Versammlung: Sie haben ihm einen Korb gegeben

Thomas Reichart wird als Zweiter Vorsitzender des FC Memmingen verabschiedet. Klar, dass da kein Auge trocken bleibt, berichtet die Memminger Zeitung:

„Der Geschenkkorb für Dich müsste eigentlich viel größer sein, aber wir müssen ja sparen.“ Andreas Schales, Sprecher des FC Memmingen, fand die angemessene Tonlage, als bei der Mitgliederversammlung der bisherige stellvertretende Vorsitzende Thomas Reichart verabschiedet wurde.

„Thommy“, wie ihn im Stadion an der Bodenseestraße seit Jahrzehnten alle nennen, war bei der Neuwahl des Vorstands nicht mehr angetreten, weil er wegen beruflicher Belastung künftig im Verein kürzertreten will.

Thommy ist und war immer für einen guten Witz zu haben. Dementsprechend fiel auch sein Abschied aus. Und so haute der 59-Jährige – wie man ihn kennt – einen nach dem anderen raus. Zum Beispiel, als er sich scherzhaft beschwerte, dass man ihn vor 20 Jahren, als er im Vorstand des FCM anfing, übers Ohr gehauen habe: „Am Anfang hieß es, dass ich nur ein paar Briefe schreiben soll.“

Es war in den Folgejahren nicht nur ein bisschen, sondern viel mehr, was Thommy Reichart für seinen FC Memmingen getan hat – und wenn er in der Funktion des Greenkeepers bei Heimspielen auf dem Rasen Löcher stopfte.

In höchsten Tönen verabschiedete sich Reichart in Michael-Jackson-Manier nun bei den versammelten Mitgliedern („I love you all“) – und bedankte sich noch ganz besonders bei zwei Menschen: Zunächst bei seinem Mentor Gottfried Kräften („Von ihm habe ich sehr viel gelernt“) und schließlich bei Stefanie, die als seine Ehefrau „seit 35 Jahren meinen Fußball-Wahnsinn“ erträgt. Mit den Worten „Es war mir meistens eine Freude, aber immer eine Ehre“, zog sich Reichart, der am 16. April 60 wird, aus dem Vorstand des Regionalligisten zurück.

Den Staffelstab in puncto Spaß nahm sogleich der ehemalige Spitzensprinter Harald Rehklau auf, als er sich als neuer Dritter Vorsitzender des FCM vorstellte. Er könne sich gar nicht vorstellen, in die Fußstapfen von Reichart treten zu können, sagte Rehklau, „denn ich bin ganz schlecht im Witze erzählen.“ Und schon hatte er die Lacher auf seiner Seite. Ebenso bei seiner Aussage, dass er ab August frei sei für neue Tätigkeiten, weil er als Realschulleiter in Ruhestand gehe.

Er sei seit 2002 im Verein und übernehme nun einen Vorstandsposten, „weil unser Konzept richtig ist und weiterentwickelt werden soll“. Rehklau meinte damit, dass der FCM den Fokus auf Spieler aus dem eigenen Nachwuchs und aus der Region richte.

Und außerdem sei da ja auch noch Vorsitzender Andreas Minkenberg: Der schiebe auf allen Ebenen an. „An manchen Tagen bekomme ich 30 E-Mails von ihm.“ Zu den finanziellen Schwierigkeiten sagte der neue Dritte Vorsitzende: Es solle so bald wie möglich „wieder der Sport im Mittelpunkt stehen und das beherrschende Thema sein“. Das war er schon jetzt in den Ausführungen von Jürgen Wassermann, dem Vorsitzenden des FCM-Spielausschusses: „Wir wollen künftig versuchen, jedes Jahr neue Spieler aus dem Nachwuchs in den Seniorenbereich hochzuziehen.“ Der FCM wolle sich nach dem Aufstieg im vergangenen Jahr in der Regionalliga etablieren und keine Fahrstuhl-Mannschaft sein, betonte Wassermann.

Schon in diesem Jahr sei es für ihn viel angenehmer, Bericht zu erstatten, als in den Vorjahren. Und dabei sei es gar nicht zu erwarten gewesen, dass das Team so gut in die Regionalliga starte. „Das hat aber wohl mit der positiven Stimmung in der Kabine zu tun. Und diese Leidenschaft, die dort herrscht, spiegelt sich auch auf dem Platz wider.“

Das sieht auch Andreas Minkenberg so: „Jungs, es macht einfach unglaublich Spaß, Euch zuzuschauen“, rief der FCM-Vorsitzende bei der Versammlung den Spielern zu.

Von Manfred Jörg – Memminger Zeitung vom 02.03.2026 – Fotos (C) Siegfried Rebhan

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