
Wohl kaum einer hatte auf der Rechnung, dass die Begegnung des FC Memmingen gegen die DJK Vilzing am 8. Regionalliga-Spieltag ein Gipfeltreffen sein könnte. Beim 0:0 Unentschieden im „Überraschungs-Spitzenspiel“ unterstrichen beide Mannschaften, dass sie ganz oben mit dabeibleiben. Die Allgäuer grüßen sogar weiter vom zweiten Tabellenplatz.
„Unabhängig vom Ergebnis bin ich in den letzten Wochen sehr zufrieden mit der Art und Weise wie wir auftreten und ich hoffe, wir können stabil so weitermachen“, lobt FCM-Trainer Matthias Günes seine Truppe in der die bärenstarke Defensive herausragt. Dreimal in Folge stand hinten die Null, nur sechs Gegentreffer wurden kassiert, davon allein drei beim einzigen Ausrutscher gegen 1860 München (0:3), gleichbedeutend mit der bislang einzigen Punktspielniederlage in dieser Saison. Zudem wurden alle vier Auswärtsspiele gewonnen.
Klar hätte aus dem Chancenplus daheim gegen Vilzing, wie auch schon bei der Nullnummer gegen Unterhaching mehr gemacht werden können oder sogar müssen, aber die Verantwortlichen des Fußball-Clubs bleiben nach der stärksten Startserie in ihrer Regionalliga-Geschichte auf dem Boden. Wohlwissend, dass die augenblicklich noch dahinter rangierenden vermeintlichen Topclubs unter ihren Möglichkeiten agieren.
Doch so ganz von ungefähr kommt der Memminger Erfolg auch nicht. Die letztjährige Aufstiegsmannschaft hat sich spielerisch weiterentwickelt und es kam mit den Sommer-Neuzugängen „noch einmal Qualität hinzu“, wie der Sportliche Leiter und Vereinsikone Esad Kahric betont. Max Zeller ist in der Innenverteidigung mit dem jungen Eigengewächs Timo Schmidt eine Bank. Zeller ist zwar einer von vier aus Illertissen gekommenen Spielern ein „Externer“, gegen Vilzing standen beim FCM aber acht Spieler in der Startelf, die aus der eigenen Nachwuchsarbeit stammen. Einer davon ist Kapitän Lukas Rietzler, der „nicht krass überrasch ist“, dass es so gut läuft: „Ich glaube, wir haben eine sehr gute Selbsteinschätzung. Wir hatten auch Spiele, wo wir Glück hatten, wo wir das Spiel einfach gezogen haben. Es ist ein guter Start, keine Frage. Bis jetzt schaffen wir es ganz gut unsere Qualität auf den Platz zu bringen und schaffen das meist besser als unsere Gegner“.
Ein anderer, der auch die Jugend in der Maustadt durchlaufen hat und wie Rietzler zu den erfahrenen Akteuren zählt ist Fabian Lutz. Der mittlerweile 30-jährige hat jetzt über 200 Einsätze in der Ersten Mannschaft auf dem Konto (plus etliche weitere in Pokal, der U21 zu Beginn seiner Karriere und im Nachwuchs). In diesen erlauchten Kreis haben es in den vergangenen knapp 60 Jahren, in denen Memmingen mittlerweile dem gehobenen Amateurfußball angehört erst zwei Dutzend Namen geschafft.
Dass ausgerechnet Lutz als Ältester im Kader beim schnellen Umschaltspiel immer wieder auf die Reise geschickt wird und er lange Wege gehen muss, ist für ihn kein Problem: „Das Alter st nur eine Zahl. Von der Fitness her bin ich auf jeden Fall noch top dabei“. Fitness ist auch sein Beruf. Als Sportwissenschaftler ist er zwar auch viel auf den Beinen, macht Leistungsdiagnostik, lässt aber hier „eher die anderen laufen“. Das FCM-Erfolgsgeheimnis aus seiner Sicht, sind auch der Zusammenhalt und die Kameradschaft im Team. „Manche spielen in der Liga fürs Geld, für Punkteprämien, wir wollen jedes Spiel gewinnen, ob wir was kriegen oder nicht, das zeichnet uns als Mannschaft aus“. Wobei Lutz gleich klärend hinterherschiebt: Sieg- oder Punkteprämien gibt es beim FC Memmingen ohnehin nicht.
KICKER
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KICKER-Sportmagazin vom 14.09.26 – Fotos (C) Olaf Schulze