Regionalliga-Reform: DFB will Kompass-Modell – BFV für 22/5-Variante

In die Reform-Diskussion, wie künftig die Regionalliga-Landschaft im deutschen Fußball aussehen soll, kommt weiter Bewegung. Eine Einigung ist aber nicht in Sicht. So wird am 18. Dezember beim eigens dafür einberufenen DFB-Bundestag in Frankfurt ein großes Spannungsfeld erwartet. Lediglich bei der Forderung „Meister müssen aufsteigen“ herrscht Einigkeit. Über das „Wie“ gehen die Meinungen noch weit auseinander. Der FC Memmingen folgt indes einem Vorschlag des Bayerischen Fußballverbands (BFV).

DFB-Präsident Bernd Neuendorf legte bei einer Tagung der Regional- und Landesverbände Anfang der Woche ein Papier vor, wie der Antrag zur Reduzierung von derzeit fünf auf vier Regionalliga-Staffeln aussehen soll – mit dem sogenannten Kompass-Modell. Für diesen Vorschlag ist eine Zweidrittel-Mehrheit der Delegierten erforderlich. BILD berichtete zuerst darüber. Der Deutsche Fußballbund statt der Regional- und Landesverbände wäre künftig der Träger der vierten Liga. Dafür will der DFB als Kompensationsleistung zunächst 2,5 Mio. pro Jahr (500.000 Euro für jeden der fünf Regionalverbände) „zur Förderung des Amateurfußballs und zur Entwicklung von dessen Infrastruktur ausschütten“.

Jede Regionalliga-Staffel soll mit 20 Teams (statt bisheriger Sollstärke 18) an den Start gehen. Damit steigt jeder Meister auf. Vier Mannschaften steigen wiederum aus der 3. Liga weiterhin ab. Die Aufstiegsregelungen aus der Oberliga (im Freistaat die beiden Bayernligen) ins neue Kompassmodell bleiben bis auf eine Erweiterung gleich. Die vier Zweitplatzierten der 5. Ligen aus Bayern und dem Osten ermitteln per Relegation einen weiteren Teilnehmer, sodass es bundesweit jährlich 16 Aufsteiger in die Regionalligen geben soll.

Im DFB-Antrag heißt es: „Aus diesem Pool werden vor jeder Spielzeit vier Regionalliga-Staffeln mit den jeweils geringsten Reiserouten im Norden, Osten, Süden und Westen Deutschlands gebildet.“ Jedoch dürfen maximal sieben zweite Mannschaften einer Liga zugeteilt werden, sonst muss eine Reserve in eine naheliegende andere Staffel wechseln. Der DFB spricht außerdem davon, Derby-Ausnahmen zu prüfen. Die Formulierung im Wortlaut meint Vereinskonstellationen, denen „traditionell eine besondere sporthistorische Bedeutung zukommt“. Hier kommt jetzt Widerstand von den aktuell fünf hessischen Vereinen in der Regionalliga Südwest, die bei einer Einteilung nach dem Kompassmodell eine Aufsplitterung der Hessen-Clubs auf zwei oder sogar drei Staffeln befürchten.

Es ist eine zentrale Vermarktung durch den DFB vorgesehen, insbesondere für nationale Übertragungsrechte und Sponsoring. 90 Prozent sollen davon die Clubs erhalten. In den ersten vier Jahren sollen 40.000 Euro pro Saison für jeden Regionalligisten „vorgeschossen“ werden, Zweitvertretungen der Proficlubs erhalten nichts. Die nächste Saison 2027/28 würde zu einer Qualifikationsrunde. 14 bayerische Clubs (max. 12 Regionalligisten und zwei Bayernliga-Aufsteiger) würden die Qualifikation für die neue Ligen-Landschaft schaffen. Für den FCM ginge zu den südlichen Teams in Baden Württemberg beispielsweise nach Aalen, Freiburg, Stuttgart und Ulm und nicht mehr ganz nach oben in Bayerns Norden. Start der viergleisigen Regionalliga wäre die Spielzeit 2028/29.

Es soll ein Regionalliga-Ausschuss eingeführt werden, dem jeweils ein Vereinsvertreter der vier Staffeln und ein Vertreter der fünf Regionalverbändes angehört. So soll ein Mitspracherecht gesichert werden.

Das sind die Bedingungen für die Vereine: Es wird ein wirtschaftliches Zulassungsverfahren eingeführt. In Sachen Infrastruktur müssen die Stadien ein Fassungsvermögen von 2.500 Plätzen haben (in Bayern auch bisher so). Die geforderte Flutlichtstärke wird mit 200 Lux (in Bayern 400 Lux) niedriger angesetzt. Es gibt eine Übergangsfrist von zwei Jahren. Damit sollen kleinere Vereine geschützt werden. Genau da setzt wiederum die Kritik aus Bayern und auch des FC Memmingen an. „Kleinere Vereine hat der DFB gar nicht im Blick“, so FCM-Sportvorstand Serge Ahrens, der trotz guter Infrastruktur den Fußball-Club zu den kleineren Clubs zusammen beispielsweise mit Ansbach, Aubstadt, Buchbach, Eichstätt Eltersdorf,, Vilzing oder auch Illertissen zählt.

Für Ahrens geht die neue Regionalliga faktisch in Richtung Profiliga. Der Bayerische Fußballverband mit BFV-Präsident Christoph Kern will für 18. Dezember einen Gegenantrag einbringen, der einiges an Brisanz hat. Das „22/5-Modell“ würde bedeuten, dass die 3. Liga auf 22 Vereine aufgestockt würde und es fünf Absteiger gibt. Damit würden alle bisherigen fünf Regionalliga-Staffeln erhalten bleiben und alle Meister aufsteigen. Der FC Memmingen unterstützt den „22/5-Antrag“. Dieser wird von der DFB-Führung und den Drittligisten vehement abgelehnt. Allerdings: Für diesen Alternativ-Vorschlag würde offenbar eine einfache Mehrheit ausreichen. Eine Zweidrittel-Mehrheit für das Kompass-Modell scheint nach den kritischen Stimmen aus dem Süden (der einen entscheidenden Anteil an Delegierten bei der Abstimmung stellt) und jetzt auch aus Hessen, jedenfalls gehörig ins Wanken kommen. Neuendorf muss noch gewaltige Überzeugungsarbeit leisten …

Im Bild: BFV-Präsident Dr. Christoph Kern (Mitte) war bereits zweimal in der laufenden Saison zum Austausch mit FCM-Sportvorstand Serge Ahrens (links) und FCM-Präsident Andreas Minkenberg (rechts) in Memmingen / .

Fotos (C) Hannah Brenner + FCM

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