Constantin Kresin: Fußball im Blut

FCM-Offensivass Constantin Kresin trifft am Samstag auf einen Ex-Klub seines Vaters. Wieso der 20-Jährige vom Thema Regionalliga-Meisterschaft nichts hören möchte, berichtet die Allgäuer Zeitung:

Wir alle kennen sie, die lieben Pflichttermine des Lebens. Das Familienessen an den Weihnachtsfeiertagen. Oder die tolle Idee zum Hochzeitstag, was bei Nichtbeachtung tagelang dicke Luft aufziehen lassen kann. Sven Kresin hat am Samstag auch einen Pflichttermin: 14 Uhr Arena Memmingen, Spieltag der Fußball-Regionalliga Bayern, Spitzenreiter FC Memmingen (33 Punkte) erwartet Drittliga-Absteiger FC Schweinfurt (15./17 Punkte).

Weshalb der 50-Jährige zu diesem Zeitpunkt nirgendwo anders sein kann? Weil er einerseits dem Sohnemann die Daumen drücken muss, dem 20-jährigen Constantin, der bei den Gastgebern so etwas ist wie der Torjäger und das Runde schon vier Mal im Eckigen der Gegner unterbrachte. Zum anderen könnte er ohne schlechtes Gewissen auch den Gästen alles Gute wünschen. Immerhin hat er einst das Trikot der Unterfranken getragen, vor einem Vierteljahrhundert in der 2. Bundesliga.

Väterlicher Gewissenskonflikt hin oder her, in dieser Geschichte geht es um Constantin, dem Sohn im Hause der Kresins aus Landsberg. Der glaubt schließlich zu wissen, wie es am Ende stehen wird: „Wir gewinnen mit 2:0“.

Auch hier drängt sich die Frage nach dem Weshalb auf. Immerhin haben die Allgäuer vor eigenem Publikum (im Gegensatz zu den Auswärtsauftritten), sagen wir mal so, hin und wieder ein bisschen Sand im Getriebe. Auch was die Trefferquote betrifft. Der Grund für Constantin Kresins Optimismus: „Weil wir mit einer sehr guten Einstellung ins Spiel gehen werden“. Weil die Mannschaft zudem in seinen Augen stark besetzt sei, ein prima Klima in der Kabine herrsche und weil die Gegner inzwischen Respekt vor der Truppe von Matthias Günes zeigen würden.

„Das haben wir uns hart erarbeitet“, sagt der Offensivspieler, der Anfang des Jahres vom FC Augsburg ins Allgäu wechselte. Von Zufall oder übermäßigem Glück möchte er deshalb nicht sprechen, wenn er auf die Tabelle blickt und den eigenen Klub ganz oben thronen sieht. Gewiss, so vermessen dürfe keiner sein und behaupten, dass der FCM die beste Mannschaft der Regionalliga Bayern sei: „Aber wir gehören zum ersten Drittel.“

Interessant auch: Wenn im Gespräch mit ihm das Wort der Meisterschaft fällt, hält er sich nicht reflexartig die Ohren zu. Andererseits beteuert Kresin, dass über dieses Szenario noch nie in der Kabine gesprochen wurde. Die Saison ist schließlich noch lang, und die Konkurrenz, die im Nacken des Tabellenführers sitzt, trägt mitunter prominente Namen wie 1860 München oder SpVgg Unterhaching.

Kresins letzte Meisterschaft liegt schon ein paar Jährchen zurück: Als B-Jugendlicher stand er mit dem TSV Landsberg oben auf dem Treppchen. Das ist der Heimatverein des jungen Mannes, der in Hohenems in Vorarlberg geboren ist, und der sich mit 17 Jahren auf den Weg nach Augsburg machte: Bundesliga-U19-Truppe des FCA, danach in den Kader der U23. Dort versuchen jene talentierten Fußballer ihr Glück, die den Traum vom Profifußballer im Kopf haben. „Klar, das ist schon ein Ziel von mir“, räumt der 20-Jährige ein. Vermutlich wird ihm der Vater („Wir haben eine enge Bindung, er ist wie ein Freund für mich“) bereits verraten haben, was alles zusammenspielen muss, um diesen Wunsch auch in die Realität umzusetzen. Sven Kresin spielte für Klubs wie Rot-Weiß Erfurt, die Stuttgarter Kickers, Austria Lustenau und den 1. FC Schweinfurt.

Sohn Constantin freilich wählt seine Worte bezüglich dieser beruflichen Weiterentwicklung mit Bedacht. „Ich denke von Jahr zu Jahr“, sagt er und dass er sich ganz auf diese Saison beim FCM konzentrieren wolle, wo er vom Umfeld und Trainer schwärmt: „Ich habe mich hier deutlich weiterentwickelt.“ Körperlich und mental. Das mit dem Vortasten in den Profibereich überlässt er ohnehin seinem Berater. Darüber werde man sich dann am Ende einer Saison unterhalten.

Zuvor ist die Mama gefragt. Bei ihr wohnt der FCM-Stürmer Kresin, sie beschäftigt sich mit gesunder Ernährung, berät ihn diesbezüglich und wird ihm am Samstagmorgen selbst gemachtes Porridge mit Hafer und jeder Menge an Früchten serviert haben. Auf dass der Bub kräftemäßig seinen Beitrag zum prophezeiten 2:0-Sieg beisteuern kann.

TICKETS

STADIONZEITUNG „ARENA AKTUELL“

LIVETICKER

.

Von Freddy Schissler – Allgäuer Zeitung vom 31.10.26 – Fotos (C) Hannah Brenner, Olaf Schulze

WEITERE ARTIKEL