-Nachwuchsliga mitmischen dürfen. Die Qualifikation für die höchste Nachwuchsliga ist einer der größten Erfolge und eine Belohnung für die seit Jahrzehnten geleistete Jugendarbeit in den höchsten bayerischen Juniorenligen.
Hinter den Kulissen laufen die Bestrebungen den Allgäuer Traditionsverein auf ein solides Fundament zu stellen. Bis zur geplanten Mitgliederversammlung im April gilt es für den Vorsitzenden Andreas Minkenberg und seinen Vorstandskollegen, eine Lösung für das Multifunktionsgebäude e-con ArenaPark zu finden, die über die laufende Saison hinausgeht. Minkenberg, früher Unternehmenssanierer und -entwickler, ist optimistisch, dass dies auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gelingen kann. Das Gebäude bietet eine Top-Infrastruktur, ist finanziell aber eine Belastung.
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KICKER-Sportmagazin vom 06.01.26 – Foto (C)