Torhüter Dominik Dewein glänzte in der Jugend auch als Stürmer

Keeper Dominik Dewein und der FCM kassierten erst sechs Gegentore. Vor dem Spitzenspiel gegen Vilzing erzählt der 27-Jährige seine besondere Geschichte in der Allgäuer Zeitung:

Der Mann ist das, was man im Fußball einen Allrounder nennt. In zahlreichen Jugendteams verteidigte er, lenkte im Mittelfeld das eigene Spiel oder schoss vorne als Stürmer die Tore. Dominik Dewein konnten die Trainer in Langenau, beim SSV Ulm, in Neu-Ulm oder beim 1. FC Heidenheim hinstellen, wo sie wollten, der Bub erledigte gewissenhaft seine Aufgaben. Und doch hat sich der heute 27-Jährige irgendwann für eine feste Position entschieden. Dewein ist Torhüter geworden, die Nummer eins bei Regionalligist FC Memmingen (2. Platz/16 Punkte), der am heutigen Samstag (14 Uhr) auf die DJK Vilzing (3./13) trifft.

Ein Spitzenspiel der Regionalliga Bayern, und wenn es so ausgehen sollte, wie der Memminger Schlussmann sich das wünscht (2:1 für die Hausherren), dann würde zwar hinten nicht die Null stehen, wie das in Fußballdeutsch so schön heißt. Aber mit einem weiteren Dreier wäre die Truppe von Trainer Matthias Günes weiterhin oben dabei. Der war zuletzt restlos glücklich angesichts der Leistung seiner Jungs. Und doch äußert er vor der heutigen Partie einen Wunsch: „Wir haben eine sehr leidenschaftlich auftretende Mannschaft. Jeder einzelne, der ins Stadion kommt, um zu unterstützen, tut uns gut.“

Gut gefüllte Zuschauerränge sind auch für Dominik Derwein einer jener Gründe, die bei ihm für Motivation sorgen. Und dafür, dass er ein enormes Wochenpensum leistet. Einerseits der tägliche Job, andererseits drei bis viermal die Woche Training mit längerer Anreise, plus Spiel am Wochenende. Der Memminger Keeper wohnt und arbeitet in München, im Bereich der Sicherheitstechnik. Regelmäßig unter der Woche steigt er sofort nach Feierabend ins Auto und düst nach Landsberg, wo sich ein FCM-Trio als Fahrgemeinschaft auf den Weg ins Unterallgäu macht. 

„Die Belastung ist mitunter gewaltig“, sagt Dewein und gesteht, dass er manchmal überlegt, weshalb er sich das in seinem Alter noch antue. Doch dann kommen einerseits die Kulisse und die Atmosphäre in der heimischen Arena ins Spiel: „Bei Heimspielen fiebern stets Freunde von mir und meine gesamte Familie mit.“ Andererseits motiviert ihn die Stimmung innerhalb der Mannschaft. „Es ist einfach toll, wenn du Freunde im Training triffst. Wir verstehen uns bestens.“

Weshalb Dominik Dewein auch in seiner nunmehr vierten Saison dem FC Memmingen die Zusage gab, möglichst viele Gegentore zu verhindern. Seine Quote bislang kann sich sehen lassen: nur sechs Treffer in sieben Spielen zugelassen. Lediglich sein Kollege von der SpVgg Unterhaching hat eine bessere Bilanz vorzuweisen.

Dewein als Hauptgarant für den bisherigen Allgäuer Höhenflug? Der knapp 1,90 Meter große Hüne,aufgewachsen in einer Fußballer-Familie, wie er es selbst nennt, schüttelt sofort den Kopf und stellt klar: „Nein, natürlich nicht.“ Im Fußball sei alles ein Zusammenspiel, und nur wenn seine Vorderleute 60 bis 70 Prozent der gegnerischen Angriffe „wegräumen“, sei eine geringe Gegentor-Quote möglich. „Uns zeichnet bislang eine enorme Zweikampfstärke aus.“

Wäre noch die Frage zu klären, weshalb sich Dewein nach seiner Zeit in Jugendteams nicht auch in diese Zweikämpfe stürzen wollte, sondern lieber den Ball als Torhüter fing. Eine Position, auf der es ganz schnell einsam um einen herum werden kann und viele frotzeln, dass sich dafür vor allem Verrückte melden. Das weiß der Allrounder, der es so formuliert: „Du kannst zwar Held sein, aber eben auch der letzte Idiot.“ Wie er damit umgeht? „Ich versuche, immer in der Ruhe zu bleiben“, sagt er und dass seine Stärken gute Nerven und eine gewisse Kaltschnäuzigkeit seien. Dazu noch die Körpergröße: Na ja, da habe er sich eben für diesen Posten entschieden.

ALLGÄUER ZEITUNG

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Von Freddy Schissler – Allgäuer Zeitung vom 12.09.26 – Fotos (C)

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