
Senkrechtstart statt Oberschenkelprobleme: Memmingens Stürmer Luis Pfaumann präsentiert sich vor dem Kracher in der Fußball-Regionalliga gegen den TSV 1860 München in Topform – und verfolgt einen Traum, berichtet die Allgäuer Zeitung:
Natürlich spielt man Fußball, wie es der Name schon sagt, vor allem mit dem Fuß. Und doch sei es ganz wichtig, was im Kopf abgeht – sagt Luis Pfaumann. Der 24-jährige Neuzugang des FC Memmingen, der vom FV Illertissen kam, sieht deshalb dem „Highlightspiel der Saison“ am Freitag ab 19 Uhr gegen 1860 München freudig und positiv entgegen: „Wir müssen uns nicht verstecken und gehen mit breiter Brust auf den Platz.“ Das klingt nach Selbstbewusstsein, das sich in Memminger Köpfen breit gemacht hat.
Die Allgäuer Gastgeber sind Tabellenführer der Regionalliga Bayern, sie haben die Saison mit drei Siegen eröffnet und acht Mal ins gegnerische Tor getroffen. Das sind Spitzenwerte, bei denen auch neutrale Beobachter respektvoll die Augenbrauen nach oben ziehen. Neun Punkte nach drei Spielen macht was mit dem Kopf. „Natürlich hätte ich das vor der Saison so nicht erwartet“, sagt Pfaumann. „Inzwischen bin ich nicht mehr überrascht. Wir sind eine starke Truppe und sehr selbstbewusst.“
Luis Pfaumann ist Stürmer beim FC Memmingen, und bislang kann sich seine Bilanz mit drei Treffern (einer gegen Ansbach, zwei gegen Bayreuth) sehen lassen. „Ich fühle mich in Memmingen rundum wohl“, verrät er und nennt einen der Gründe für den Traumstart: „Wir verteidigen sehr gut. Zudem hat unser schnelles Umschalten immer wieder die Gegner überrascht.“ Das lässt sich mit Zahlen belegen: Fünf der acht Treffer erzielte die Truppe von Trainer Matthias Günes nach perfektem Konterspiel.
Das spielt einem wie Pfaumann in die Karten: Läuferisch und kämpferisch auffallend, schneller Antritt, und bei mit über 1,90 Metern ist er auch bei Flanken sprichwörtlich eine Größe im gegnerischen Strafraum. Ob diese Konter-Taktik auch am Freitag beim Topspiel das Zünglein an der Waage sein könnte? Gut möglich, meint er. Denn alleine angesichts der zahlreichen „Löwen“-Fans erwartet er in der mit 5000 Zuschauern ausverkauften FCM-Arena eher die Atmosphäre eines Auswärtsspiels. Seine Rechnung dürfte deshalb so aussehen: Die „Löwen“ kommen lassen und dann eiskalt zurückschlagen.
Vor so einer Kulisse spielen zu dürfen, sagt er, sei der Traum eines jeden Fußballers. Der von Luis Pfaumann, der aus Waldburg kommt, knapp 60 Kilometer von Memmingen entfernt, ist freilich noch ein anderer: der Sprung in die Profiliga. „Natürlich wünscht man sich den“, gesteht er, „dafür will ich in diesem Sport alles geben.“
Sein Fokus ist seit ein paar Jahren klar auf den Fußball gerichtet. In Teilzeit hilft er bei seinem Vater mit, der in Waldburg das Unternehmen „kunst & zahn“ (Zahntechnik und Galerie für zeitgenössische Kunst) führt. Ansonsten stehen das Mannschaftstraining sowie persönliche Übungseinheiten zu Hause auf dem Programm.
Dann erzählt Pfaumann noch von einer weiteren Kopfsache. In Illertissen plagten ihn geraume Zeit vor seinem Wechsel zum FCM immer wieder Oberschenkelprobleme, weshalb seine Einsatzzeiten in der Regionalliga deutlich zurückgingen. „Ich musste mir einen anderen Weg suchen“, erklärt er den Grund für seinen Weggang aus Illertissen. „Verletzungen sind oft auch Kopfsache.“ Womöglich zu erklären mit einem Kreislauf, aus dem es schwerfällt, auszubrechen.
An neuer Wirkungsstätte jedenfalls sei diesbezüglich alles prima, beteuert Pfaumann. Kein Ziehen mehr am hinteren Oberschenkel, keine Angst mehr im Hinterkopf. Weshalb er optimistisch in die Partie gegen die Münchner „Löwen“ geht und tippt: „Wir gewinnen mit 2:1.“ Ein Ergebnis, mit dem sich die Maustädter weiterhin das Regionalliga-Feld von ganz oben anschauen würden.
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Von Freddy Schissler – Allgäuer Zeitung vom 14.08.26 – Fotos (C) Siegfried Rebhan, Hannah Brenner