Der FC Memmingen (FCM) verpachtet ab 1. Juni 2026 seinen e-con ArenaPark. Einer der beiden Pächter, Serge Ahrens, wurde jetzt bei der Mitgliederversammlung auch zum neuen Zweiten Vorsitzenden des Fußball-Regionalligisten gewählt, Harald Rehklau zum neuen Dritten Vorsitzenden.
Im Rahmen der rund dreistündigen Versammlung gab der wiedergewählte Vorsitzende vor 149 stimmberechtigten Mitgliedern und zahlreichen Gästen bekannt, dass der Pachtvertrag für das Multifunktionsgebäude mit Ahrens und dessen Partner Volkan Örgen zehn Jahre laufe. Konkrete Vertragsdetails nannten weder Ahrens noch Minkenberg. Der FCM-Vorsitzende sagte jedoch öffentlich: „Am Anfang zahlen sie mehr, dann weniger, denn wir brauchen das Geld jetzt.“
Ja, das liebe Geld. Das kann der finanziell angeschlagene Fußball-Regionalligist, dem 669 Mitglieder angehören, nach wie vor gut brauchen. Da machte der Vorsitzende keinen Hehl draus, der Schatzmeister auch nicht. Markus Kramer nahm wie gewohnt kein Blatt vor den Mund und erinnerte die versammelten Mitglieder an den vergangenen Sommer: „Wir waren eigentlich schon klinisch tot – und haben‘s trotzdem geschafft.“ Dafür bekam er starken Applaus.
Zur Erinnerung: Im Juli 2025 hielt der FCM eine außerordentliche Mitgliederversammlung ab, bei der Vorsitzender Minkenberg bekannt gab, dass der Verein kurz vor der Insolvenz gestanden und nicht klar gewesen sei, ob der FCM die Saison 2025/26 überhaupt bestreiten könne.
Minkenberg blickte nun zurück und sagte: „Markus Kramer und ich haben damals festgestellt, dass uns rund 500.000 Euro fehlten, um den Laden am Laufen zu halten. Rund 350.000 Euro davon haben wir selber hingekriegt.“ Beim Rest haben dem 1907 gegründeten Traditionsverein zwei bekannte Memminger Unternehmer geholfen. Diese wollten aber nicht, dass ihre Namen öffentlich genannt würden, erklärte Minkenberg nach der Versammlung im Gespräch mit unserer Redaktion. Schon bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung im Juli 2025 hatte der Vorsitzende vor den Mitgliedern zum Defizit eingeräumt, dass der „größte Brocken durch den e-con ArenaPark“ entstanden sei.
Wie es dem FCM-Vorstand gelungen ist, neben der genannten Unterstützung durch die beiden Unternehmer Schulden zu reduzieren und Geld einzusparen, erklärte Schatzmeister Kramer den versammelten Mitgliedern mit folgenden Beispielen: Der Verein habe bei allen Mitgliedern und Helfern, die Geld von ihm bekommen, die Zuwendungen gekürzt. Außerdem sei auch der Fuhrpark verkleinert worden. „Wir haben überall den Rotstift angesetzt“, sagte Kramer. Der Plan für dieses Jahr sei „die schwarze Null“.
Kramer nahm hierbei auch Stellung zur Nachfrage eines Mitglieds, wie der Vorstand das zum 30. Juni 2025 ausgewiesene Minus in Höhe von rund 307.000 Euro in den Griff bekommen wolle. Dieses resultierte aus Ausgaben in Höhe von rund 1,74 Millionen Euro im besagten Geschäftsjahr, denen aber nur rund 1,43 Millionen Euro an Einnahmen gegenübergestanden seien.
Der Schatzmeister gab bei der Versammlung öffentlich bekannt, dass der FC Memmingen zum Stichtag 30. Juni 2025 unter dem Strich Bankverbindlichkeiten in Höhe von rund 4,42 Millionen Euro aufgewiesen habe. Dem stehe aber ein Anlagevermögen in Höhe von rund 5,44 Millionen Euro gegenüber.
Vorsitzender Minkenberg ergänzte, dass der FC Memmingen derzeit zwar „keine Tilgungen zahlt“, andererseits aber auch mehr Geld eingespart habe, als eigentlich geplant gewesen sei. „Wir hatten in dieser Saison ungeplante Kosten in Höhe von rund 85.000 Euro. Wenn wir die nicht gehabt hätten, hätten wir es dieses Jahr schon geschafft.“ Minkenberg unterstrich: „Dieses Jahr ist bei uns kein Verlustjahr. Und das kommende könnte sogar ein positives werden.“ Schatzmeister Kramer gestand den Mitgliedern jedoch, dass der FCM keineswegs schon aller Sorgen ledig sei: „Es wird ein sehr, sehr, sehr langer und steiniger Weg. Aber: Es lohnt sich, ihn zu gehen. Denn dieser Verein hat eine Zukunftsvision“, bekräftigte der 49-Jährige, der dem FCM seit seinem vierten Lebensjahr angehört. Er sei stolz, versicherte Kramer, „dass wir uns am eigenen Schopf aus dieser Sch… herausgezogen haben. Wir haben dabei niemandem was weggenommen und niemandem was kaputtgemacht.“
Um als Verein nicht kaputt zu gehen, ist dem Vorstand klar geworden, dass er für den im September 2023 eröffneten e-con ArenaPark eine Lösung finden muss. In einem exklusiven Interview mit unserer Redaktion hatte Vorsitzender Minkenberg vor der aktuellen Mitgliederversammlung gesagt: „Die Auslastung könnte sicher besser sein. Dies liegt aber nicht am Gebäude, sondern daran, dass der Verein nicht die Ressourcen hat, um an fünf bis sieben Tagen in der Woche eine Veranstaltung zu unterstützen oder zu organisieren. Wir sind ein Fußballverein und keine Eventagentur. Diese Tätigkeiten an eine Agentur zu vergeben, ist aber finanziell ein Verlustgeschäft für den Verein.“
Daher hat der FCM-Vorstand hinter den Kulissen intensiv an einer anderen Lösung gearbeitet. Diese hat er nun präsentiert. Der neue Pächter und Zweite Vorsitzende Serge Ahrens äußerte sich noch nicht zu den Plänen, die er und sein Partner Volkan Örgen mit dem e-con ArenaPark haben. Er sagte aber unter anderem: „Ich werde hier nichts auf den Kopf stellen. Ich weiß aber, dass ich mich hier beweisen muss.“
Serge Ahrens (Jahrgang 1982), der nach zehnjähriger Tätigkeit beim Liga-Dauerrivalen FV Illertissen jetzt zum FC Memmingen gewechselt ist, bezog sich bei diesen Aussagen auf seine neue Tätigkeit im Memminger Vorstand. Sie gelten aber auch für seine Aktivitäten im e-con Arena Park.
Von Manfred Jörg – Memminger Zeitung vom 28.02.2026 – Fotos (C) Siegfried Rebhan